Alle Einträge mit dem Tag Journalismus

Prüfungen des Alltags: Körperlicher Ausgleich

An dieser Stelle möchte ich mich bei unserem Facility Manager bedanken: Lieber Herr Storm, vielen Dank, dass Sie die neuen Kondomautomaten auf den Campus-Toiletten installiert haben! Die weißen, schlichten Geräte fügen sich wunderbar in die Inneneinrichtung ein und haben für jeden etwas im Angebot: vom Standardmodell bis zur XXL-Version mit Noppen und Erdbeergeschmack.

In Prüfungsphasen vergessen wir Studenten den körperlichen Ausgleich ja oft, verbringen die Nächte in der Bibliothek statt in fremden Betten. Insofern finde ich die indirekte Aufforderung der Uni sehr fürsorglich und würde ihr gern nachkommen. Nur wo? Im Kopierraum ist zu viel los. Eine Alternative wäre das Audimax. Vorne VWL, hinten GV? Ich weiß ja nicht! Was würden Sie sagen, Herr Storm, wenn Sie uns bei Ihrer Kontrollrunde erwischen?

Vielleicht ist der Automat eher als Zeichen gedacht, dass die Uni sich um zwischenmenschliche Beziehungen bemüht, vergleichbar mit jener ehemaligen Abstellkammer auf dem Campus, die ein Künstler mit indirektem Licht und betörender Musik auf Knopfdruck in einen “Raum für Zärtlichkeit” verwandelt hat. Inzwischen wird der vor allem genutzt, um in der Einführungswoche Dutzende Erstis hineinzuquetschen. Aber so merken die wenigstens sofort, wie nah sich an der Uni alle sind!

ZEIT Campus, Juli/August 2011

Eva, was machst du da eigentlich in München?

Wired!

Wired!

Lizenz zum Scheitern

Aus Misserfolgen lernt man am besten, finden zwei Doktoranden

Als das Molekül beim dritten Versuch immer noch nicht so aussah, wie es sollte, gab Leonie Mück auf. Wochenlang hatte die Chemie-Doktorandin versucht, eine Naturstoffsynthese durchzuführen, also ein natürliches Molekül im Labor künstlich herzustellen. Am Ende musste sich die 25-jährige eingestehen: Ihr Versuch war gescheitert.

Forscher scheitern ständig – nur reden sie nicht darüber. Wer gibt schon gern zu, dass er sich über Wochen abgerackert hat, ohne am Ende ein Ergebnis vorweisen zu können, das für eine Veröffentlichung taugt? Die Daten und Mitschriften, Beweise für den vermeintlichen Flop, landen in der Schublade oder, noch schlimmer, im Papierkorb. Das ist falsch, findet Leonie Mück: „Für andere Wissenschaftler können diese Informationen sehr wertvoll sein. Sonst verschwenden sie womöglich viel Zeit und Mühe damit, Fehler zu wiederholen, die andere schon vor ihnen gemacht haben.“ Es gebe in der Wissenschaft keine Kultur des Scheiterns. „Wir sind ständig auf der Jagd nach dem nächsten Durchbruch, und nur die Gewinner dürfen publizieren“, sagt Mück. „Das hält uns davon ab, wirklich gute Wissenschaft zu betreiben.“

Deshalb hat sie 2010 gemeinsam mit ihrem Kommilitonen Thomas Jagau das „Journal of Unsolved Questions“ gegründet, eine Zeitschrift der ungelösten Fragen. Darin soll endlich jene Forschung publiziert werden, die ohne Ergebnis geblieben ist. Die Idee dazu entstand im Rahmen eines Thinktanks der Graduiertenschule Materials Science der Uni Mainz. Diese Graduiertenschule hat auch den Druck der ersten Ausgabe bezahlt, die im Januar erschienen ist. Künftig soll der Druck der halbjährlich erscheinenden Printausgabe durch Spenden finanziert werden. Das Journal richtet sich an Studenten und Wissenschaftler aller Fachrichtungen. In der ersten Ausgabe berichtet ein Chemiker, wie er nach einem Weg suchte, Integrale mit einem Minimum an Computerressourcen auszurechnen – und keinen fand. Leonie Mück selbst beschreibt einen weiteren erfolglosen Versuch.

Die Ansprüche der „JUnQ“-Redaktion sind ebenso hoch wie bei konventionellen Journals. Jeder eingereichte Artikel wird einem Peer-Review-Prozess unterzogen. Das heißt: Zwei Wissenschaftler, die auf ähnlichen Gebieten forschen wie der Autor und oft dessen direkte Konkurrenten sind, bewerten die wissenschaftliche Qualität des Beitrags. Ist er plausibel fundiert und reproduzierbar? Wurden die gewonnen Daten richtig interpretiert? Nur kommt hier noch eine besondere Frage dazu: Ist der Forscher wirklich gescheitert?

Gerade das sei eine sehr subjektive Frage, erklärt Thomas Jagau, 25 Jahre alt. Kürzlich wurde in einem Teilchenbeschleuniger in den USA eine fünfte Grundkraft der Physik entdeckt – eine bahnbrechende Erkenntnis, denn bisher waren nur vier Grundkräfte bekannt. „Die fünfte Grundkraft müsste doch auch schon am CERN gemessen worden sein – nur hat man sie da vielleicht als Fehler abgetan“, vermutet Jagau. Dies zeigt für ihn, wie wichtig es ist, auch ungewöhnliche und vermeintlich falsche Ergebnisse zu dokumentieren.

Noch sind es vor allem Freunde und Bekannte der Herausgeber, die im „JUnQ“ veröffentlichen. Langfristig erhoffen sich die beiden aber, dass sie zu einem Mentalitätswechsel in der Wissenschaftsgemeinde beitragen können. „In dieser Branche läuft alles auf die Publikation hinaus, sie ist die Visitenkarte eines Wissenschaftlers: In welchem Journal hat er publiziert, zu welchem Thema, wie oft wurde er zitiert? Das verzerrt die Wissenschaft“, sagt Mück. Eines der wichtigsten Kriterien für die Bewertung eines Journals ist der Impact-Faktor, der misst, wie oft das Journal zitiert wurde. Dieser Impact-Faktor mache anfällig für besonders „hippe“ Wissenschaftsgebiete. „Wer dazu forscht, bekommt zwar eher die Chance, in einem anerkannten Journal zu publizieren, erforscht aber vielleicht gar nicht das, was in der Zukunft gebraucht wird“, sagt Mück.

Für alle, die zukunfts- statt karriereorientiert forschen wollen, gibt es im „JUnQ“ die Rubrik „Open Questions“. Sie soll die Leser dazu anregen, sich mit ungelösten Rätseln zu beschäftigen: Gibt es die perfekte Schachstrategie? Haben männliche Kleinkinder öfter Blähungen als weibliche? Und nicht zuletzt: Können Geisteswissenschaftler überhaupt scheitern? Leonie Mück und Thomas Jagau warten noch auf Einsendungen. Währenddessen arbeiten sie an ihren Dissertationen. Ob die am Ende Ergebnisse haben werden, ist noch nicht sicher – gelingen dürften sie aber so oder so.

ZEIT Campus, Juli/August 2011

Eva studiert das Leben: Alle mal mitschwimmen!

Nehmen Sie es mir nicht übel, Herr Doktor Kernstock, aber hiermit melde ich mich von Ihrem Marketingkurs ab. Kein Bedarf. Den braucht echt niemand. Meine Kommilitonen und ich wissen längst, wie gute Werbung funktioniert. Wenn wir etwas draufhaben, dann das!

Für jede Kleinigkeit starten wir eine Kampagne: Anna frittiert Fischwürfel und verteilt sie als Kibbeling in der Mensa, auf dass das holländische Nationalgericht die Leute in Scharen zum Holländischkurs treibe. Roman bastelt die ganze Nacht lang an einer Website, um die beste Mitbewohnerin der Welt zu finden. Wir drehen Trailer, um damit auf YouTube für unsere WG-Partys zu werben. Wir programmieren Facebook-Apps, um wirkungsvoller an die Gruppenarbeit erinnern zu können. Wir sind die Meister des Trommelns. Ihre Theorien, Herr Doktor Kenrstock, sind allenfalls hübsche, aber vollkommen nutzlose Hüllen für etwas, das wir längst verinnerlicht haben – im Alltag beweisen wir das ständig. Was soll ich da bitte noch in Ihrer Vorlesung?!

Sie glauben mir nicht? Als kleine Overachieverin, die ich nun mal bin, platziere ich meine neueste Kampagne nun hier, an prominenter Stelle: Anschwimmen im Bodensee, nächsten Freitag! Kommt! Alle! Ja, auch Sie, Herr Doktor Kernstock. Überzeugen Sie sich selbst. Ich freue mich schon auf Ihre Badehose.

ZEIT Campus, Mai / Juni 2011

#8: Geschmacksgeschichten

Endlich eine Folge übers Kochen – und Essen! Wir tauschen Brot, casten Cornflakes und lassen euch das Wasser im Mund zusammenlaufen…

Malins Blog findet ihr unter elmlid.com. Werdet Mitglied in ihrer Facebookgruppe, um rechtzeitig von frischen Broten zu erfahren! Geschmacksgeschichten von Stevan lest ihr unter nutriculinary.com.
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