Alle Einträge mit dem Tag Reisen

Best of Weitsicht 2011

Natürlich gibt es auch in mehr als 200 Metern Entfernung beeindruckende Weitsichtmöglichkeiten. Bei der Durchsicht meiner Handyfotos ist mir aufgefallen, dass sich daraus fast ein kleiner Jahresrückblick konstruiert. Schon verrückt, wie nahezu alle Menschen den Reflex teilen, an solchen Orten erstmal still zu gucken – und dann die Kamera zu zücken… Warum wollen wir etwas festhalten, das auf dem Foto nie so eindrucksvoll wirken wird wie just in diesem Moment?

Silvester über den Dächern von HamburgSilvester über den Dächern von Hamburg

Zwischen den Gipfeln von ÖsterreichZwischen den Gipfeln von Österreich

Frühling im BéarnFrühling im Béarn (Foto von Lorna)

Zu Besuch bei OpaZu Besuch bei Opa

Unterwegs mit JungsUnterwegs mit Jungs

Die guten Momente muss man teilenDie guten Momente muss man teilen

Am Rand von AachenAm Rand von Aachen

Jardin du LuxembourgJardin du Luxembourg

TunisIrgendwo in Tunis

Tunis, was jetzt?

Dass ich in einem wirklich fremden Land bin und nicht irgendwo in Europa, erkenne ich daran, dass die Leute mich komisch angucken. Wenn man mit Kübra in Deutschland unterwegs ist, wird sie angeguckt – weil sie ein Kopftuch trägt. In Tunis hingegen ist ein Kopftuch nichts Besonderes. Rote Haare aber offenbar schon.

Vieles ist anders in Tunis. Auch die Probleme, die Blogger dort haben. Zwar ärgern sie sich genau wie wir über unfreundliche Kommentare oder den überlasteten Server von Twitter, aber es gibt noch dringendere Sorgen: Wie schütze ich mich vor Hacking-Angriffen? Ist meine Anonymität gesichert? Kann ich diesen Artikel veröffentlichen, ohne mit einer Strafe rechnen zu müssen?

Die Forderung nach einer „Bloggers Charter“, einer Art Pressekodex für Blogger, hätte ich vor einer Woche noch als naiv und unnötig abgetan. In Tunis hingegen entwickelte sich daraus eine ernsthafte Diskussion. Ein solcher Kodex könnte zum Beispiel regeln, wie Meldungen verifiziert werden. Während der Revolution waren die vielen Gerüchte, die durch die sozialen Netzwerke geisterten, ein großes Problem. Sie konnten oft stunden- oder tagelang nicht bestätigt werden und lösten dadurch Verwirrung und Ärger aus.

Am Ende waren wir uns aber doch einig, dass ein Regelwerk nicht der richtige Weg sein kann. Es würde die Kreativität und Unabhängigkeit der Blogger einschränken und wäre eine zusätzliche Hürde für Neueinsteiger. Tatsächlich reguliert sich die Blogosphäre ja bereits von selbst, es gibt gewisse ungeschriebene Gesetze. Und die, die doch aufgeschrieben werden müssen – zum Beispiel das Recht auf freie Meinungsäußerung – sollten nicht nur für Blogger, sondern für alle Bürger gelten.

Die tunesische Bloggerszene wandelt sich. Das große Ziel, der Sturz Ben Alis, für den alle gemeinsam gekämpft haben, ist erreicht. Was kommt jetzt? Während die einen schon neue Ziele propagieren, zweifeln die anderen noch am Erfolg der Revolution („Is it really a progress or will we experience the same, just with new names, new keys?“). Wieder andere kehren in ihren Blogs zurück zum Alltag. Statt Politik schreiben sie nun wieder über Persönliches. Die Szene fragmentiert sich und läuft Gefahr, den Einfluss wieder zu verlieren, den sie gerade erst errungen hat.

Postkarte aus Tunis

Postkarte aus Tunis

Salamunaleikum! Ich bin in Tunis auf dem Young Media Summit der Deutschen Welle – zusammen mit Kübra und vielen Bloggern aus Deutschland, Frankreich, aber auch Tunesien, Mauretanien oder Marokko. Wir diskutieren über die Demokratisierungsbemühungen in Nordafrika und den Einfluss, den Facebook, Twitter und Blogs darauf haben. Heute haben uns die tunesischen Blogger zu den verschiedenen Schauplätzen der Revolution geführt. “I was standing right there, feeling like a hero”, berichtet Oussama vom 14. Januar. Im Moment sind die vielen Eindrücke noch kaum zu fassen. Folgt mir auf Twitter, um mehr mitzukriegen – zum Beispiel, was “Hurra” auf Arabisch bedeutet…

Tschüss, Abteil!

Die Bahn schafft die Abteile ab. Das finde ich ziemlich dramatisch. Ich habe überwiegend gute Erinnerungen an Bahnfahrten im Abteil – überhaupt merkt man sich die viel besser als Großraumfahrten. Warum? Weil man im Abteil Leute kennenlernt. Zum Beispiel den Gemüseverkäufer aus der „Fabelhaften Welt der Amelie”. Oder sogar den Bundeskanzler!

Bei meiner letzten Fahrt habe ich Max getroffen. Den kannte ich eigentlich schon, wir sind Kommilitonen, aber mehr als „Hallo“ und „Tschüss“ hatten wir noch nie zueinander gesagt. Und dann standen wir gemeinsam am Gleis in Friedrichshafen und warteten auf den Zug nach Berlin.

Zu Beginn einer so langen Fahrt jemanden zu treffen, den man kennt und der das gleiche Ziel hat, kann richtig gut ausgehen – oder ganz schrecklich. Mit Max ging es gut aus. Nach sieben Stunden lagen wir lang ausgestreckt im Behindertenabteil und erzählten uns von Beziehungen, Berufswünschen und Essgewohnheiten.

Das Behindertenabteil ist ein Geheimtipp. Viele Leute wagen es, aus welchen Gründen auch immer, nicht, sich hineinzusetzen. Also wurde es unser Refugium. Unser Kino, für 90 Actiongeladene Minuten. Unser Internetcafé, bis die Volumengrenze des iPhone-Tarifs erreicht war.

Man muss genau hinschauen, dann wird einem klar, wie viel Potenzial in so einem Abteil steckt. Es ist alles da: Steckdosen, Stauraum, ein Tisch, sogar eine eigene Klimaanlage. Man könnte einen Gaskocher mitbringen und eine Suppenküche oder einen Coffeeshop aufmachen, so als direkte Konkurrenz zum Speisewagen. Man könnte die Vorhänge zuziehen, eine Diskokugel aufhängen (die glitzert auch noch so schön in den Spiegeln unterhalb der Gepäckablage) und das Abteil zum Partyabteil erklären. Es ist – oder war – weit mehr als bloß der Rückzugsort für Eltern mit strapazierten Nerven und kreischenden Kindern. Oh, apropos: Wo sollen die dann jetzt eigentlich bleiben?!

Ich habe geerbt!

Gute Musik eignet man sich normalerweise selbst an. Man entdeckt sie im Internet oder im Radio, bekommt sie empfohlen oder geschenkt. Aber es gibt auch Musik, die wird einem sozusagen vererbt. Die Eltern hören sie so oft, dass man sich gar nicht dagegen wehren kann, sie auch dann noch zu mögen, wenn man nicht mehr innerhalb der gleichen Schallgrenzen lebt. Von meiner Mutter habe ich so das Faible für Soundtracks geerbt. Die liefen vor allem auf Autofahrten und in der Küche – man kam also nicht dran vorbei.

Ein guter Soundtrack ist wie aus einem Guss. Er fasst den Film, zu dem er gehört, zusammen und bringt mich zurück in genau die Stimmung, in der ich im Kino war. „Elizabethtown“ ist die richtige Musik für lange Autofahrten übers Land. „Ein gutes Jahr“ befördert mich in die romantische Provence, „Vicky Cristina Barcelona“ ins aufregende Spanien. „An Education“ transportiert all den Glamour der 60er Jahre. „Something’s Gotta Give“ ist gut für gemütliche Nachmittage Zuhause. Soundtracks eignen sich auch super für einen Abend mit Freunden, an dem man vorher keine Zeit hatte, eine Playlist mit Hintergrundmusik zusammenzustellen. Dann packe ich „In the Land Of Women“ aus oder „500 Days Of Summer“. Zu guter letzt gibt es noch die Soundtracks, die man wie eine gut kuratierte Kunstausstellung ganz bewusst erleben muss. Bestes Beispiel dafür: Sofia Coppolas „Marie Antoinette“.

Mein Vater mochte Musik früher phasenweise. Er entdeckte einen Künstler oder auch bloß ein Album für sich und hörte es rauf und runter. Da gab es für die Familie kein Entkommen. So ist meine Leidenschaft für den „Buena Vista Social Club“ entstanden. Dieses wunderbare Standardwerk des kubanischen Son hat, wenn ich ehrlich bin, auch maßgeblich dazu beigetragen, dass ich anfing, Spanisch zu lernen.

Und dann natürlich Al Green. Ich weiß nicht, wie viele Alben von Al Green bei meinem Vater im Regal stehen. Ein paar davon trage ich immer auf meinem Ipod mit mir rum. Meistens ist der im Random-Modus, und was nicht zum jeweiligen Gemütszustand passt, wird einfach weggedrückt. Die Musik von Al Green ist die einzige, die ich nie wegdrücke, weil sie immer passt. Ich kann gar nicht genau sagen, warum das so ist. Wahrscheinlich ist einfach alles perfekt: der Takt, der Text, die Intonation. Man kann mitwippen, -singen, -fühlen. Oder die Songs im Hintergrund laufen lassen. Das haben übrigens auch viele Filmemacher erkannt: Laut IMDB wurde Al Greens Musik bisher in 77 verschiedene Soundtracks aufgenommen.