
Am Dienstag war Hellmuth Karasek zu Besuch an meiner Uni und hat aus seinem neuen Buch vorgelesen, das, wenn der Eindruck nach drei Ausschnitten nicht täuscht, so etwas wie seine erotische Biografie ist. Die ganze Zeit war ich überrascht, dass er doch viel weniger tüddelig zu sein schien als für gewöhnlich im Fernsehen – dann schmiss er jedoch kurz vor Ende der Veranstaltung noch gleich zwei Gläser hintereinander vom Podium. Aber das war okay, es war sogar gut. Genauso gut wie die Sätze und Gedanken, die er da von sich gegeben hat. Ein paar konnte ich mitschreiben.
Über Emanzipation: “Die Frauen haben die Männer längst überflügelt. Es kann nur noch eine kurze Zeit dauern, bis sie auch gleich bezahlt werden – ich schätze 70 Jahre.”
Über Helene Hegemann: “Diese Literatur ist für mich nicht mehr geschrieben.”
Über Treue: “Treue ist Mangel an Gelegenheit oder einfach Faulheit.”
Über Google Street View: “Das gab es bis zur Industriellen Revolution auf jedem Dorf! Die Nachbarn waren die stärkste Kontrolle.”
Über die Zurückweisung einer Frau: “Dafür war ich dankbar – aber nur einerseits.”
Das Buch heißt übrigens “Ihr tausendfaches Weh und Ach – Was Männer von Frauen wollen” und ist bei Hoffmann und Campe erschienen.
Manchmal, wenn mir langweilig ist, hole ich nochmal das Gurkenglas aus dem Schrank und versuche es zu öffnen. Ich liebe Gewürzgurken, aber es ist Wochen her, dass ich welche gegessen habe. Das blöde Glas geht einfach nicht auf! Doch das ist bisher der einzige richtige Nachteil, den ich am Alleinwohnen entdeckt habe. Ansonsten gefällt es mir sehr gut.
Da wäre bloß noch diese komische neue Angewohnheit, mit Gegenständen zu reden. Es ist ja sonst niemand in der Wohnung! Deswegen beschimpfe ich jetzt das Kopfkissen, wenn ich morgens aufstehen muss, und den Staubsauger, weil er ständig irgendwo aneckt. Ich rede mit dem Drucker, weil ich mich einfach nicht in den Duplexdruck reindenken kann, und lese meinem Telefon die Nummern vor, während ich sie ins Adressbuch speichere. Ich spreche zum Spiegel, meinem Kleiderschrank, dem Backofen. Und natürlich mit dem Toaster, dem es inzwischen wieder besser geht. Neulich war er sogar so gut gelaunt, dass er mein morgendliches Vollkorntoast ganz überschwänglich auf die Arbeitsfläche hat hüpfen lassen! Also scheint die, nunja, irgendwie belebende Wirkung, die diese Gespräche für mich haben, auf Gegenseitigkeit zu beruhen. Nur das Gurkenglas lässt sich leider nicht bequatschen.

Wir picknickten uns durch Londons Parks. Immer dabei: Eine gut gefüllte Einkaufstasche von Marks & Spencer. Bagels, Tomaten, Salat, eine gute Chorizo und zum Nachtisch saftige Erdbeeren – ich habe selten besser gegessen. Aber das lag sicher auch an dem strahlenden Sonnenschein, in dem wir uns auf den Wiesen räkelten.

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Wenn es dieser Tage vor meinem Fenster immer so stürmisch und verschneit vorgeht, denke ich an den letzten Sommer in London, als an Schnee gar nicht zu denken war. Wir nahmen dort freiwillig die langsamen Doppeldeckerbusse, weil es in der Tube so stickig war, und Roman überredete mich nach ein paar Tagen, Sandalen zu kaufen.
Wir ließen uns durch die Stadt treiben, bestaunten die Food Hall von Harrods und die kurzen Freiluft-Vorstellungen vorm National Theatre. Wir entdeckten Pubs mit verwunschenen Gärten (“Windsor Castle” in Notting Hill) und standen uns im Globe Theatre – bei einer sehr guten Aufführung übrigens – die Beine in den Bauch. Wir bestaunten die Kunst in der Modern Tate, dem V&A Museum und der Saatchi Gallery und berieten eine Ecke weiter mit den Gürtel-Designern von Elliot Rhodes, wo sie am besten ihren ersten deutschen Shop eröffnen sollten (Hamburg!). Wir shoppten die Oxford Street rauf und runter, denn es war Ausverkauf, überall.
Im Postman’s Park, mitten im Bankenviertel, wurden wir still und andächtig angesichts der Gedenktafeln, die, ganz viktorianisch-morbide, an die Menschen erinnern sollten, die ihr Leben für andere gaben: “Mary Rogers, Stewardess of the Stella, March 30 1899, self sacrificed by giving up her life belt and voluntarily going down in the sinking ship.”
Und früher oder später landeten wir immer wieder in einem der vielen, vielen Londoner Parks. Das waren die besten Momente. Aber dazu bald mehr.
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Mein Toaster ist unausgeglichen in letzter Zeit. Vielleicht liegt es am Wetter. Jedenfalls toaste ich mir jeden Morgen drei Scheiben Vollkorntoastbrot, und jede spuckt er anders aus. Die erste ist oft genau richtig, schön knusprig und goldig braun von allen Seiten. Doch als würde er es bereuen, etwas so Perfektes geschaffen zu haben, verpasst mein Toaster der zweiten Scheibe dann eine dunkelbraune Ecke. Oder er schafft es, die eine Seite stärker zu rösten als die andere. Das ist sehr komisch und ein bisschen beängstigend.
Ich bin auch manchmal unausgeglichen, aber vorgestern habe ich eine tolle Art und Weise gefunden, diese Unausgeglichenheit zu überwinden. Das geht am leichtesten, indem jemand einem eine Freude macht – zu Not man selbst.
Es hatte wieder so doll geschneit, dass ich die dicken Stiefel anziehen musste. Und weil in denen niemand meine Socken sieht, habe ich das einzige saftig grüne Paar Socken angezogen, das ich besitze. (Normalerweise habe ich nur braune und blaue Socken, weil die am besten zu Schuhen und Jeans passen.) Immer, wenn ich an diesem Tag meine Schuhe aus- oder anzog, habe ich mich über die wunderbare Farbe meiner Socken gefreut. Grüne Socken sind super für unausgeglichene Phasen. Schade nur, dass mein Toaster keine Füße hat.