“He gives large parties, and I like large parties. They’re so intimate.
At small parties there isn’t any privacy.”
Im Grunde verhält es sich mit Baz Luhrmanns Filmen wie mit der Musik von The XX. Oder dem Essen von Vapiano. Oder diesen französischen Krimiautoren, die gerade so erfolgreich sind: Man kann sich darauf verlassen, dass das nächste Werk den gleichen Geschmack treffen wird wie seine Vorgänger. Dass man also mehr kriegen kann, wenn man mehr davon will. Deswegen hatte ich mich nach dem grandiosen „Romeo + Juliet“ und dem pompösen „Moulin Rouge“ auch so gefreut auf Luhrmanns Neuverfilmung von „The Great Gatsby“.
Der Roman von F. Scott Fitzgerald ist Kult, und das nicht erst seit seiner berühmten Verfilmung von 1974. Er wird erzählt aus der Sicht von Nick Carraway (Tobey Maguire), einem jungen Aktienhändler, der sich über den Sommer 1922 in ein altes Häuschen auf Long Island, der Insel der Reichen und Schönen, einmietet. Fasziniert beobachtet er diese Welt, zu der er bis auf seine Cousine Daisy (Carey Mulligan) und deren Mann keinen Bezug hat. Insbesondere die rauschenden Feste im Garten seines Nachbarn, des mysteriösen Mr. Gatsby (Leonardo DiCaprio), ziehen ihn in ihren Bann.
Und diese Feste schreien geradezu nach der extravaganten Multiplikationsmaschine von Baz Luhrmanns Ehefrau, der oscarprämierten Kostümdesignerin und Ausstatterin Catherine Martin. Einmal dort durchgedreht, potenziert sich der von Fitzgerald beschriebene Pomp ins Unermessliche. Geht es noch lauter, bunter, aufregender? Wohl kaum. Der Regisseur schafft wild reflektierende Wimmelbilder, die man am liebsten anhalten würde, um kein Detail zu verpassen. Und nicht nur visuell sind die zügellosen Parties der absolute Höhepunkt dieses Films. Auch emotional nehmen sich mich am meisten mit: Ich würde sofort aus dem Kino stürmen, mir ein rückenfreies Kleid kaufen und mit Glitzerkonfetti um mich werfen.
Gut, dass es Nick Carraway genauso geht – bis er eines Tages eine Einladung zu einer von Gatsbys Feten erhält. Schnell stellt sich heraus, dass letzterer genau weiß, wer sein Nachbar ist, während Nick etwas länger braucht, um Gatsby zu entschlüsseln. Der hatte sich vor Jahren unsterblich in Daisy verliebt und will sie jetzt mit seiner Hilfe zurückgewinnen.
Dadurch wird Nick vom Beobachter zum beobachtenden Teilnehmer und der Film vom rauschenden Fest zur dahin dümpelnden Liebesgeschichte. Natürlich ist es immer noch ein Luhrmann-Dümpeln: über-üppig ausgestattet, mit einem tollen Soundtrack übrigens (die Coverversionen sind so gut, dass ich minutenlang angestrengt hinhören muss, um sagen zu können, ob „Back to Black“ nun von 2007 oder 1927 ist (2007, Amy Winehouse!)) und Hauptdarstellern, die eine Augenweide sind. Nichtsdestotrotz schießt mir irgendwann die Frage in den Kopf, ob dieser Plot eigentlich schon immer so langweilig war? Ein Blick in die alte Verfilmung sagt: ja. Ein Blick ins Buch sagt: Muss er aber nicht sein!
Mit „William Shakespeare’s Romeo + Juliet“ hatte Luhrmann schon vor über 15 Jahren bewiesen, dass er mehr kann, als eine Literaturvorlage nur bunt auszumalen. Er besitzt die Fähigkeit, ihr völlig neue Formen und Farben zu geben und sie damit auf eine höhere Ebene zu heben – ungefähr so, wie es in der Musik James Blake mit Feists „Limit to Your Love“ gemacht hat. Doch dieses Mal bleibt der Regisseur viel zu nah am Original. Er überträgt es weder in eine andere Zeit noch in ein anderes Milieu. Er bleibt bei den Zitaten, die schon Robert Redford und Mia Farrow hervorgehoben hatten, übernimmt sogar viele Bühnenbilder und Motive aus der alten Verfilmung. So ziehen sich die 142 Minuten am Schluss unnötig in die Länge.
Trotzdem empfehle ich diesen Film. Lesefaule kriegen eine schillernde Zusammenfassung eines der bedeutendsten amerikanischen Romane, inklusive der wichtigsten gesellschaftskritischen Anspielungen (Geldgier, Frauenrollen, American Dream). Kinofans kommen auf ihre Kosten, wenn sie Baz Luhrmann mögen bzw. Filme wie „Sabrina“, „Der talentierte Mr. Ripley“ oder auch „Marie Antoinette“. Frauen können sich endlich an Leonardo DiCaprio satt sehen, Männer an tollen alten Autos. Ich würde mir „The Great Gatsby“ sofort noch einmal anschauen. Allerdings weiß ich nicht, ob ich es dieses Mal bis zum Schluss aushielte – oder ob ich nicht vorher schon den Saal verlassen würde, um nach Glitzerkonfetti zu suchen.




Kommentiert
hansen: “War das damals wirklich so?! ” Ja, das war so. Auf Fragen, was denn das Mädchen nach dem Schulabschluss für eine berufliche Ausbildung...
Sophia: Damals war doch in Wirklichkeit alles besser: http://www.youtube.com/wa tch?v=dH-tp5ITSEk
Eva: Apropos Backen: Brombeerstreuselkuchen, Heidelbeer-Vanille-Muffin s oder auch Haferflocken Cookies - die machen Mamas glücklich.
Marlene: Ich versuchs, und bin auch schon so weit, das ich meine Entscheidung zwar aufschiebe, aber auch schon ein bisschen getroffen habe. Wo ist die...