Das Weblog von Eva Schulz

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Auf Supermarktsafari in Helsinki

Nun bin ich schon über eine Woche in Finnland – höchste Zeit, einmal einkaufen zu gehen! Finnische Supermärkte unterscheiden sich nicht stark von deutschen, und doch gibt es die eine oder andere Besonderheit. Das fängt bei den Öffnungszeiten an. Seit die vor ein paar Jahren liberalisiert wurden, sind finnische Supermärkte auch sonntags geöffnet. Das ist wunderbar. Vor allem, wenn einem überraschend die Grundnahrungsmittel ausgehen.

Nr. 1 (Äpfel) zu finden, war kein Problem, die liegen gleich neben den Avocadonetzen. Letztere heißen hier allerdings etwas anders:

Im finnischen Supermarkt: Avokadopussi

Bei Nr. 2 (Joghurt) tat ich mich schwerer. Ich stand ungefähr fünf Minuten vor dem Kühlregal, verwundert die vielen verschiedenen „Kvarg“-Becher in der Hand wendend, bis ich realisierte, dass ich schlicht nach der falschen Verpackungsart Ausschau gehalten hatte. Joghurt wird hier in Tüten abgefüllt – und bekommt einen hübschen Kosenamen:

Im finnischen Supermarkt: Jogurtti

Milchprodukte scheinen äußerst beliebt zu sein. Die Auswahl ist riesig, von saurer über laktosefreie bis hin zu Soyamilch, und in vielen Kantinen gibt es neben stillem Wasser ganz selbstverständlich auch verschiedene Milchsorten als kostenloses Getränk. Die Verpackungsverwirrung holte mich indessen auch im Trakt mit den Marmeladen ein:

Im finnischen Supermarkt: Marmelade oder Margarine?

Wer eher pikant frühstückt, wird ebenfalls im Supermarkt – und nur hier – fündig. Es gibt nämlich keine Metzgereien in Finnland. Aufschnitt findet sich ausschließlich in abgepackter Form im Kühlregal. Auch Fleischtheken, an denen man bedient würde, habe ich bisher nur in sehr großen Supermärkten gesehen. Auf allen Verpackungen wird der Fleischgehalt angegeben. Bei diesen „Wilhelm“-Würsten beträgt er lediglich 74 Prozent. (Ich habe sie nicht gekauft.)

Im finnischen Supermarkt: Wurst

Würste mit lustigen Namen gibt es übrigens auch für Hunde!

Im finnischen Supermarkt: Hundewurst

Genau wie mit den Metzgereien verhält es sich auch mit Bäckereien: Es gibt schlicht keine. Brot wird also ebenfalls abgepackt im Supermarkt gekauft. Trotzdem werde ich mich darüber nicht beschweren, denn: Die Finnen LIEBEN Roggen. So viel dunkles Brot finde ich nicht einmal in Deutschland – weder im Supermarkt, noch bei meinem Lieblingsbäcker.

Im finnischen Supermarkt: dunkles Brot

Allerdings würde ich nicht so weit gehen, selbst die Kartoffeln in Kartoffelchips durch Roggen zu ersetzen.

Im finnischen Supermarkt: Roggenchips

„RuisSipsi“ gibt es in allen üblichen Geschmacksformen, aber „Sour Cream & Onion“ funktioniert in der ungesunden Version einfach besser. Eine weitere Besonderheit aus dem Süßkramregal: Lakritzsoße zum Garnieren von Nachspeisen. Die Finnen sind verrückt nach „Lakritsi“. Es gibt sogar Lakritzeis! Das scheint hier den gleichen Stellenwert zu haben wie bei uns die Sorten Erdbeere oder Straciatella.

Im finnischen Supermarkt: Lakritzsoße

Und seit einigen Monaten erobert noch etwas ganz anderes die finnischen Kühl- und Vorratsschränke:

Im finnischen Supermarkt: Angry Birds

„Angry Birds“-Produkte sind überall, und das längst nicht nur in essbarer Form. Aber darüber werde ich an anderer Stelle einmal ausführlich berichten. Lieber werfen wir noch kurz einen Blick in die Getränkeabteilung und stellen fest: Sixpacks sind was für mittelmäßige Mitteleuropäer. Der Finne kauft 12er-Packs!

Im finnischen Supermarkt: 12er- statt Sixpacks

… und zahlt dafür so viel, dass es – zumindest für manche Einwohner von Helsinki – zum Brauch geworden ist, regelmäßige Tagestrips in die estnische Hauptstadt Tallinn zu unternehmen, um ihren Alkoholvorrat dort einzukaufen. (Auch sonst lohnt sich so ein Ausflug offenbar, allein schon wegen der Fahrt mit der Fähre, die etwa zwei Stunden dauert.)

Apropos zahlen: An der Kasse wird in 5-Cent-Schritten auf- bzw. abgerundet. Wer trotzdem zu viel Kleingeld zurückbekommt, kann das an den Spielautomaten verdaddeln, die in jedem Supermarkt am Ausgang bereitstehen.

Im finnischen Supermarkt: Spielautomaten

Aber ich persönlich spare lieber – auf die nächste Packung Jogurtti. Oder eine Kugel Lakritzeis.