Das Weblog von Eva Schulz

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„And you’re a communist, too!“

Meinen ersten Trump-Supporter treffe ich im Regionalzug von Lindau nach Oberstaufen. Wo auch sonst.

Er hat raspelkurze Haare und dunkle Augen, trägt ein kariertes, kurzärmliges Hemd und einen Rucksack, der für vier Wochen Europa-Trip reicht. Ich werde seinen Namen nicht erfahren, aber dafür seine musikalischen Vorlieben (Klassik und Metal), seine Herkunft (Tennessee) und seine politische Überzeugung (“Donald Trump”, voller Stolz).

Dabei reden wir doch eigentlich nur über Berlin. Dass es da vielleicht etwas chaotischer, aber eben auch bunter sei als in Süddeutschland, sage ich. “Germany made a mistake to take in all these Arabs”, sagt er. “They’re not treating their women right, and you’re throwing your identity away for that.” Huch. Ich erkläre, warum Deutschland die Flüchtlinge aufgenommen hat, dass das mit den unterdrückten Frauen doch wirklich ein Klischee sei und ich unsere Identität nicht gefährdet sähe. Er sieht das anders. Dann fangen wir an zu streiten.

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„Ich konnte es erst nicht glauben.“ Zum Tag der Deutschen Einheit

Mein Tag der Deutschen Einheit war schon am Samstag. Ich fuhr im Regionalzug von Frankfurt (Oder) nach Berlin. Neben mir saß Volkmar. Er war um die 70, trug Hörgerät und Hertha-Kappe und interessierte sich für mein digitales Zugticket in der Bahn-App. „Super Sache das, aber brauche ich nicht. Mein Ticket ist in der Dauerkarte mit drin!“

Bei ihm sei immer Fußball, erklärte Volkmar, jeden Samstag fahre er zum Spiel. Eine Woche Hertha, eine Woche Union, dann wieder Hertha. „Moment mal“, unterbrach ich, „sind das nicht beides Berliner Clubs?“

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8 Podcast-Empfehlungen (und ein Pro-Tipp)

Planet Money

ist ein Spin-off des Kult-Podcasts „This American Life“ des amerikanischen National Public Radio. Die Redaktion gründete sich 2008 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise mit dem Ziel, Wirtschaft einfach und unterhaltsam zu erklären. Bis heute gelingt das in jeder einzelnen Folge. Die Geschichten sind oft herrlich skurril und stehen doch exemplarisch für die ganz großen Zusammenhänge. Zuletzt habe ich zum Beispiel gelernt, wann Fitnessstudios sich rechnen (für die Betreiber, nicht die Kunden…), wie Frank Sinatra das Recht am eigenen Gesicht einführte und warum der Preis für eine Flasche Coca Cola 70 Jahre lang gleich blieb.

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Flüssiger Stahl – Tagebuchbloggen im März

  • Endlich unter einem Dachfenster schlafen dürfen.
  • 🍌 sind die neuen 🍍.
  • Wiener Phänomen: Erwachsene auf Tretrollern. Warum nur?!
  • „Ich ess die Pennymarkt-Kirschen ungewaschen. Es ist wie inneres Ritzen.“ Stefanie Sargnagel, meine Damen und Herren.
  • Weinprobe mit dem Prof, morgens halb zehn im Nußberg. Das ist Leben in Wien.
  • Viele Gedanken über Schubladen. In welche ich rein will, rein muss, und warum mir das eigentlich so wichtig ist.
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Ist das noch Frieden oder schon Krieg?

Am Dienstag platzte der Terror in meine Timeline. Ein Freund meldet per Facebook, er sei „in Sicherheit“, dann zwei weitere, dann zehn.

Ich habe viele Freunde in Brüssel, weil ich dort bis vor wenigen Wochen studiert habe. Ich hatte mir die Stadt nicht ausgesucht, sie war mir vielmehr passiert, als vorgegebene Station im Rahmen meines Masterprogramms. Deshalb hatte ich als ich dort ankam auch keine Ahnung, wie schön, wie widersprüchlich, wie trotzig diese Stadt ist. Und wie europäisch.

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