Das Weblog von Eva Schulz

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Kollaps

Als Ausländer, oder „Expat“, wie die Expats sagen, sammeln wir hier alle diese Geschichten: von der Telefongesellschaft, die einem zwar Internet in den (palästinensischen) Ostteil Jerusalems verkauft, aber sich nicht dorthin traut, um den Router anzuschließen. Von dem Tinder-Date mit einem ultra-orthodoxen Aussteiger. Vom letzten Zwischenfall in einem der Checkpoints.

Wir sammeln diese Geschichten wie kleine Trophäen, wie Stempel auf dem Stammgast-Kärtchen im Coffee Shop: Schaut her, ich bin einer von hier, ich kenn mich aus, ich weiß wie es läuft. Und bei zehn Stempeln kriegt man einen großen Kaffee Latte umsonst.

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Küchenstolz: Gebackene Süßkartoffeln mit Ziegenkäse und frischen Feigen

Gibt es überhaupt so etwas wie „die israelische Küche“? Nicht wirklich. In diesem Land treffen die kulinarischen Traditionen von gleich drei Kontinenten aufeinander. Einwanderer aus zig Nationen haben in den letzten Jahrzehnten miteinander gekocht, gegessen und Rezepte geteilt. Kaum ein Gericht lässt sich heute noch eindeutig einer einzigen Kultur zuordnen. „Balagan“, Durcheinander – das ist die israelische Küche.

Das wird auch deutlich in „Jerusalem“, dem Kochbuch-Bestseller des israelischen Starkochs Yotam Ottolenghi. Gemeinsam mit seinem Freund und Geschäftspartner Sami Tamimi, der Palästinenser ist, versammelt er darin die Rezepte, die diese Region ausmachen. Wann immer ich im Mahane Yehuda, dem Jerusalemer Shuk, einkaufen gehe, blättere ich zuvor kurz in dem Buch. Oft ist es eine einzelne Zutat, die mir Lust auf ein bestimmtes Gericht macht.

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Zwischen Minen und Militär, Touris und Täuflingen – ein Trip an den Jordan

Kennst du dieses Gefühl: etwas zu erleben, das für dich längst nicht so besonders ist, wie es für andere Leute wäre – und sich deshalb irgendwie fehl am Platz zu fühlen? Fast schon ein schlechtes Gewissen zu haben? Mir geht es hier ziemlich oft so.

Jemandem, der nicht gläubig ist, kann Israel wie ein religiöser Themenpark vorkommen. Man spaziert einfach so herum, und schwupps, plötzlich steht man da, wo vor 2500 Jahren der zweite Tempel errichtet wurde. Oder Mohammed in den Himmel fuhr. Oder Jesus geboren/gestorben/auferstanden ist. Lauter heilige Orte also, an denen ich aber nicht mehr bin als eine Touristin.

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Die Sache mit dem Brot

In Jerusalems Straßen liegt Brot. Überall. Auf Bänken, Bordsteinen, Fensterbrettern, in Plastiktüten an Zäunen und sogar im Bus.

„Juden dürfen Brot nicht wegschmeißen“, erklärt mir ein Bekannter. „Es ist eines der Grundnahrungsmittel.“ „Quatsch“, sagt ein anderer, „wir dürfen nur jenes Brot nicht wegwerfen, das wir am Shabbat essen, weil es gesegnet wurde.“ Deshalb lege man die Reste in die Straße, wo die Vögel sie aufpicken könnten. Wieder ein anderer zitiert die Bibel, nach der es eine religiöse Pflicht sei, den Armen Brot zu geben, und eine Sünde, es den Hungrigen vorzuenthalten. Naja, denke ich, eine übrige Tüte Pita-Brot vielleicht, aber einen angeknabberten Laib Challah? „Ich dachte immer, die Leute wären einfach zu faul, einen Mülleimer zu suchen“, sagt eine jüdische Freundin.

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Was passiert, wenn für Jerusalem Schnee vorhergesagt wird

Wettervorhersage Jerusalem

  • Meine Mittags-Verabredung sagt ab.
  • In der Cinematheque werden sämtliche Vorstellungen gestrichen.
  • Die Uni schickt Warn-E-Mails. („We recommend that you dress appropriately and purchase food in advance for the upcoming days.“)
  • Daphne, meine Mitbewohnerin, gibt mir Klebeband, damit ich meine Fenster abkleben kann.
  • Auf Facebook werden Gaskocher meistbietend verkauft.
  • Die Stadtverwaltung ruft dazu auf, nur die allernötigsten Auto-, Bus- und Bahnfahrten anzutreten.
  • Alle laden vorsorglich die Ersatzakkus ihrer Handys, Laptops und Kameras auf.
  • Ich ärgere mich, weil ich keine Ersatzakkus habe.
  • Der Bürgermeister lässt die Zufahrtstraßen sperren.
  • Hamsterkaufhysterie im Supermarkt.
  • Die Uni wird geschlossen.
  • Die Bäckereien sind ausverkauft.
  • Daphne packt ein „Stormageddon“-Care-Paket.

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