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Vulkanwetter

Krater? Welcher Krater?

Am Samstag bin ich ganz früh aufgestanden, um zum Irazu Volcano zu fahren, dem größten Vulkan Costa Ricas. Das Land hat ganze 70 Vulkane, und sechs davon – darunter der Irazu – sind noch aktiv. Es war mein erster Vulkan und ich war seeehr gespannt.

Die Fahrt nach oben war ganz toll: Ich kam zum ersten Mal aus dem vollen San José heraus, wir fuhren durch Kaffeefelder und an Bananenplantagen vorbei. Auf den Feldern standen Kühe mit großen Ohren, und alles sah so herrlich grün und saftig aus.

Dann kam auf einmal der Nebel, als eine dicke weiße Wand, die uns nicht mehr als fünf Meter weit sehen ließ. Mit der schönen Aussicht war es vorbei, mit der Wärme auch. Oben angekommen war es so kalt, dass ich erstmal Pullover und Jacke anziehen musste – eine Kombination, die ich für diese Reise eigentlich nicht eingeplant hatte. Zum Glück hatte Felicia mich vorgewarnt!

Das Wetter ist verrückt in Costa Rica. Im Moment ist Winter, Regenzeit. In San José heißt das: Ganztägig leicht bewölkt bei 25 Grad, mit kurzen Schauern in der Mittagszeit. Es ist wunderbar, weil man sich keinen Sonnenbrand holt und es nirgendwo eine Mücke gibt. An den Küsten dagegen soll es schrecklich heiß sein, und trotzdem regnen, ich hab das noch nicht ganz verstanden. Und in 3432 Metern Höhe, auf dem Irazu, ist es eisig kalt.

Wir stiegen dort aus und sahen – nichts. Stattdessen fröstelten wir vom nassen Wind, irgendwann trieften meine Haare und ich stellte mich unter eine Pflanze mit riesigen dicken Blättern – den “Regenschirm des alten Mannes”, wie man hier sagt. Mein erster Vulkan war also nicht so der Brüller. Aber es gibt ja noch genug andere!

Potter und Popcorn

Vor ein paar Tagen waren wir im Kino, im neuen “Harry Potter”. Obwohl Spanisch eine der meistgesprochenen Sprachen der Welt ist, werden die Filme hier – abgesehen von Kinderfilmen – nicht synchronisiert, sondern laufen im Original mit Untertiteln. Für mich war das natürlich super, weil ich so alles verstanden und noch dazu ein paar Zaubereibegriffe gelernt habe.

Kino ist sehr beliebt in Costa Rica, obwohl die Auswahl – zumindest bei den Ketten – sehr beschränkt ist. Außer “Harry Potter” und “La Era del Hielo 3″ läuft im Moment eigentlich gar nichts. Weil man in den normalen Kinos ewig lang anstehen muss (vor allem mittwochs, wenn es zwei Karten zum Preis von einer gibt), hatte uns meine Gastmutter das “VIP Kino” empfohlen, das für costaricanische Verhältnisse etwas teurer ist.

Als wir das Kino betraten, stieg uns sofort der künstlich-süße Geruch des Popcorns in die Nase. Mir brannten die Augen, so süß war die Luft! Meine Gastschwester Anna, ein großer Popcornfan, kaufte mutig eine XXL-Portion. Nach einer halben Stunde stellte sie aber fest, dass dieses Popcorn selbst für sie viel zu süß ist.

Das Kino dagegen war tatsächlich ganz VIP-mäßig: Es gab wunderbar weiche, tiefe Sessel, die sogar eine ausfahrbare Fußablage hatten, und wer wollte (?!), konnte sich noch mehr Popcorn direkt zum Platz bringen lassen. Es war so gemütlich, dass ich dort auch hätte einschlafen können, wäre der Film nicht so gut gewesen.

Ich mag die “Harry Potter”-Filme, weil sie mich wirklich gut unterhalten: Sie sind lustig und spannend, und ich freue mich immer über all die fantasievollen Ideen aus der Zauberwelt. Die kenne ich nämlich meistens gar nicht, weil ich die letzten Bücher nicht mehr gelesen habe. Genau deshalb spare ich mir nun auch jede tiefer gehende Kritik – da müsst ihr meine Gastgeschwister fragen, die kennen sich besser aus!

Von dem “VIP-Kino” war Anna jedenfalls so begeistert, dass sie jetzt ungeduldig auf den Start des nächsten untertitelten Blockbusters wartet, um nochmal hinzugehen. Dann allerdings ohne Popcorn.

Nach meinem ersten Regen

Nach meinem ersten Regen

Mi nueva familia en Costa Rica

Meine Gastfamilie hat keine Adresse, aber das ist nicht schlimm – niemand in Costa Rica hat eine. Es gibt überhaupt keine Straßennamen und erst recht keine Hausnummern, es gibt höchstens Hausfarben. (Meine Sprachschule gibt auf ihren Visitenkarten folgendes an: “Richtung Dent-Viertel, bei “Autos Subarú” 300 Meter nördlich und 150 Meter östlich”.)

Die Farbe meines neuen Zuhauses ist ocker. Hier wohnt Felicia, eine Mutter von drei erwachsenen Kindern, die nicht gern allein ist und deshalb regelmäßig Sprachschüler aus dem Ausland bei sich aufnimmt. Außerdem hat sie noch zwei Katzen, die sich gegenseitig das Futter wegfressen, und einen Hund, der nicht auf die Straße darf, weil er dann stirbt. (Warum, habe ich nicht ganz verstanden.)

Felicia wohnt in einer ziemlich guten Gegend. Hier steht ein Wachhäuschen auf der Straße, es gibt ein elektrisches Tor vor der Einfahrt und Gitter vor den Fenstern. Ich habe ein eigenes Zimmer und teile mir das Bad mit Anna, einer weiteren Gastschülerin, die auch aus Deutschland kommt. Dann ist da noch Sven, mit dem sie gemeinsam hergereist ist. Die beiden haben in Deutschland seit ein paar Jahren Spanischunterricht.

Zu viert haben wir immer viel Spaß beim Abendessen, auch wenn ich zu den Unterhaltungen kaum etwas beitragen kann. Aber nach nur zwei Schultagen kann ich immerhin schon einiges davon verstehen.

Felicia hat einen Fernseher mit über hundert Kanälen – darunter auch all die tollen amerikanischen, wo die guten Serien mit spanischen Untertiteln laufen. Und sie hat ein großes Auto, dessen Fahrertür allerdings nicht mehr aufgeht, seit mal jemand versucht hat, das Schloss zu knacken.

Die Kriminalität ist etwas, das mir im Moment noch zu schaffen macht. Von allen Seiten wird man vor Taschendieben und Räubern gewarnt, sodass man sich kaum noch traut, auch nur eine Kamera mitzunehmen. Ganz zu schweigen von einem Trip in die Stadt auf eigene Faust.

Bisher pendle ich deshalb vor allem zwischen dem ockerfarbenen Haus und meiner Sprachschule. Von der erzähle ich demnächst noch mehr. Bis dahin – hasta luego!

Videogruß aus Atlanta

Ich warte am Flughafen und trinke meinen ersten Kaffee.
(In Costa Rica wars übrigens halb drei. Totale Zeitzonenzerzwirbeltheit.)