
Die kleine Schwester hat ihre Mütze bekommen. Meine sah von hinten angeblich “total bescheuert” aus – muss ich weitersuchen.

Die kleine Schwester hat ihre Mütze bekommen. Meine sah von hinten angeblich “total bescheuert” aus – muss ich weitersuchen.
Und dann waren wir ja auch noch in Hamburg. Wie lang ist das jetzt schon wieder her? Zwei Wochen? Drei?

Ursprünglich war es als eine Pilgerreise geplant, zum dort gerade neueröffneten Urban Outfitters – der lang erwarteten ersten deutschen Filiale! Ich hatte die Kette in New York für mich entdeckt, und die Sachen, die ich damals gekauft habe, trage ich nocht immer. Andere Erfahrungen habe ich, zumindest teilweise, mit den UO-Klamotten aus Stockholm und Antwerpen gemacht. Die deutsche Filiale war dann auch eher enttäuschend. Oskar, den wir am nächsten Morgen trafen, hat schon recht, wenn er sagt, dass sie irgendwann alle gleich aussehen. Außerdem muss man bei den Euro-Preisen dann doch manchmal schlucken.
Das ganze Shopping wollten wir abends mit ein bisschen Kultur ausgleichen. Als Nicht-Hamburger war für uns sofort klar, dass man da ins Thalia Theater muss. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich das halbe Stück verpasst habe – ich war einfach viel zu müde. Und das, obwohl sich die Schauspieler alle Mühe gaben, mich wach zu halten: Sie machten Lärm, zogen sich komplett aus und beschmierten sich noch dazu mit Blut! Hat alles nichts geholfen.
Dafür war ich dann aber am nächsten Morgen hellwach. Da hat Insider Oskar uns ein herrliches Luxus-Frühstück beschert, in einem Cafe, dessen Namen ich vergessen habe. Es gab Schokoküsse, Fisch, Salat und fettiges amerikanisches Zeug (warm!) in gemütlicher Atmosphäre und für 6 Euro 90, und deshalb empfehle ich euch das Ganze auch trotz der wirklich miesen Kellnerinnen. Also, sobald mir der Name wieder einfällt.
Zu guter letzt haben wir eine wunderbar touristische Barkassenfahrt unternommen, mit einem jungen Kapitän, der zwar noch nicht richtig einparken, dafür aber sehr gut jede Menge Hafen-Gossip erzählen konnte. Und dann kamen wir raus, und das Wetter wurde intensiv, es war wirklich schön.
Natalia, 30, Modedesignerin, hat in Antwerpen studiert und lebt jetzt in Madrid

Brille aus Spanien für 250 Euro, die Kette hat die Schwester aus der Türkei mitgebracht. Top aus Paris für 9 Euro, Kleid von der belgischen Designerin Ann Demeulemeester für 50 Euro (aus dem Schlussverkauf), Hose von Zara für 10 Euro, Tasche von einem Pariser Flohmarkt für 20 Euro, Sandalen aus Paris für 20 Euro
Welches ist das wichtigste Stück in deinem Schrank?
Ein bestimmtes Tanktop besitze ich etwa zehn Mal, in schwarz und weiß. Dazu kann man alles kombinieren.
Wie viel Geld gibst du für Klamotten aus?
Das schwankt stark: Normalerweise sind es zwischen 300 und 400 Euro monatlich. Aber zweimal im Jahr ist überall Sale. Dann kann ich mir auch Designermode leisten, die ich sehr mag. Da können es dann schon mal 1.000 Euro sein.
Und wo kaufst du ein, wenn nicht gerade Schlussverkauf ist?
Ich liebe Second-Hand-Kleidung, einfach, weil sie so einzigartig ist. Ein Second-Hand-Teil trägt niemand außer dir – das ist doch ein tolles Gefühl!
Kannst du einen Second-Hand-Laden in Antwerpen besonders empfehlen?
Der Vrijdagmarkt liegt ganz in der Nähe der berühmten Fashion School, an der ich studiert habe. Dort gibt es jeden Freitag tolle Second-Hand-Klamotten und schöne Möbel.
Du als Expertin weißt doch sicher auch, wie die Mode in diesem Herbst aussehen wird.
Ich glaube, die Mode bleibt sportlich, wird aber raffinierter. Sophisticated lautet das Zauberwort! Außerdem werden viele plastikartige Stoffe vertreten sein, Nylon und so. Und Leder ist natürlich auch nicht wegzudenken.
In Antwerpen spricht man Niederländisch.
85 Prozent des gesamten Diamanthandels der Welt spielen sich in Antwerpen ab. Und wo Diamanten sind, da sind auch Juden. Insbesondere die orthodoxen Juden mit ihren Schläfenlocken, den breiten Hüten und langen Mänteln prägen das Bild der Stadt. Das spornt an, mehr über das Judentum zu lernen, über ihre Brauchtümer und die Bedeutung der verschiedenen Zeichen und Kleidungsstücke.
Ein jüdisches Museum haben wir so schnell nicht gefunden, dafür aber das Diamantmuseum. Dort ist es etwas durcheinander und sicher nicht ganz objektiv – unter den Sponsoren finden sich zahlreiche Diamantverbände und –firmen. Trotzdem ist es interessant und lehrreich und deshalb einen Besuch wert.
Ein weiteres Museum ist das Modemuseum gleich neben der weltberühmten Antwerpener Fashion School. Ich bin mit den falschen Erwartungen dort angekommen, denn als Besucher erfährt man keineswegs etwas über Geschichte, Funktion oder Intention von Mode. Nein, ausgestellt werden jeweils die Kollektionen eines bestimmten Designers, aus verschiedenen Jahren und Jahreszeiten. Trotzdem macht das Spaß, weil die Ausstellungen abwechslungsreich gestaltet sind und man sich die ganze Zeit darüber austauschen kann, welches Outfit das schönste ist – wie beim Blättern in der InStyle.
Übrigens kommen in den vielen Museen alle, die jünger als 26 sind, in den Genuss der landesweiten Aktion „1 Euro Museum“ und müssen nur einen Euro Eintritt zahlen.
Ein kulinarischer Top-Tipp ist das, nein, sind die Restaurants „Da Giovanni“ am Grote Markt. Man erkennt es an den rot-weiß karierten Tischdecken auf den unzähligen Tischen auf der Straße. Es gibt dort grandiose Kräuterbutter und leckere Pizza. Das Beste: Schüler und Studenten bekommen 20 Prozent Rabatt – also Ausweis nicht vergessen! Ich habe dort seit langem zum ersten Mal eine Olive probiert.

Modefans sollten sich nach dem Essen mal im Quartier Latin rund um die Huidevetterstraat umsehen: Dort laufen alle stylischen Antwerpener herum und es gibt einige gute Geschäfte.
Bei gutem Wetter kann man den Tag im Stadtpark ausklingen lassen. Am Sabbat haben wir dort viele fröhliche, schick angezogene jüdische Familien gesehen – und zahme Kaninchen, die überraschend hoch springen können. Was klingt wie bei den Teletubbies macht großen Spaß und die Atmosphäre dieser Stadt vollkommen.
Vorsatz für den nächsten Besuch: einmal koscher essen gehen.
Kommentiert
anna*: tolle reihe, echt spannend!
anna*: berührend. und das meine ich nicht pathetisch, aber ich weiß mich gerade nicht besser auszudrücken als “das berührt meine seele”.
Auceza: Huhu!!! Habe vor Kurzem Deine Website im Netz entdeckt und finde sie sehr gut. :) Ich hoffe, dass Du noch viele Interviews machst und fleißig...
Nathalie: Ich drücke mich immer vom lernen mit lesen.. I love lesen Und ich liebe einen jungen aus der 6. Klasse