Interstate 26, zwischen Columbia und Charleston: Meine neue SIM-Karte spielt mir einen Streich

Gestern habe ich eine neue SIM-Karte gekauft – eine, die in den Südstaaten angeblich eine bessere Netzabdeckung hat als meine alte. Dann brach ich zu meiner ersten längeren Etappe auf. Und hatte kein Netz. Weder im peitschenden Regen in Georgia, noch unter dem leuchtenden Vollmond in South Carolina. Das war eigentlich nicht schlimm, weil Zuhause in Deutschland ohnehin noch niemand meine Nummer hatte und dort alle längst im Bett lagen. Aber es steigert das Einsamkeitspotenzial. Kurz vor Charleston hatte ich einen von diesen einsamen Momenten. Da kam plötzlich eine SMS.

SIM-Karten-Streich

(Was antwortet man bloß jemandem, der vermeintlich großen Mut für eine Nachricht aufgebracht hat – die dann aber nie da angekommen ist, wo sie sollte?)

Fünf Buchvorsätze

Dirk von Gehlen war mein allererster Chef. Das war 2009, als ich einen wunderbaren Winter lang Teil der Redaktion von Jetzt.de sein durfte. Vier Jahre, fünf Wohnorte und zahlreiche Jobs später hat sich vieles geändert – doch eins ist gleich geblieben: Ich mache gefälligst, was Dirk sagt. Wenn Dirk also sagt,

    Zähle 5 Bücher auf, die ganz oben auf deiner Wunschliste stehen, die aber KEINE Fortsetzungen von Büchern sind, die du schon gelesen hast – sie sollen also völlig neu für dich sein. Danach tagge 8 weitere Blogger und informiere diese darüber.

… dann mache ich das auch.

Fünf Buchvorsätze

Herman Koch: „Odessa Star“

Die Bücher von Herman Koch kommen zunächst wie sehr präzise Gesellschaftsbeobachtungen daher, mit erstaunlich facettenreichen Charakteren und Beziehungsgeflechten – und verwandeln sich dann ganz plötzlich in packende Thriller. Ob das auch bei „Odessa Star“ der Fall ist? Diesen Roman hat Koch in den Niederlanden bereits ein paar Jahre vor seinem internationalen Bestseller „Angerichtet“ veröffentlicht. Kiepenheuer & Witsch brachten ihn Ende 2013 endlich auf Deutsch heraus. Seitdem habe ich den Band schon viel zu oft in der Hand gehabt und dann doch nicht gekauft.

Yotam Ottolenghi und Sami Tamimi: „Jerusalem“

Wenn ich aus Kochbüchern koche, dann für gewöhnlich aus welchen, die ich in der Stadtbücherei ausgeliehen habe. Die vierwöchige Frist wirkt Wunder – man muss sich dann nämlich wirklich damit ranhalten, all die guten Rezepte auch zuzubereiten, anstatt die hübschen Bücher bloß durchzublättern, mit „irgendwann mal“-Eselsohren zu versehen und anschließend in einem Küchenregal dekorativ verstauben zu lassen. So ist es mir mit „Jerusalem“ passiert, das mir meine Eltern letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt haben. Ein großartiges Geschenk, wenn man bedenkt, dass mich Israel und seine Küche seit unserem Klub Konkret-Dreh nicht mehr losgelassen haben – und dass ein so prächtig produziertes Buch wie dieses das studentische Budget eigentlich übersteigt. Zuletzt war es allerdings eher mein Zeitbudget, das mich davon abhielt, meine Küche endlich mit den nötigen Grundzutaten (Sesampaste! Rosenwasser! Dattelsirup!) auszustatten. Wie gut, dass bald schon der nächste Geburtstag ansteht…

Marisha Pessl: „Die amerikanische Nacht“

Endlich hat Marisha Pessl ein zweites Buch geschrieben. Wieder ist es ein richtiger Wälzer geworden – und sehr wahrscheinlich auch wieder einer von denen, die man die ganze Zeit mit sich herumtragen will, um diese Welt ja nicht aus den Händen geben zu müssen. Deshalb warte ich sehnsüchtig auf die Taschenbuchausgabe.

Eli Pariser: „The Filter Bubble: What The Internet Is Hiding From You“

Das ist jetzt etwas peinlich. Eli Parisers Buch über die Algorithmen von Google, Facebook und co., die jedem User sein ganz persönliches Internet – die sogenannte Filter Bubble – kreieren, habe ich im Studium in Auszügen gelesen und das darin beschriebene Konzept seitdem x Mal zitiert und angewendet. So viele Male, dass ich inzwischen ein ganz schlechtes Gewissen habe, wenn ich wieder irgendwo von fragmentierter Öffentlichkeit schwafle oder einem Kollegen vorwerfe, er bewege sich immer nur in seiner eigenen Blase. Allein fürs Gefühl muss dieses Buch also noch ins Regal. Und in meinen Kopf.

Dirk Kruse-Etzbach: „Iwanowski’s USA – Süden“

Wer mir bei Instagram folgt, hat es schon mitbekommen: Ich bin gerade in den USA, genauer gesagt in Durham, North Carolina, wo ich einen Monat als Media Fellow an der Duke University verbringe. Vor ein paar Wochen stand ich aber noch in einer Münchner Buchhandlung und habe einen Verkäufer damit überfordert, mir doch bitte mal kurz die verschiedenen ideologischen Ausrichtungen der angebotenen Reiseführerverlage zu erläutern. Am Ende wurde es Iwanowski, der mir zwischen Baedeker, DuMont und Lonely Planet wie der geheimnisvolle Underdog vorkam. Zugegeben, viel darin gelesen habe ich noch nicht. Dabei beginnt schon in wenigen Tagen mein eigentliches amerikanisches Abenteuer: Ich unternehme einen Roadtrip durch die Südstaaten. Es geht nach Charleston und Savannah, Montgomery und Birmingham, New Orleans, Memphis und Nashville. Ganz allein! Da braucht man etwas, woran man sich festhalten kann.

Ich bin aber auch sehr dankbar für jeden Hinweis, der noch nicht irgendwo gedruckt steht – denn das sind ohnehin meist die besten. Was immer ihr also Tolles kennt – von South Carolinas bester Eisdiele bis hin zur schrulligen Urgroßtante in Tennessee – ich freue mich riesig über Tipps.

Auf die Gefahr hin, dass das meine Leseliste nur noch verlängert, werfe ich den Stock nun weiter: Christian Fahrenbach, Josephine Kramer, Lena Reinhard, David Streit und Lana Pribic – welche Bücher wollt ihr unbedingt bald lesen?

Gibt es eine Zwei-Klassen-EU?

Seit Januar dürfen Rumänen und Bulgaren in Deutschland arbeiten. Von deutschen Politikern wird das gerne mal als „Sozialtourismus“ abgestempelt – ein Wort, das nicht umsonst zum Unwort des Jahres 2013 gewählt worden ist. Für den Klub Konkret habe ich meine allererste Reise nach Osteuropa unternommen. In Bukarest wollten wir herausfinden, was junge Rumänen zu unseren Vorurteilen sagen. Und natürlich habe ich sie auch gefragt: Was bringt euch Europa?

Um europäische Identität, Klassen-Denken und Ressentiments ging es auch im Gespräch mit unseren Gästen. Die ganze Folge gibt es hier.

Was bringt mir Europa, Theo Waigel?

„Pizza und Döner für alle!“, war eine der wenigen positiven Antworten – vor allem aber wurde gemeckert, als ich mich auf dem Münchner Gärtnerplatz nach den Vor- und Nachteilen der EU umgehört habe. Was sagen die dazu, die sie uns eingebrockt haben?

Die komplette Sendung zum Thema „Was bringt mir Europa?“ gibt es hier.

Brüssel, die Europa-Stadt?

Wer auf Schienen nach Brüssel reist, für den beginnt Europa schon im Zug: Die Durchsagen im TGV werden auf Deutsch, Englisch, Flämisch und Französisch gemacht. (Was dazu führt, dass es eigentlich immer gerade eine Durchsage gibt.) Vor Ort ist dann alles auch ziemlich französisch (Gebäude, Geschäfte, Gebäck) oder niederländisch (verdammt fettiges Essen). Aber was werfe ich hier mit Stereotypen um mich – rein ins Getümmel!

Einkaufen

Brüssel ist nach London die reichste Stadt Europas. Kein Wunder also, dass es massenhaft Einkaufsgelegenheiten gibt. Wer die jüngeren Marken und Ketten wie Urban Outfitters, Kooples oder Zadig & Voltaire sucht, wird im Quarier Louisa fündig. Wem es eher um Einzelstücke und schöne Dinge abseits von Mode geht, der sollte sich ins Dansaertviertel begeben. Hier verkauft der hervorragend kuratierte Buchladen Passa Porta (Rue Antoine Dansaert 46) lauter Haben-Wollen-Bücher in vier verschiedenen Sprachen, und bei Pimpinelle (Rue de Flandre 57) gibt es alles, was Küchen zu Tumblr-Küchen macht. Aber Vorsicht! Montags haben hier viele Geschäfte geschlossen oder machen erst später auf.

Buchladen Passa Porta   Einkaufen im Dansaertviertel

Souvenirjäger begeben sich indessen ins touristische (und eben auch sehr schöne) Herz der Altstadt: In der Rue de Beurre reiht sich eine Chocolaterie an die nächste.

Kunst

Leider blieb mir kaum Zeit für die zahlreichen Brüsseler Museen. Das Magritte Museum kann ich aber sehr empfehlen.

Essen

Yeti Cantine Moderne   Yeti Cantine Moderne

Umso mehr Zeit habe ich mit Essen verbracht. Ein Höhepunkt war die Yeti Cantine Moderne (4-6 Rue du Bon Secours), ein noch ganz junges, liebevoll eingerichtetes Lunch-Restaurant, das von sehr netten Leuten geleitet wird. Es ist einer von diesen Läden, in denen man auch einkaufen kann – oder zumindest könnte. „Theaterprodukte“ hat das an meiner Uni mal jemand genannt, weil das Regal mit dem organischen Kaffee, überteuerten Gewürzen und hippen Foodmagazinen eigentlich eher dazu da ist, das Image dieser Produkte direkt auf das Geschäft zu übertragen, anstatt sie wirklich zu verkaufen. Bei mir hats jedenfalls geklappt…
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