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Geschichtsstunde: Charles Frederick Worth, Erfinder der Modenschau

Charles Frederick Worth

In Berlin ist gerade die Fashion Week zu Ende gegangen und das ist genau der richtige Anlass, um einmal die Geschichte von Charles Frederick Worth zu erzählen. Der Mann hat für die Modeindustrie so viel getan wie Marc Jacobs, Tom Ford und Anna Wintour zusammen – und das vor 150 Jahren.

Geboren wurde er am 13. Oktober 1825 im englischen Bourne. Als junger Mann ging er nach London und absolvierte eine Lehre als Stoffverkäufer, ehe er 1845 nach Paris auswanderte, um in einem feinen Stoffhaus zu arbeiten. Dort schneiderte er seidene Kleider für seine Frau und machte damit Furore.

Marketingtrick: das kostenlose Kleid für die Frau des Botschafters

Worth war ein genialer Selbstvermarkter. Er bot der Frau des österreichischen Botschafters an, sie kostenlos einzukleiden – wohlwissend, dass ihm das die Türen zur High Society öffnen würde. Auf einem Staatsball wurde Kaiserin Eugénie, die Frau Napoleons III., auf das aufwendig verzierte silberne Tüllkleid der Österreicherin aufmerksam. Damit hatte Worth einen neuen, sehr prominenten Fan. Als dann auch noch Kaiserin Sissi seine Kreationen trug, dauerte es nicht mehr lange, bis er einen Investor fand und sein eigenes Modehaus eröffnen konnte: das House of Worth.

Diese Firma wurde so etwas wie das Google unter den Modeunternehmen des 19. Jahrhunderts. Worth schuf ein neues internationales Vertriebssystem für Schnittmuster, er machte den damals üblichen Beruf der “Modistin” überflüssig und bestimmte mit seinen unkonventionellen Entwürfen ein neues Schönheitsideal. Zum Beispiel gefiel es ihm überhaupt nicht, dass die Röcke der Damen mithilfe von Gestellen immer größer und größer wurden. Deshalb entwickelte er einen neuen Unterrock, die Tournüre. Der Rock fiel jetzt vorne flach nach unten und wurde auf der Rückseite umso mehr aufgebauscht. Die neue Form wurde schnell zum Megatrend. Genauso wie der knöchellange Rock. Was damals schockierend kurz war, ist heute als Maxidress wieder in.

Am 12. Februar 1858 landet Worth, das Marketinggenie, seinen vielleicht größten Coup: Er veranstaltet die allererste Modenschau. Bis dahin war Kleidung stets an Puppen aus Holz und Stroh präsentiert worden. Worth wollte aber, dass die Kundinnen sich mit seinen Werken identifizieren konnten, und schickte deshalb lebendige “Doppelgängerinnen” auf einen Laufsteg. Schon bald waren die Schauen im House of Worth gesellschaftliche Top-Events.

Wegbereiter für Gucci, Dior und Yves Saint Laurent

Fortan konnte Worth Kundinnen auch wegschicken, wenn sie ihm nicht gefielen. Sowieso muss er ein ziemlich exzentrischer Mensch gewesen sein. Damals war das für Modemacher noch sehr ungewöhnlich. Sie wurden als normale Handwerker angesehen, die umsetzten, was die Kundinnen ihnen vorgaben. Worth war anders. Er verstand sich als Künstler, kleidete sich auch so und ließ die Kundinnen höchstens noch Farbe und Stoff ihrer Kleider auswählen. Alles andere mussten sie so nehmen, wie er es kreiert hatte. Als Künstler wollte Worth natürlich auch eine Signatur unter jedes Werk setzen. So entstand das Modelabel.

Seinem Erfolg tat diese Exzentrik keinen Abbruch, im Gegenteil: 1870 beschäftigte er 1200 Schneiderinnen, die seine sündhaft teuren Kleider produzierten. Die waren für die normale Pariserin natürlich unerschwinglich. Trotzdem war Charles Frederick Worth auch in deren Welt ein Star, über den regelmäßig in Modemagazinen berichtet wurde. Daran hat sich bis heute ja nicht viel geändert. Und so trägt Worth den Titel “Erfinder der Haute Couture” auch noch nach seinem Tod im Jahr 1895 völlig zu recht.

Jungs! Seid sexy, tragt Hüte!

John F. Kennedy fand ich immer super. Dabei geht es mir gar nicht so sehr um seine Politik – um Kuba, Vietnam, den Kalten Krieg, wo er bestimmt an der einen oder anderen Stelle zu kritisieren ist. Aber ich mag das Bild, das dieser Präsident und seine Familie hinterlassen haben. In Berlin, direkt am Brandenburger Tor, wo Kennedy einst seine berühmte Rede hielt, gibt es ein tolles Museum, das genau dieses Bild aufleben lässt, mit zahlreichen Überbleibseln aus seiner Regierungszeit und vor allem: jeder Menge Fotos.

Vielleicht liegt meine Zuneigung zu Kennedy darin begründet, dass sowohl er als auch seine Frau vor ihrem First Family-Dasein als Journalisten gearbeitet haben. Da ist es kein Wunder, dass sie es wie kein Präsidentenpaar zuvor verstanden, richtig mit den Medien umzugehen.

JFK war der erste amerikanische Präsident, der Pressekonferenzen im Fernsehen übertragen ließ und einen Hausfotografen einstellte. Der durfte freilich nur vorteilhafte Bilder machen: Nie sieht man Kennedy auf diesen Fotos mit Brille oder gar den Krücken, die er eine Zeit lang benötigte. Vor Fernsehduellen übte er gute Argumente ein und ließ sich sogar schminken – angeblich hat er nur deswegen auch gewonnen. Nixon sah einfach zu unrasiert aus.

Im Museum gibt es dementsprechend kaum ein Bild von Kennedy, auf dem er nicht gut aussieht. Sei es als Jungspund, bei seinen Wahlkämpfen oder in Familienurlauben auf Cape Cod. Außerdem kann man seine Aktentasche bestaunen, die geheime Lesebrille und viele Briefe und Notizen. Darunter auch die Karteikarte, die er bei seiner Berliner Rede 1963 dabei hatte: „Ish bin ein Bearleener“.

Meine Begeisterung für JFK wurde jedoch getrübt, als ich vor kurzem diesen Nachruf von E.B. White fand, den dieser nach Kennedys Ermordung für den New Yorker verfasste. “When we think of him, he is without a hat”, heißt es da gleich am Anfang.

Tatsächlich war es John F. Kennedy, der in seiner Nebenfunktion als Stilikone dafür sorgte, dass der Hut aus dem Standardrepertoire der Männermode verschwand. Vor seinem Amtsantritt war es üblich, dass Herren bei jeder Gelegenheit eine Kopfbedeckung trugen. Jetzt war der junge, sehr medienwirksame Präsident allzu oft oben ohne unterwegs.

Und das nehme ich ihm, ehrlich gesagt, ein bisschen übel. Ich mag Männer mit Hüten. Sie sind ein wunderbares Accessoire und können viel über den Charakter eines Menschen aussagen. Ein kleiner Hut aus Korb, mit buntem Band? Locker und fröhlich! Hoher Sturz und breite Krempe? Sehr selbstbewusst! Es gibt so viele Farben, Formen und Materialien, mit denen man herrlich spielen kann. Außerdem schützt ein Hut vor Wind und Wetter (und dem freien Blick auf eventuelle Geheimratsecken). Und zu guter letzt: Hüte sind sexy!

Also, liebe Jungs, bitte tragt wieder Hüte! Und falls ihr immer noch nicht überzeugt seid, werft einfach einen Blick in dieses Video:

Schöne Schildchen

silence noise

She who is beautiful

NO EGO, YES ECO
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#4: Hipster

Endlich eine neue Folge, dieses Mal aus gleich zwei großen Städten. Mit Hipster-Parties, Hipster-Speisen und Hipster-Brille!
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Liebe Brillenträger,

ihr müsst mir da was erklären. Ich finde Brillen seit jeher toll. Die allermeisten Menschen sehen mit Brillen klug aus und hübsch und interessant. Sie sind ein wunderbares Accessoire und mehr noch, eine Möglichkeit, die eigene Persönlichkeit oder gar Stimmung auszudrücken. Meine Schwester hat sich vor Jahren mal ein Lineal ins Auge gestochen und musste daraufhin sechs Wochen lang eine Fensterglasbrille tragen. Ich war sehr neidisch. Noch heute sinniere ich manchmal darüber nach, wie es wäre, mir selbst so eine Fensterglasbrille anzuschaffen. Dann würde ich auch klug und hübsch und interessant aussehen. Das wäre mal was anderes.

Aber jedes Mal, wenn ich diesen Wunschtraum laut ausspreche, brandet mir von allen anwesenden Brillenträgern eine Welle der Empörung entgegen. Wie ich bloß auf die Idee käme. Das wäre ein himmelschreiender Unfug, und sowieso, ich könnte ja gern ihre Brillen gegen meine Augen tauschen. Es ist, als wären sie behindert und ich würde mich über sie lustig machen.

Liebe Brillenträger, empfindet ihr eure Sehschwäche und das damit verbundene Brillenprivileg wirklich als eine Behinderung? So habe ich das nämlich noch nie gesehen. Ich wusste zwar, dass manche von euch ungern zum Friseur gehen, weil sie da die Brille abnehmen müssen und dann nicht mehr erkennen können, was der Friseur mit ihnen macht. Oder dass es nervt, wenn jemand auf die Gläser patscht und ihr dann fleckig seht. Aber ich dachte, das wäre für euch in etwa so schlimm wie für mich Knoten in den Haaren – die sind ein blöder Nebeneffekt, aber deshalb bin ich doch nicht gleich beleidigt, wenn sich jemand glattes, dünnes Haar wünscht?

Also: Wie schlimm sind Brillen wirklich? Und warum seid ihr böse, wenn noch jemand in euren Club will? Das müsst ihr mir erklären.