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Jungs! Seid sexy, tragt Hüte!

John F. Kennedy fand ich immer super. Dabei geht es mir gar nicht so sehr um seine Politik – um Kuba, Vietnam, den Kalten Krieg, wo er bestimmt an der einen oder anderen Stelle zu kritisieren ist. Aber ich mag das Bild, das dieser Präsident und seine Familie hinterlassen haben. In Berlin, direkt am Brandenburger Tor, wo Kennedy einst seine berühmte Rede hielt, gibt es ein tolles Museum, das genau dieses Bild aufleben lässt, mit zahlreichen Überbleibseln aus seiner Regierungszeit und vor allem: jeder Menge Fotos.

Vielleicht liegt meine Zuneigung zu Kennedy darin begründet, dass sowohl er als auch seine Frau vor ihrem First Family-Dasein als Journalisten gearbeitet haben. Da ist es kein Wunder, dass sie es wie kein Präsidentenpaar zuvor verstanden, richtig mit den Medien umzugehen.

JFK war der erste amerikanische Präsident, der Pressekonferenzen im Fernsehen übertragen ließ und einen Hausfotografen einstellte. Der durfte freilich nur vorteilhafte Bilder machen: Nie sieht man Kennedy auf diesen Fotos mit Brille oder gar den Krücken, die er eine Zeit lang benötigte. Vor Fernsehduellen übte er gute Argumente ein und ließ sich sogar schminken – angeblich hat er nur deswegen auch gewonnen. Nixon sah einfach zu unrasiert aus.

Im Museum gibt es dementsprechend kaum ein Bild von Kennedy, auf dem er nicht gut aussieht. Sei es als Jungspund, bei seinen Wahlkämpfen oder in Familienurlauben auf Cape Cod. Außerdem kann man seine Aktentasche bestaunen, die geheime Lesebrille und viele Briefe und Notizen. Darunter auch die Karteikarte, die er bei seiner Berliner Rede 1963 dabei hatte: „Ish bin ein Bearleener“.

Meine Begeisterung für JFK wurde jedoch getrübt, als ich vor kurzem diesen Nachruf von E.B. White fand, den dieser nach Kennedys Ermordung für den New Yorker verfasste. “When we think of him, he is without a hat”, heißt es da gleich am Anfang.

Tatsächlich war es John F. Kennedy, der in seiner Nebenfunktion als Stilikone dafür sorgte, dass der Hut aus dem Standardrepertoire der Männermode verschwand. Vor seinem Amtsantritt war es üblich, dass Herren bei jeder Gelegenheit eine Kopfbedeckung trugen. Jetzt war der junge, sehr medienwirksame Präsident allzu oft oben ohne unterwegs.

Und das nehme ich ihm, ehrlich gesagt, ein bisschen übel. Ich mag Männer mit Hüten. Sie sind ein wunderbares Accessoire und können viel über den Charakter eines Menschen aussagen. Ein kleiner Hut aus Korb, mit buntem Band? Locker und fröhlich! Hoher Sturz und breite Krempe? Sehr selbstbewusst! Es gibt so viele Farben, Formen und Materialien, mit denen man herrlich spielen kann. Außerdem schützt ein Hut vor Wind und Wetter (und dem freien Blick auf eventuelle Geheimratsecken). Und zu guter letzt: Hüte sind sexy!

Also, liebe Jungs, bitte tragt wieder Hüte! Und falls ihr immer noch nicht überzeugt seid, werft einfach einen Blick in dieses Video:

Zeitreisenwollen

Bei Vimeo zeigen junge Amerikaner die alten Urlaubsvideos ihrer Eltern. Das sind Filme aus den 50er und 60er Jahren, als es noch kein HD und keine Festplattencamcorder gab, dafür aber 16mm-Kameras. Sie zeigen eine heile, bunte Welt, in die man zu gern für ein paar Tage hineinschlüpfen würde. Jared Foster zum Beispiel ist auf Videomaterial eines Roadtrips gestoßen, den seine Eltern als frisch verheiratetes Paar unternahmen:


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Videogruß aus Atlanta

Ich warte am Flughafen und trinke meinen ersten Kaffee.
(In Costa Rica wars übrigens halb drei. Totale Zeitzonenzerzwirbeltheit.)

Frost/Nixon

Frost/Nixon

“When the President does it, that means it’s not illegal.”

Das Tolle an „Frost/Nixon“ ist, dass man nicht mal viel über Watergate wissen muss, um diesen Film wirklich packend und gut zu finden. Denn tatsächlich geht es nicht vordergründig um die politische Affäre, die den Präsidenten 1974 zum Rücktritt zwang. Darüber sind wahrscheinlich auch genug Filme gedreht worden. Stattdessen geht es darum, mit ihr aufzuräumen.

Initiator ist der Fernsehmann David Frost (Michael Sheen), den man eigentlich eher als Entertainer bezeichnen würde statt als Journalisten. Kein Wunder also, dass kein amerikanischer Sender seine Angebote für die Rechte an den Interviews ernst nimmt. Frost muss die zwei Millionen Dollar teure Produktion aus eigener Tasche bezahlen und vergisst über das ganze Investorenumwerben fast völlig, sich auf die vier Interviewtage vorzubereiten.

So ist der ehemalige Präsident Richard Nixon (Frank Langella) gleich von Beginn an im Vorteil und raubt Frost und seinem Team mit reichlich langen Antworten wertvolle Zeit. Das Team besteht übrigens aus tollen Schauspielern wie Matthew Macfayden (Mr. Darcy aus „Stolz und Vorurteil“ – aber plötzlich blond!) oder Oliver Platt (der noch viel mehr Nebenrollen in allen Filmen spielen soll). Sie sorgen mit ihren spitzfindigen Sprüchen für Abwechslung, während die wunderbare Rebecca Hall als Frosts Freundin den Glamour in den Film bringt.

Der Zuschauer indes fiebert mit und schämt sich fremd, für Frost, der wochenlang große Töne gespuckt hatte und nun nichts bieten kann außer eines ziemlich penetranten Grinsens. (Dieses Grinsen kennen wir übrigens schon aus „Die Queen“, wo Michael Sheen Prime Minister Tony Blair verkörperte.)

Das ist umso schlimmer, weil der Zuschauer selbst zwischen den Stühlen sitzt. Denn während politisch gesehen eigentlich klar sein sollte, auf wessen Seite man steht, werden aus charakterlicher Sicht die Karten neu gemischt. Frank Langella stellt Nixon nämlich keineswegs als eiskalten Politiker dar. Ihm geht es genau wie dem Journalisten um die eigene Rehabilitation. Von Anfang an ist aber klar, dass die nur einer von beiden bekommen kann.

Dabei überrascht, wie gut es Regisseur Ron Howard gelingt, diese Geschichte, die eigentlich nur aus Dialog besteht, spannend wie einen Actionfilm zu gestalten. Die Wortgefechte erinnern an Schach, das auch nur eine Metapher für Krieg ist. Nicht umsonst betont Nixon immer wieder, dass hier „mit harten Bandagen“ gekämpft werde. Am Ende, und das darf man ja ruhig verraten, werden seine schwächer sein. Der Zuschauer verlässt den Kinosaal mit einer derart großen Zufriedenheit, dass sie wahrscheinlich nur noch von David Frost selbst übertroffen werden könnte.

Inauguration Day

GOBAMA!

(via)