Das Weblog von Eva Schulz

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Zwischen Minen und Militär, Touris und Täuflingen – ein Trip an den Jordan

Kennst du dieses Gefühl: etwas zu erleben, das für dich längst nicht so besonders ist, wie es für andere Leute wäre – und sich deshalb irgendwie fehl am Platz zu fühlen? Fast schon ein schlechtes Gewissen zu haben? Mir geht es hier ziemlich oft so.

Jemandem, der nicht gläubig ist, kann Israel wie ein religiöser Themenpark vorkommen. Man spaziert einfach so herum, und schwupps, plötzlich steht man da, wo vor 2500 Jahren der zweite Tempel errichtet wurde. Oder Mohammed in den Himmel fuhr. Oder Jesus geboren/gestorben/auferstanden ist. Lauter heilige Orte also, an denen ich aber nicht mehr bin als eine Touristin.

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Die Sache mit dem Brot

In Jerusalems Straßen liegt Brot. Überall. Auf Bänken, Bordsteinen, Fensterbrettern, in Plastiktüten an Zäunen und sogar im Bus.

„Juden dürfen Brot nicht wegschmeißen“, erklärt mir ein Bekannter. „Es ist eines der Grundnahrungsmittel.“ „Quatsch“, sagt ein anderer, „wir dürfen nur jenes Brot nicht wegwerfen, das wir am Shabbat essen, weil es gesegnet wurde.“ Deshalb lege man die Reste in die Straße, wo die Vögel sie aufpicken könnten. Wieder ein anderer zitiert die Bibel, nach der es eine religiöse Pflicht sei, den Armen Brot zu geben, und eine Sünde, es den Hungrigen vorzuenthalten. Naja, denke ich, eine übrige Tüte Pita-Brot vielleicht, aber einen angeknabberten Laib Challah? „Ich dachte immer, die Leute wären einfach zu faul, einen Mülleimer zu suchen“, sagt eine jüdische Freundin.

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Was passiert, wenn für Jerusalem Schnee vorhergesagt wird

Wettervorhersage Jerusalem

  • Meine Mittags-Verabredung sagt ab.
  • In der Cinematheque werden sämtliche Vorstellungen gestrichen.
  • Die Uni schickt Warn-E-Mails. („We recommend that you dress appropriately and purchase food in advance for the upcoming days.“)
  • Daphne, meine Mitbewohnerin, gibt mir Klebeband, damit ich meine Fenster abkleben kann.
  • Auf Facebook werden Gaskocher meistbietend verkauft.
  • Die Stadtverwaltung ruft dazu auf, nur die allernötigsten Auto-, Bus- und Bahnfahrten anzutreten.
  • Alle laden vorsorglich die Ersatzakkus ihrer Handys, Laptops und Kameras auf.
  • Ich ärgere mich, weil ich keine Ersatzakkus habe.
  • Der Bürgermeister lässt die Zufahrtstraßen sperren.
  • Hamsterkaufhysterie im Supermarkt.
  • Die Uni wird geschlossen.
  • Die Bäckereien sind ausverkauft.
  • Daphne packt ein „Stormageddon“-Care-Paket.

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Harouds Beschneidung

Wir treffen Haroud, als wir durch die Jerusalemer Altstadt streifen, auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken. Er verkauft Keramik in einem Laden im armenischen Viertel. Teller, Schüsseln, Vasen, Kacheln… „Alles handbemalt!“, ruft er. „Für euch mache ich einen Spezialpreis!“

„Was ist mit deinem Daumen passiert?“, frage ich ihn. Sein rechter Daumen ist dick mit Mullbinden umwickelt, die gelb verfärbt sind. „Ohje“, sagt er und wirft die Hände über den Kopf. „Das ist eine komplizierte Geschichte.“

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Silvester im Krankenhaus

Als wir gegen 19 Uhr ankommen, ist F.s Zimmer – inklusive des 92jährigen Zimmernachbarn Herrn Gorski – über und über mit Luftschlangen geschmückt. Einige Freunde haben bereits die Nachmittagsschicht übernommen: Krapfen mitgebracht, draußen auf dem Fensterbrett eine Bar eingerichtet und die Telenovela um die russische Großfamilie mitverfolgt, deren Patriarch offenbar zwei Zimmer weiter im Sterben liegt.

Kurz nach Weihnachten hatte F. sich plötzlich nicht mehr bewegen können. Eine Ärztin diagnostizierte einen schweren Bandscheibenvorfall und verordnete Silvester im Krankenhaus. Beides – der Bandscheibenvorfall und Silvester im Krankenhaus – sind im Alter von Mitte 20 besonders absurd.

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