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Sportartentest (4): Boote

Mit dem Stepptanz ist es vorbei, deswegen suche ich nach einer neuen Sportart. Nichts leichter als das, sollte man denken, es gibt doch unzählige! Aber da die richtige zu finden ist gar nicht so einfach.

Kanufahren wollte ich seit Pocahontas vor über zehn Jahren diesen riesigen Wasserfall im Kanu heruntergeflogen ist. Das sah so mutig aus, so elegant – und so leicht!

Und dann haben Roman und ich das Kanu ausgeliehen und mit ihm diese wirklich tollen Schwimmwesten, die uns hervorragend stehen. Und dann noch die Paddel. Mein Paddel fand ich nicht so toll, weil es ziemlich schnell ziemlich schwer wurde. Wir hatten vernünftig gedacht und beschlossen, die Mosel zuerst heraufzufahren, um uns dann sanft von der Strömung zurück tragen zu lassen.

Aber Donnerwetter, ging das in die Arme! Ehrlich gesagt habe ich das Paddeln sehr bald Roman überlassen, der ein Meister darin ist, wie sich schnell herausstellte. Blasen hatte ich zu meinem großen Entsetzen nachher trotzdem an den Fingern.

Während Roman uns also durch die wilden Moselgewässer paddelte, winkte ich Lastkähnen zu und beschwerte mich über die Motorboote, deren Bugwellen uns regelmäßig ans Ufer spülten und mitunter sogar richtig durchnässten. Das gehört wohl zum Kanufahren dazu? Hat mich aber überrascht, schließlich ist Pocahontas NIE nass geworden. Zumindest sah sie nie so aus.

Das schlimmste war die Erkenntnis, als wir uns auf den Rückweg machen wollten: Die Strömung trägt einen keineswegs von selbst wieder zurück. Roman musste weiterpaddeln.

Ein Boot, das mir besser gefallen hat als das Kanu, war das simple, aber romantische Ruderboot. Auch Rudern geht in die Arme, aber auf eine angenehmere Art und Weise. Zusätzlich strengt es noch Bein- und Rückenmuskulatur an. Nach einer Tour quer über den See kann man so vom anderen Ufer aus nicht nur sehen, sondern auch fühlen, was man getan hat. Und wenn man schon mal am anderen Ufer angekommen ist, kann man dort auch gleich gemütlich picknicken. Ruderboote sind also eine herrliche Ausflugsmöglichkeit.

Meiner Meinung – und nun auch Erfahrung! – nach birgt der Bootssport allerdings einige nicht zu unterschätzende Nachteile: Sobald der Sommer vorbei ist, fängt es erst an zu regnen und dann womöglich auch noch zu frieren, was jegliches in See Stechen unmöglich macht. Und überhaupt die Seen: In meiner näheren Umgebung gibt es gerade mal einen richtigen Rudersee – wie viele Ausflüge braucht es schon, bis der langweilig wird?

In Amerika wäre das freilich etwas anderes. Der Pocahontas-Wasserfall wird einem bestimmt nie langweilig. Doch solange ich in Deutschland bin, geht das Testen weiter.

Sportartentest (3): Schwimmen

Mit dem Stepptanz ist es vorbei, deswegen suche ich nach einer neuen Sportart. Nichts leichter als das, sollte man denken, es gibt doch unzählige! Aber da die richtige zu finden ist gar nicht so einfach.

Schwimmen fand ich immer langweilig, und das, obwohl wir als Kinder diese coolen bunten Taucherbrillen hatten, mit Nase! Im Pool wurde dann ein bisschen getaucht, ein bisschen geplantscht, ein bisschen Unterwasser-Handstand geübt – und das wars. Konnte mich nicht reizen.

Aber wie stehts mit dem superprofessionellen, unglaublich anstrengenden Bahnenschwimmen? Was auf den ersten Blick noch eintöniger erscheint, fand ich nach meinen Reitversuchen äußerst reizvoll. Schließlich spürt man unter Wasser nur noch wenig von geschundenen Muskeln.

Und tatsächlich: Meine morgendlichen Schwimmausflüge stellten sich als sehr erholsam und erfrischend heraus. Nach 40 Bahnen im zugegebenermaßen recht kurzen Hotelpool hatte ich doch schon was getan, und das noch vor dem Frühstück!

Langweilig wird es trotzdem schnell. Vor allem, wenn die Anzahl der in Betracht zu ziehenden Schwimmarten dadurch eingeschränkt wird, dass man den Kopf nicht untertauchen möchte. Ich hasse Wasser in der Nase. Uäh. Da wird schon ein vorbeitreibendes Blättchen auf Bahn Nummer 14 zur Attraktion.

Grundsätzlich: Schwimmen vor der morgendlichen Dusche und dem Frühstück ist toll, aber nicht, wenn man zum Pool erst noch zehn Minuten fahren muss. Zuhause habe ich nämlich keinen. Für mich bleibt es also eine Urlaubssportart, oder eine, die mich im Falle eines Muskelkaters ruft und den dann für eine halbe Stunde vergessen lässt. Das Testen geht also weiter.

Sportartentest (2): Reiten

Mit dem Stepptanz ist es vorbei, deswegen suche ich nach einer neuen Sportart. Nichts leichter als das, sollte man denken, es gibt doch unzählige! Aber da die richtige zu finden ist gar nicht so einfach.

Mit sieben bin ich mal geritten, ein gutes Jahr lang, immer schön im leichten Trab – zu galoppieren hätte ich mich damals nicht getraut, es hat aber auch gar keiner verlangt. Irgendwann hatte ich dann keine Lust mehr auf das nervige Drumrum: Pferd putzen und satteln, reiten, dann absatteln und wieder putzen. Und das wars erst mal.

Zehn Jahre später wächst die Sehnsucht nach dem „Glück der Erde“. Und wo kann ich die besser ausleben als im Urlaub in Österreich, wo mich niemand bei meinen ersten wackligen Versuchen beobachtet?

Schnell finden wir einen wunderbar idyllischen, Cornelia Funke-artigen Reiterhof, zwischen Blumenwiesen und einer Zwiebelturmkirche auf einem Berg gelegen. Die Pferde sind nicht zu hoch und nicht zu dünn, die kleinen Mädchen, die um sie herum wuseln, mögen sich ihren Teil denken, helfen mir aber trotzdem ganz lieb, als ich mich mit den Halftern dumm anstelle.

Meine erste großartige Erkenntnis lautet: Mit einer Körpergröße von 1,74 ist es viel einfacher, auf ein Pferd zu kommen! Und einmal oben holt mich gleich das alte Glücksgefühl ein. Das Tolle an diesem Sport ist, dass er Mensch und Tier vereint – gleichzeitig nimmt er mir damit die volle Kontrolle über mich selbst, und das ist wieder unheimlich.

Da wären zum Beispiel die Fliegen. Pferde können Fliegen gar nicht haben, und müde Pferde wie meines reißen dann schon mal mitten im Galopp den Kopf herunter, um sie abzuschütteln. (Diese Tatsache lässt auch das ansonsten durchaus haltbare „Natur!“-Argument ein wenig bröckeln.) Habe ich Galopp gesagt? Ja, habe ich! Denn in Österreich fackelt man nicht lange, nach zehn Minuten an der Longe treibt die Reitlehrerin das Pferd an.

Wendy (wie sollte es auch sonst heißen?) schüttelt mich ordentlich durch und ich bin einzig damit beschäftigt, mich im Sattel zu halten – tiiiief zu sitzen, wie es so schön heißt – und bloß nicht runterzufallen. Dennoch halte ich die Geschwindigkeit für einen durchweg positiven Aspekt des Reitens. Vor allem später, wenn man sicher ist im Galopp und sich nicht mehr auf einen tiefen Sitz konzentrieren muss. Denn dann geht es an die Ausritte. Mit voller Kraft voraus, auf dem Rücken der Pferde, durch das idyllische Österreich? Ein Traum.

Als ich daraus am nächsten Morgen aufwache, holt der Galopp mich ein. Ich habe einen monströsen Muskelkater, im Rücken, im Po, in den Schenkeln. Meine Versuche, ihn mit seinen eigenen Waffen zu schlagen, scheitern: Nach zwei weiteren Reitstunden ist es nur noch schlimmer.

Trotzdem werde ich das Reiten jetzt nicht wieder ganz fallen lassen. Hin und wieder eine Stunde zu nehmen, das sollte auch in der weniger idyllischen münsterländischen Heimat möglich sein. Aber regelmäßiger Unterricht ist nicht drin – zu aufwändig. Das Testen geht weiter.

Sportartentest (1): Wandern

Mit dem Stepptanz ist es vorbei, deswegen suche ich nach einer neuen Sportart. Nichts leichter als das, sollte man denken, es gibt doch unzählige! Aber da die richtige zu finden ist gar nicht so einfach.

Das Tolle am Wandern: Man ist blitzschnell startbereit, und man kann es in Gesellschaft tun. Klar, das ist auch bei anderen Sportarten möglich, aber beim Wandern kann man sich, statt bloß „Ball zu mir!“ zu rufen oder vom Reden Seitenstiche zu bekommen, über Gott und die Welt unterhalten, ohne in sportlicher Hinsicht beeinträchtigt zu werden.

Außerdem bewegt man sich in der Natur und an der frischen Luft, das ist auch noch gut für den Teint. Und es ist wohl der einzige Sport, zu dem das Essen dazugehört, sei es in Form eines Picknicks oder einer zünftigen Einkehr in eine entsprechende Hütte.

Mir persönlich jedoch ist Wandern einfach zu langsam. Ich brauche ein bisschen Geschwindigkeit, ein bisschen Adrenalin! Wandern ist in seiner Gemächlichkeit nichts für mich – das macht einem die Anstrengung doch nur noch bewusster! Außerdem bin ich immer noch nicht weiter mit der Frage: Ist es besser, mit oder ohne Ziel zu wandern? Ist am Ende nicht immer Zuhause das Ziel? Und wer bitte wandert schon zuhause?! Nicht mal die Schweizer wandern doch vor ihrer eigenen Haustür.

Wandern also: Nichts für mich, zumindest nicht auf Dauer. Das Testen geht weiter.