Dirk von Gehlen war mein allererster Chef. Das war 2009, als ich einen wunderbaren Winter lang Teil der Redaktion von Jetzt.de sein durfte. Vier Jahre, fünf Wohnorte und zahlreiche Jobs später hat sich vieles geändert – doch eins ist gleich geblieben: Ich mache gefälligst, was Dirk sagt. Wenn Dirk also sagt,

Zähle 5 Bücher auf, die ganz oben auf deiner Wunschliste stehen, die aber KEINE Fortsetzungen von Büchern sind, die du schon gelesen hast – sie sollen also völlig neu für dich sein. Danach tagge 8 weitere Blogger und informiere diese darüber.

… dann mache ich das auch.

Fünf Buchvorsätze

Herman Koch: „Odessa Star“

Die Bücher von Herman Koch kommen zunächst wie sehr präzise Gesellschaftsbeobachtungen daher, mit erstaunlich facettenreichen Charakteren und Beziehungsgeflechten – und verwandeln sich dann ganz plötzlich in packende Thriller. Ob das auch bei „Odessa Star“ der Fall ist? Diesen Roman hat Koch in den Niederlanden bereits ein paar Jahre vor seinem internationalen Bestseller „Angerichtet“ veröffentlicht. Kiepenheuer & Witsch brachten ihn Ende 2013 endlich auf Deutsch heraus. Seitdem habe ich den Band schon viel zu oft in der Hand gehabt und dann doch nicht gekauft.

Yotam Ottolenghi und Sami Tamimi: „Jerusalem“

Wenn ich aus Kochbüchern koche, dann für gewöhnlich aus welchen, die ich in der Stadtbücherei ausgeliehen habe. Die vierwöchige Frist wirkt Wunder – man muss sich dann nämlich wirklich damit ranhalten, all die guten Rezepte auch zuzubereiten, anstatt die hübschen Bücher bloß durchzublättern, mit „irgendwann mal“-Eselsohren zu versehen und anschließend in einem Küchenregal dekorativ verstauben zu lassen. So ist es mir mit „Jerusalem“ passiert, das mir meine Eltern letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt haben. Ein großartiges Geschenk, wenn man bedenkt, dass mich Israel und seine Küche seit unserem Klub Konkret-Dreh nicht mehr losgelassen haben – und dass ein so prächtig produziertes Buch wie dieses das studentische Budget eigentlich übersteigt. Zuletzt war es allerdings eher mein Zeitbudget, das mich davon abhielt, meine Küche endlich mit den nötigen Grundzutaten (Sesampaste! Rosenwasser! Dattelsirup!) auszustatten. Wie gut, dass bald schon der nächste Geburtstag ansteht…

Marisha Pessl: „Die amerikanische Nacht“

Endlich hat Marisha Pessl ein zweites Buch geschrieben. Wieder ist es ein richtiger Wälzer geworden – und sehr wahrscheinlich auch wieder einer von denen, die man die ganze Zeit mit sich herumtragen will, um diese Welt ja nicht aus den Händen geben zu müssen. Deshalb warte ich sehnsüchtig auf die Taschenbuchausgabe.

Eli Pariser: „The Filter Bubble: What The Internet Is Hiding From You“

Das ist jetzt etwas peinlich. Eli Parisers Buch über die Algorithmen von Google, Facebook und co., die jedem User sein ganz persönliches Internet – die sogenannte Filter Bubble – kreieren, habe ich im Studium in Auszügen gelesen und das darin beschriebene Konzept seitdem x Mal zitiert und angewendet. So viele Male, dass ich inzwischen ein ganz schlechtes Gewissen habe, wenn ich wieder irgendwo von fragmentierter Öffentlichkeit schwafle oder einem Kollegen vorwerfe, er bewege sich immer nur in seiner eigenen Blase. Allein fürs Gefühl muss dieses Buch also noch ins Regal. Und in meinen Kopf.

Dirk Kruse-Etzbach: „Iwanowski’s USA – Süden“

Wer mir bei Instagram folgt, hat es schon mitbekommen: Ich bin gerade in den USA, genauer gesagt in Durham, North Carolina, wo ich einen Monat als Media Fellow an der Duke University verbringe. Vor ein paar Wochen stand ich aber noch in einer Münchner Buchhandlung und habe einen Verkäufer damit überfordert, mir doch bitte mal kurz die verschiedenen ideologischen Ausrichtungen der angebotenen Reiseführerverlage zu erläutern. Am Ende wurde es Iwanowski, der mir zwischen Baedeker, DuMont und Lonely Planet wie der geheimnisvolle Underdog vorkam. Zugegeben, viel darin gelesen habe ich noch nicht. Dabei beginnt schon in wenigen Tagen mein eigentliches amerikanisches Abenteuer: Ich unternehme einen Roadtrip durch die Südstaaten. Es geht nach Charleston und Savannah, Montgomery und Birmingham, New Orleans, Memphis und Nashville. Ganz allein! Da braucht man etwas, woran man sich festhalten kann.

Ich bin aber auch sehr dankbar für jeden Hinweis, der noch nicht irgendwo gedruckt steht – denn das sind ohnehin meist die besten. Was immer ihr also Tolles kennt – von South Carolinas bester Eisdiele bis hin zur schrulligen Urgroßtante in Tennessee – ich freue mich riesig über Tipps.

Auf die Gefahr hin, dass das meine Leseliste nur noch verlängert, werfe ich den Stock nun weiter: Christian Fahrenbach, Josephine Kramer, Lena Reinhard, David Streit und Lana Pribic – welche Bücher wollt ihr unbedingt bald lesen?