Alle Einträge mit dem Tag Journalismus

E-Mail von Eva: Allergie gegen “Zuhausezuhause”

Sorry, Mama, aber nach ein paar Tagen bei euch fängt meine Nase an zu jucken. Da ist ein Kribbeln, das stärker wird, und schließlich vergeht keine Nacht, ohne dass ich von meinem eigenen Niesen aufwache.

Eigentlich freue ich mich jedes Jahr schon Wochen vorher darauf, euch an Weihnachten zu besuchen. “Zuhausezuhause” nenne ich das, denn “Zuhause” ist ja jetzt meine eigene Wohnung. Ich freue mich auf das festlich geschmückte Haus, auf deine kitschig-schönen Weihnachts-CDs und auf Papas ständige Beschwerden darüber.

Doch nach kurzer Zeit beginnt die Juckerei. Das passiert ziemlich genau dann, wenn ihr aufhört, mich wie einen Gast zu behandeln, und wir alle zurück in alte Rollen fallen. Ich sehe dann zu viel fern, nasche dir deine Lakritze weg und streite mich mit meiner Schwester über Nichtigkeiten. Ihr lasst mich zum Badputzen oder Schneeschippen antreten und regt euch auf, weil ich morgens lieber im Bett liege, statt mit euch zu frühstücken. Und schon bin ich allergisch gegen Zuhausezuhause!

Am Ende freue ich mich sogar ein wenig, wieder in meine Wohnung zu kommen, und ihr freut euch wohl auch ein bisschen, dass ich fahre. Ein schlechtes Gewissen müssen wir deshalb nicht haben. Manchmal ist Telefonieren ja auch ganz schön.

ZEIT Campus, Januar/Februar 2012

E-Mail von Eva: Schluss mit der Freiheit!

Lieber Herr Professor Feldmann, für dieses Semester wünsche ich mir weniger Entscheidungsfreiheit. Referat? Hausarbeit? Fallbearbeitung? Legen Sie doch mal selbst fest, wofür wir am Ende des Seminars unseren Schein kriegen!

Es ist immer das Gleiche in der ersten Semesterwoche: Lena will ein Paper schreiben, weil sie dann allein arbeiten kann. Jens plädiert für eine Gruppenaufgabe, weil das weniger Aufwand ist. Und Natalie findet mündliche Noten unfair. Bis alle Kursteilnehmer sich geeinigt haben (eine Hausarbeit zählt 50 Prozent, die Präsentation 30 Prozent, die mündliche Mitarbeit 20 Prozent), hätte man längst den ersten Text besprechen können.

Sie sagen, wir seien erwachsen und könnten das selbst entscheiden. Aber ich habe den Verdacht, dass Sie damit nur Ihre Faulheit vertuschen wollen. Immerhin müssen Sie so eine Sitzung weniger vorbereiten, es geht ja nur um Organisatorisches.

Mein Kommilitone Robert weiß das auch. Er hat keine Lust, seine Zeit mit solchen Diskussionen zu verschwenden, und bleibt – wie viele andere – lieber eine Woche länger im Urlaub. Aber am Ende des Semesters meldet er sich dann garantiert und fragt, warum die Präsentation so wenig zählt. Dann geht die Diskussion von vorne los. Und Sie lehnen sich entspannt zurück.

ZEIT Campus, November/Dezember 2011

Damenwahl!

Der erste DJ der Welt und eine Sportart, von der wir noch nie zuvor gehört hatten – wir waren für 1LIVE in Aachen. (Und kommen gerne wieder!)

E-Mail von Eva: Wir brauchen Krach!

Hallo, Frau Kreuschner, wissen Sie eigentlich, was Sie angerichtet haben, als Sie mich neulich im Treppenhaus so streng fragten, ob ich krank sei? Sie hörten mich durch die Wand so oft niesen, sagten Sie. Seitdem traue ich mich gar nichts mehr. Staub saugen, Musik hören, telefonieren – lasse ich alles lieber bleiben.

Langsam fühle ich mich echt verfolgt von all den Leisetretern um mich rum. Sie sind überall. Wenn mein Handy in der Bahn klingelt, gucken die Mitreisenden genervt. Wenn ich in der Kneipe laut lache, fühlen sich andere Gäste in ihren intimen Psychogesprächen gestört. Und wenn ich in der Bibliothek huste, ernte ich böse Blicke von den Kommilitonen. Dabei haben die doch alle ihre albernen Stöpsel in den Ohren. Manche stört es offenbar, ein Geräusch bloß zu sehen!

Wisst ihr denn alle nicht, wie gut es tut, mal laut zu fluchen oder sich zu freuen, statt sich ständig zusammenzureißen? Auch, eins noch, Frau Kreuschner, bevor Sie das nächste Mal wieder mit der Polizei drohen, wenn ich in der Lernpause zu Hause Kopfstände übe: Besuchen Sie doch einmal meinen Uni-Präsidenten im Büro, wenn er ein Paper vorbereitet. Er behauptet nämlich, ohne 130 beats per minute sei noch keiner seiner Texte entstanden. Nach dieser Mail kann ich bestätigen, dass es sich so besser schreibt. Hatschi!

ZEIT Campus, September/Oktober 2011

The Geek Shall Inherit the Earth

Morgen erscheint die erste deutsche Ausgabe von Wired. Ich habe für dieses Heft…

  • eine Shisha zusammengeschraubt
  • eine nicht ganz ungefährliche London-Reise unternommen
  • ganz, ganz viele Syndication-Formulare ausgefüllt (tollerweise waren 80 Prozent dieser Arbeit im Nachhinein völlig unnötig)
  • einen Stuntman besucht
  • mehrere Abende mit Apfelschorle getarnt in Münchner Biergärten verbracht
  • Gebärdensprache gelernt (ein bisschen)
  • regelmäßig die „Vergesst die Frauen nicht!“-Fahne geschwungen, wenn die Themen wieder allzu männlich wurden (immerhin ist jetzt die zweite Titelfarbe PINK!)
  • Rotkäppchen 2.0 synchronisiert
  • Bakteriencocktails gemixt
  • zwei Videos produziert (gemeinsam mit Videoblog-Kameramann Roman) und noch mehr geschnitten

… und nicht zuletzt meinen Sommer geopfert. Also: Kauft dieses Heft! Und natürlich die wunderbare App.

Achtung: Wir verlosen Gutschein-Codes für die Wired-App auf der Hurra-Fanpage!