Das Weblog von Eva Schulz

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„Jeder Stempel eine Brandmarkung“ – Stefan Zweigs Flüchtlingskrise

Ich war dieses Jahr in 15 verschiedenen Ländern unterwegs, aber meinem Pass sieht man das nicht an. Manchmal habe ich meine Kommilitonen aus Bangladesch, den USA oder Marokko beneidet um ihre Reisepässe, in denen sie unsere Trips und Exkursionen sammelten wie Sticker in einem Panini-Album.

Das ist natürlich bescheuert. Denn mein deutscher Pass ist “the world’s most powerful passport”. In 177 von 218 Ländern der Welt muss ich mich nicht mit kompliziertem Papierkram herumschlagen, keine nervigen Wartezeiten in Ämtern und Konsulaten absitzen, keine teuren Gebühren bezahlen (450 Euro für ein Studentenvisum in Dänemark, WTF!).

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Das sagen junge Wiener*innen über den Sieg von van der Bellen

In Österreich hat Alexander van der Bellen mit überraschend deutlicher Mehrheit die Präsidentschaftswahl gewonnen. Sein Gegner, Norbert Hofer, unterlag mit 46,7%. Was sagen junge Wiener dazu?

In Wien ist heute vor allem Erleichterung zu spüren. Darüber, dass der Ex-Grünen-Chef sich gegen den Rechtspopulisten durchsetzen konnte. Und darüber, dass der Wahltrubel nun endlich vorbei ist.

Denn eigentlich war van der Bellen bereits am 22. Mai zum neuen Präsidenten gewählt worden, damals mit nur gut 30.000 Stimmen Vorsprung. Dieses Ergebnis hatte Norbert Hofers Partei, die FPÖ, erfolgreich angefochten, woraufhin eine Neuwahl für den 22. Oktober angesetzt worden war. Die scheiterte dann wiederum am nicht klebenden Kleber der Briefwahlumschläge – und ganz Österreich so: 🙄. Gestern gab es nun endlich den dritten und (hoffentlich…) letzten Wahlgang.

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„And you’re a communist, too!“

Meinen ersten Trump-Supporter treffe ich im Regionalzug von Lindau nach Oberstaufen. Wo auch sonst.

Er hat raspelkurze Haare und dunkle Augen, trägt ein kariertes, kurzärmliges Hemd und einen Rucksack, der für vier Wochen Europa-Trip reicht. Ich werde seinen Namen nicht erfahren, aber dafür seine musikalischen Vorlieben (Klassik und Metal), seine Herkunft (Tennessee) und seine politische Überzeugung (“Donald Trump”, voller Stolz).

Dabei reden wir doch eigentlich nur über Berlin. Dass es da vielleicht etwas chaotischer, aber eben auch bunter sei als in Süddeutschland, sage ich. “Germany made a mistake to take in all these Arabs”, sagt er. “They’re not treating their women right, and you’re throwing your identity away for that.” Huch. Ich erkläre, warum Deutschland die Flüchtlinge aufgenommen hat, dass das mit den unterdrückten Frauen doch wirklich ein Klischee sei und ich unsere Identität nicht gefährdet sähe. Er sieht das anders. Dann fangen wir an zu streiten.

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„Ich konnte es erst nicht glauben.“ Zum Tag der Deutschen Einheit

Mein Tag der Deutschen Einheit war schon am Samstag. Ich fuhr im Regionalzug von Frankfurt (Oder) nach Berlin. Neben mir saß Volkmar. Er war um die 70, trug Hörgerät und Hertha-Kappe und interessierte sich für mein digitales Zugticket in der Bahn-App. „Super Sache das, aber brauche ich nicht. Mein Ticket ist in der Dauerkarte mit drin!“

Bei ihm sei immer Fußball, erklärte Volkmar, jeden Samstag fahre er zum Spiel. Eine Woche Hertha, eine Woche Union, dann wieder Hertha. „Moment mal“, unterbrach ich, „sind das nicht beides Berliner Clubs?“

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8 Podcast-Empfehlungen (und ein Pro-Tipp)

Planet Money

ist ein Spin-off des Kult-Podcasts „This American Life“ des amerikanischen National Public Radio. Die Redaktion gründete sich 2008 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise mit dem Ziel, Wirtschaft einfach und unterhaltsam zu erklären. Bis heute gelingt das in jeder einzelnen Folge. Die Geschichten sind oft herrlich skurril und stehen doch exemplarisch für die ganz großen Zusammenhänge. Zuletzt habe ich zum Beispiel gelernt, wann Fitnessstudios sich rechnen (für die Betreiber, nicht die Kunden…), wie Frank Sinatra das Recht am eigenen Gesicht einführte und warum der Preis für eine Flasche Coca Cola 70 Jahre lang gleich blieb.

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