Hangoverbacken im Prinzessinnengarten

Heute vor einer Woche war ein ziemlich wurschteliger Tag. Es war der Tag nach dem Urban Journalism-Abend, der sich zu einer langen Nacht ausgedehnt hatte. Ich hatte vielleicht drei Stunden geschlafen, als ich mich wieder aus dem Bett quälte. Alle Glieder taten weh, die Augen waren schwer, der Kopf langsam. Hangover. Aber ich hatte eine Verabredung – zum Backen.

Der Prinzessinnengarten hatte zu einem Brotbackkurs am Lehmofen eingeladen, und zu so etwas kann ich einfach nicht nein sagen. Unsere Lehrerin, Elsa, war beeindruckend wach und hatte diesen charmanten Akzent. „Das Rezept habe ich von Zuhause in Frankreich mitgebracht, weil ich dieses Brot in Deutschland so vermisse“, erklärte sie. „Es ist ein Sauerteigbrot. Euch ist schon klar, dass das mindestens fünf Stunden dauert?“

„Fünf Stunden?!“, dachte ich. „So viel Zeit habe ich doch gar nicht!“ Und merkte im nächsten Moment: Habe ich doch.

    Ask people at a social gathering how they are and the stock answer is “super busy,” “crazy busy” or “insanely busy.” Nobody is just “fine” anymore.

Ich fühlte mich ertappt. Was erst kürzlich in der New York Times beschrieben worden war, hatte ich auch am Abend zuvor bei Urban Journalism erlebt: Da erzählten alle von ihren anstrengenden Jobs, aufregenden Reisen, neuen Projekten. Busy busy. Und wir waren das auch gewesen, mit der Vorbereitung für den Salon. Am Morgen darauf wurde mir nun klar: vorbei! Keine Moderationen mehr schreiben, kein Orgastress mehr. I’m just fine.

Dieser Moment fühlte sich an wie von einem Laufband zu springen. Ich taumelte kurz. Dann kam ich an.

Die nächsten Stunden verbrachten wir damit, Sauerteig beim Gehen zuzuschauen.

Die eigentliche Arbeit an so einem Brot dauert vielleicht 40 Minuten. Aber genau das ist auch die Mindestwartezeit zwischen zwei Arbeitsschritten. Wir setzten den Teig an. Wir warteten. Wir falteten den Teig. Wir warteten. Wir falteten noch einmal. Wir warteten.

Während die Samstagssommerhitze auf die Stadt drückte, saßen wir im Schatten der Prinzessinnenbäume im lauen Wind. Ich zog die Schultern hoch, nur um zu merken, dass sie immer noch schmerzten, streckte die Beine aus und hörte meine Knie knacken, schloss die (ohnehin ganz kleinen) Augen und fing an, endlich die Eindrücke des vorangegangenen Abends zu ordnen.

    [Human beings] just didn’t like being in their own heads. It could be because [they], when left alone, tend to dwell on what’s wrong in their lives. We have evolved to become problem solvers and meaning makers. What preys on our minds, when we aren’t updating our Facebook page or in spinning class, are the things we haven’t figured out — difficult relationships, personal and professional failures, money trouble, health concerns and so on. And until there is resolution, or at least some kind of understanding or acceptance, these thoughts reverberate in our heads. Hello rumination. Hello insomnia.

Die New York Times schreibt, dass wir uns die ganze Zeit so busy halten, um uns vor der Auseinandersetzung mit unseren Problemen zu drücken. Geschäftigkeit und Ungeduld sind zur Gewohnheit geworden. Nichtstun? Erlauben wir uns nicht. Können wir vielleicht auch gar nicht mehr.

Im Prinzesinnengarten habe ich gelernt: Backen ist dafür die perfekte Therapie.

Das fällt nicht leicht. Sauerteig verlangt ein Maß an Geduld, das ich mir erst wieder antrainieren muss. Nicht nur muss man mit den langen Wartezeiten klarkommen, ehe es endlich ein wunderbar knuspriges und duftendes Resultat gibt. Oftmals fallen die ersten Laibe auch noch unbefriedigend aus. Es gilt, ein Gefühl für seinen Teig, für seinen Ofen zu bekommen. Und anders als beim Kochen lässt sich ein fehlgeschlagenes Backexperiment nicht retten. Das perfekte Brot braucht Zeit. Geduld, viiiiel Geduld. Und Ruhe.

    But you can’t solve or let go of problems if you don’t allow yourself time to think about them. It’s an imperative ignored by our culture, which values doing more than thinking and believes answers are in the palm of your hand rather than in your own head.

„In the palm of my hand“ lag am Ende des Tages ein fast perfektes Sauerteigbrot. Fast perfekt, weil nach sechs Stunden des Nichtstuns im Prinzessinnengarten meine Geduld am Ende war. Ich bat darum, eines unserer Brote schon früher aus dem Ofen holen und anschneiden zu dürfen. „Es braucht aber eigentlich noch länger“, warnte Elsa. Es schmeckte trotzdem ganz hervorragend. Ein (fast) perfektes Katerfrühstück.

Urban Journalism Salon #1

„Wie moderiert man ein Experiment?“, hatte mich die Vocer-Redaktion kurz vorm allerersten Urban Journalism Salon gefragt – und so richtig wusste ich das da auch noch nicht.

Der Plan war, ein erlebbares Magazin zu gestalten, performativen Journalismus auszuprobieren. Daran wagten sich mit uns – was für ein Glück! – gleich eine ganze Reihe toller Gäste: Hanno Hauenstein mit einer Reportage aus Israel, die Crowdspondents mit einem Live-Podcast aus dem Kleiderschrank, Thilo Kasper von Putsch, der unsere Zuschauer buchstäblich mit ins Boot holte, sowie Teresa Bücker und die Redaktion des Missy Magazine. Dank ihnen klappte das Moderieren dann fast von allein.

Der Urban Journalism Salon #1 war ein Testlauf und wurde dementsprechend ganz unterschiedlich wahrgenommen, wie das Presseecho zeigt. Falls euch beim Zuschauen Ideen kommen, wie man die Veranstaltung anders, besser oder völlig neu aufziehen könnte, lasst es uns wissen! Werdet Teil des Experiments.

Mein Roadtrip Soundtrack (1): Georgia und die Carolinas

Mein Roadtrip Soundtrack (1): Georgia und die Carolinas

Ich kann gar nicht mehr sagen, wie oft ich meiner kleinen Schwester in der ersten Woche meines Roadtrips eine von diesen ungläubigen SMS geschrieben habe. „Erinnerst du dich noch an diese und jene Szene in „Elizabethtown“? Den schrulligen Typen aus dem Nicholas Sparks-Film? Das idyllische Städtchen aus „Dawson’s Creek“? North Carolina ist WIRKLICH so!!“

Mit dem Blue Ridge Mountains im Rücken und den Fleet Foxes im Ohr fuhr ich los, durch neblige Küstenorte, das verträumt europäische Charleston und das aufregende Savannah, bis tief in den „Peach State“ Georgia. Oh, Georgia!

Schon bald sollte ich feststellen, dass die Südstaaten längst nicht überall aussehen wie in den Filmen und Serien, die ich als Teenager geschaut hatte. Aber für den Moment genoss ich die dicken alten Eichen, in denen Spanisches Moos hing, die stattlichen Häuser mit den Veranden und flatternden Vorhängen, und die Pfirsichstände am Straßenrand.

Ganz ehrlich: Wenn man das zum ersten Mal sieht, kann man fast gar nicht anders, als kitschige Musik zu hören.

Zwei alte Männer über den Krieg: „Die andere Möglichkeit“

Heute vor 100 Jahren trat Deutschland in den 1. Weltkrieg ein. Bis vor einigen Wochen hatte ich noch keine Ahnung, was genau in diesem Krieg eigentlich passiert ist, wer da gegen wen kämpfte, aus welchen Gründen und mit welchen Auswirkungen. Dann fing ich an, mich mit Erich Kästner zu beschäftigen – und kam auf einmal nicht mehr um das Thema herum. Seitdem verfolgt es mich ein wenig, bis hin zu dem Familienfest vor ein paar Wochen, bei dem mein Großonkel Willy eines der größten Kästner-Gedichte rezitierte.

Download „Die andere Möglichkeit“ (1:15 Min. | 1,2 MB)

Falls ihr ebenfalls mehr über den 1. Weltkrieg lernen wollt, empfehle ich zur Einführung die Ausstellung im Deutschen Historischen Museum in Berlin (noch bis 30. November) sowie das Webspecial des ZDF. Und natürlich alles von Erich Kästner.

Küchenstolz: Pulled Pork mit der Kitchen Guerilla (mit Verlosung!)

Es gab auch Gemüse! Im mobilen Biergarten der Kitchen Guerilla

Als ich neulich die Geschichte der beiden „Vegetoonists“ Laurie und Ty aufschrieb, ahnte ich noch nicht, wie bald ich wieder Pulled Pork essen würde. Keine Woche später fand ich mich an einer langen Tafel in der Berliner Rummelsburg wieder, mit Spreegeplätscher im Hintergrund und Grillduft in der Nase. Die Kitchen Guerilla hatte hier für einen Abend ihren Mobilen Biergarten errichtet.

Olaf, Onur, Koral und ihre Kumpels bauen Küchen auf und bringen Menschen zusammen – an den ungewöhnlichsten Orten, mit den nettesten Leuten. Sie stehen nicht auf Schäumchen und Schi Schi, sondern machen lieber was Handfestes: Fleisch. Ich bewundere das, denn für mich ist die Zubereitung von Fleisch eine kulinarische Königsdisziplin. Man braucht dafür eine gute Ausrüstung, Zeit, Geduld und vor allem: Gefühl. Wer das alles hat, wagt sich vielleicht an das Rezept für Pulled Pork heran, das ich Onur nach dem zweiten oder dritten Fass Bier abschwatzen konnte.

So muss das aussehen: Nach mehreren Stunden im Smoker lässt sich das Fleisch ganz leicht zerrupfen   Pulled Pork Burger

Pulled Pork

Zutaten (für 10 Personen):

Schweinebraten mit Knochen (ca. 2 kg und mit max. 1 cm Fettschicht)

Für den Rub
80 g brauner Zucker
150 g grobes Meersalz
80 g frisch gemahlener Pfeffer
80 g Edelsüß Paprikapulver, geräuchert
50 g Cumin
30 g Knoblauchpulver
30 g gemahlene Koriandersamen

Außerdem
Smoker Grill
Eichenholz Chips
BBQ-Soße
10 frische Sauerteigbrötchen

Die Fettschicht vom Braten größtenteils entfernen, das Fleisch mit dem Rub einreiben und über Nacht im Kühlschrank ziehen lassen.

Am nächsten Tag das Fleisch eine halbe Stunde vor dem Smoken aus dem Kühlschrank nehmen und währenddessen den Smoker für indirekte und auf schwache Hitze (ca. 120°C) vorbereiten. Danach zwei Holzchips auf die Glut legen, den Braten in einem Ofenblech auf den Rost legen und den Deckel zumachen. Dabei die Temperatur im Auge behalten und alle zwei Stunden neue Holzchips auf die Glut legen. Nach etwa fünf Stunden die Kerntemperatur überprüfen – wenn sie bereits 70°C beträgt, den Braten mit Alufolie abwickeln und bei 80°C weitere drei Stunden niedergaren, bis die Kerntemperatur bei 85°C liegt. Danach den Braten aus dem Smoker nehmen und etwa eine Stunden ruhen lassen.

Anschließend kann der Braten einfach mit der Hand gezupft und mit der BBQ-Sauce und vielleicht etwas Salat (Cole Slaw!) in einem saftigen Sauerteigbrötchen serviert werden.

Ein herrlich geselliger Sommerabend im mobilen Biergarten der Kitchen Guerilla

Verlosung

Falls euch jetzt das Wasser im Mund zusammenläuft: Die Kitchen Guerilla baut ihren Mobilen Biergarten diesen Sommer noch zwei weitere Male auf. Ihre Grills und Bierfässer rollen am 7. August in Leipzig und am 27. August in Hamburg an. Ich verlose 1 x 2 Eintrittskarten für die Stadt eurer Wahl – ihr müsst lediglich bis zum 4. August diesen Eintrag kommentieren und eine gültige E-Mailadresse hinterlassen. Viel Glück!