Manche Menschen glauben an Sternzeichen, an Intelligenzquotienten oder Automarken. Sarah glaubt an Früchte. Darauf kamen wir neulich im Supermarkt. Wir standen in der Drogerieabteilung, vor dem schier endlosen Regal mit „Le Petit Marseillais“-Duschgel. Das gibt es in den verrücktesten Sorten, zum Beispiel „Johannisbeere-Kirschtomate“, „Aprikose-Basilikum“ und „Pinie-Meerfenchel“. Ich war völlig überfordert. „Tja, das Problem habe ich nicht“, sagte Sarah. „Ich bin eine Zitrone.“
Sie erklärte mir, man könne zu jedem Menschen eine Frucht finden, die ziemlich genau seinem Charakter entspräche. Mensch und Frucht, diese Kombo sei nunmal einfach so, man habe auch keinen großen Einfluss darauf. Als Beispiel nannte sie mir unseren Kollegen Stephan. Er ist eine Banane: Öffnet sich nicht von allein und ist auch schnell eingeschnappt, aber wenn man dann doch hinter seine Schale kommt, ist er von innen ganz weich und lieb. Ich fand das sehr einleuchtend.
Unsere Chefin, Elke, ist eine Johannisbeere: Irgendwie dunkel, aber nicht böse – eben komplex. Ein Charakter, der sich nicht gleich erschließt, weil er so vielfältig ist. Aber Sarah, eine Zitrone? Das fände sie gar nicht schlimm, sagt sie. Sie sei eben keine Süße, sondern eine, deren Qualitäten man erst auf den zweiten Blick erkenne. Sagts und greift beherzt nach der gelben Zitronenflasche – und nach einer orangefarbenen. „Du bist übrigens eine Aprikose.“


Wenn’s nach “Le Petit Marseillais” geht, bin ich auch eine Zitrone, das Zeug ist einfach toll. Hoffentlich denke ich dran, im Frankreichurlaub genug davon zu kaufen, um es mit nach Hause zu nehmen.
Ansonsten muss ich aber mal überlegen, was für ein Früchtchen ich so sein könnte? Eine Pflaume vielleicht, immerhin hab ich im Herbst Geburtstag. Aber vielleicht auch einfach ein Apfel, schön simpel, kennt jeder, mag jeder, unspektakulär, aber sympathisch. Hm.
Klingt spannend. Könnte nicht sagen, welches Obst ich wäre, aber ich glaube, man selbst wäre eh sein Lieblingsobst, ob’s nun passt oder nicht. Dann wäre ich übrigens eine mit Him- und Erdbeeren gefüllte Galiamelone.
Den Artikel fand ich jetzt mal richtig lustig :) Dieser lakonische Stil und die Bereitschaft, die Früchte-Metaphysik einfach zu übernehmen…
Was ich wohl bin? Hoffentlich nichts blödes wie eine Dattel.