Das Weblog von Eva Schulz

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Auf Supermarktsafari in Jerusalem

Als ich vor gut sechs Monaten in Israel ankam, schwamm ich damit sozusagen gegen den Strom. Denn seit ein paar Jahren bewegen sich die jungen Leute hier genau in die andere Richtung: raus aus Israel, ab nach Deutschland. Und das alles wegen eines Puddings.

Milky Schokopudding - Auf Supermarktsafari in Israel

Zumindest war „Milky“ Anfang Oktober das neueste Symbol dieser Bewegung, die gegen die steigenden Lebenshaltungskosten in Israel protestiert. Der 25-jährige Naor Narkis, der aus Ramat Gan bei Tel Aviv stammt, hatte ein Bild seines Berliner Kassenzettels in einer Facebook-Gruppe gepostet. Darauf war der in Israel so beliebte Schokopudding mit gerade einmal 19 Cent verzeichnet – ein Viertel des israelischen Preises. Die „Milky-Proteste“ waren Wochen lang Aufreger-Thema in nationalen wie internationalen Medien.

Es stimmt: Das Leben in Israel ist teuer. Ein WG-Zimmer in Jerusalem oder Tel Aviv ist unter 500 Euro kaum zu haben. Auch die Preise in Restaurants und Kneipen sind höher als bei uns, und Drogerieartikel habe ich massenhaft von Zuhause importiert. Im Jerusalemer Supermarkt kostet ein Deo um die 4,50 Euro und eine Packung Tampons nicht weniger als neun Euro.

Bamba - Auf Supermarktsafari in Israel

Der beliebteste Snack ist verhältnismäßig billig. Er heißt „Bamba“ und sieht haargenau aus wie unsere Erdnussflips – schmeckt allerdings viel schlechter. Wenn ich Freunden den Unterschied erklären will, sage ich: „Euer Bamba schmeckt, als hätte man unsere Flips einen Tag lang in eine schmierige Lauge eingelegt und anschließend, noch nicht ganz getrocknet, in Tüten eingeschweißt.“

Koscherer Wein - Auf Supermarktsafari in Israel

Dann doch lieber trinken! Wie alle anderen Produkte muss auch der Wein hier natürlich koscher sein, was an den Zertifikaten auf dem Etikett zu erkennen ist. Es gibt verschiedene Zertifikate, die von verschiedenen Rabbinern vergeben werden (und offenbar auch für verschiedene Koscher-Grade stehen). Importierte Lebensmittel – zum Beispiel „Ben & Jerrys“-Eis, das hier ebenfalls sehr beliebt ist, oder deutsche Schokobananen – tragen oft extra Aufkleber mit den entsprechenden Logos und hebräischen Zutatenlisten.

Milchprodukte - Auf Supermarktsafari in Israel

Insbesondere vorm Milchregal wünschte ich manchmal, es gäbe diese Aufkleber auch umgekehrt, auf Englisch. Schon in Frankreich hatte ich das Problem, dass es die Milchprodukte, die wir in Deutschland kennen, oft gar nicht gibt. Hier hat man andere, wie zum Beispiel Labneh, einen Frischkäse aus Joghurt. Da durchzublicken, braucht seine Zeit – und hat mich in den letzten Wochen einige Nerven gekostet, wenn ich erst zurück am Herd merkte, dass ich statt saurer süße Sahne gekauft hatte oder dass das, was ich für Schmand gehalten hatte, zum Backen nicht die richtige Konsistenz hatte.

Hummus - Auf Supermarktsafari in Israel

Zum Glück gibt es ja Hummus. Hummus geht immer: morgens, mittags, abends; pur, zu Mezze oder zu Brot. Und damit es nicht langweilig wird, hält der Supermarkt ein komplettes Regal mit unzähligen verschiedenen Geschmacksrichtungen bereit.

Soup Almonds - Auf Supermarktsafari in Israel

Ein weiterer israelischer Spleen sind שקדי מרק, „Suppenmandeln“, die mit Nüssen jedoch nichts zu tun haben – eher mit dem, was wir als Backerbsen kennen. In jedem Haushalt ist stets mindestens eine Packung vorrätig, und mein Freund Eliran sagt, er würde keine Suppe essen, ohne vorher eine ordentliche Portion Suppenmandeln hineinzuschütten.

Schokoküsse - Auf Supermarktsafari in Israel

Zum Nachtisch gibt es vielleicht einen Schokokuss. Diese hier habe ich fotografiert, weil ich es absurd finde, die einzelnen Küsse extra zu verpacken, wenn sie doch ohnehin in einer Plastikbox verkauft werden.

Der israelische Umgang mit Plastik ist ganz anders als unserer. Ich mag gar nicht darüber nachdenken, wie viele der dünnen bunten Tüten (die in der EU künftig besteuert oder gar verboten werden sollen) ich in den letzten Monaten verbraucht habe. Es dauerte Wochen, bis ich den Angestellten im Supermarkt um die Ecke an meinen Jutebeutel gewöhnt hatte und daran, dass er für mich nicht jedes einzelne Produkt in eine zusätzliche Plastiktüte packen muss.

Das ist allerdings kein israelisches Phänomen. Die Kollegin Stephanie Doetzer erzählt in ihrer sehr hörenswerten Reportage von Plastiktüten in Katar. Und auch in den USA war ich angesichts des mangelnden Umweltbewusstseins der Amerikaner geschockt.

Eines ist in Israel übrigens sehr viel günstiger als in Deutschland: Gemüse. Aber das kauft man auch nicht im Supermarkt – das kauft man im Shuk. Hier findest du meine Fotoreportage über Mahane Yehuda, den Markt von Jerusalem. Und wenn du magst, schau doch auch einmal im finnischen Supermarkt vorbei.