Journalistin & Moderatorin

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In der Schwarzen Stadt

„Wo bist du denn jetzt schon wieder?!“, fragte mein Vater, als ich ihm das Bild da oben per SMS schickte.

„Immer noch in Tel Aviv“, antwortete ich.

Die Menschen kommen nach Tel Aviv, um an den traumhaften Stränden zu liegen, um wild feiern und gut essen zu gehen oder die über 4000 Bauhaus-Gebäude zu besichtigen, die die Stadt zur „White City“ machen. Doch im Schatten der Weißen Stadt gibt es noch eine weitere, ganz andere, eine, in die sich nur selten Touristen verirren. Die „Black City“ im Süden Tel Avivs habe ich Anfang des Jahres mehrere Wochen lang intensiv erkundet.

Der Grund war ein Kurs, den ich an der Hebräischen Universität belegt habe. Es ging um „Spatial Planning and Social Justice“, um die Frage, wer wie Städte plant und vor allem: für wen? Eine Stadt ist nie gleichermaßen für alle ihre Bewohner und Besucher geplant, es gibt immer Gruppen und Schichten, die vernachlässigt werden. Im Falle von Tel Aviv sind das Flüchtlinge. Sie werden in die „Black City“ abgeschoben, in Stadtviertel wie Shapira und Neve Sha’anan, wo es kaum Jobs gibt und bloß einen einzigen Spielplatz, wo Drogenhandel und Fahrraddiebstahl blühen und die Müllabfuhr nur selten kommt. Trotzdem könnte dieser Stadtteil eine große Chance sein, der Startpunkt in ein neues Leben, eine „Arrival City“.

Darüber habe ich meine Abschlussarbeit geschrieben, die eine Reportage wurde:

There are some people in the streets, shopping, talking on the phone or just hanging around in small groups. Jammed between barbershops, cellphone stores and exchange offices (“The best rates in the city!”, as Yonatan says) are quite a few cafés and bars, but most of them are empty. In a neighborhood where the average flat is shared by no less than eight people, I would have expected to see many more. Where is everybody?

South Tel Aviv - Levinsky Park