Le Marché des Producteurs

Marché des Producteurs   Marché des Producteurs
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Frankreich hat eine alte und ausgeprägte Marktkultur, doch selbst die ist vor der Globalisierung nicht gefeit: Zwischen frischem Obst und Brot finden sich oft Plastikramsch aus China und Schals mit Pseudo-Ethnomustern. Sylvain, der Seifenmacher, veranstaltet deshalb einmal im Jahr einen Marché des Producteurs in Burgaronne, dem Dörfchen auf dem Nachbarhügel von Orion.

Hier wird nur gehandelt, was regional und am besten auch noch Bio ist. Unsere Köchin Annie verkauft die Aprikosen aus ihrem Obstgarten und Scones mit selbstgemachter Erdbeerkonfitüre, Cedric sein nach baskischer Art gebrautes Bier und der einzige Biobäcker der Gegend sorgt mit dunklem (!) Brot für Aufsehen. Hierher kommen auch Produzenten, die sonst auf keinem Markt anzutreffen sind, weil sie ihre Erzeugnisse eigentlich in Hofläden verkaufen.

Das alles ist etwas Besonderes – und doch ist der Zulauf lange nicht so groß, wie er in Deutschland wäre. Die Franzosen haben es nicht so mit „regional“, „öko“ und „Bio“. Umweltbewusstsein steht bei ihnen generell nicht hoch im Kurs. Das zeigen auch ihr völlig absurdes Mülltrennungssystem (bei dem alles, was kein großer Karton oder ein Tetrapak ist, in dieselbe Tonne kommt) oder ihr Verhältnis zur Atomenergie.

In Frankreich ist es schlicht nicht möglich, anderen Strom als Atomstrom zu beziehen. Das scheint aber niemanden zu kümmern. Auf der gemeinsamen Website der deutschen und französischen Außenministerien findet sich dafür eine interessante Erklärung: „Während in der französischen Geistesgeschichte die Natur sich vor allem als eine Bedrohung darstellt, die durch das menschliche Streben bezähmt werden muss, hat die deutsche Geistesgeschichte die Tendenz, die Natur zu idealisieren. Die französische Haltung spiegelt sich im klassischen Gartenbau wieder: Der französische Garten ist durch symmetrische Formen und geometrische Strukturen geprägt – man beherrscht die Natur, indem man ihr den menschlichen, kartesischen Geist auferlegt und schafft erst damit etwas Vollendetes. Das deutsche Naturverhältnis kommt hingegen in der Naturpoesie der Romantik zum Ausdruck – die Natur wird alles etwas Göttliches, Erhabenes über dem Menschen Stehendes wahrgenommen. Dies mag dazu führen, dass Franzosen eher dazu geneigt sind anzunehmen, dass es dem Menschen gelingt, die entfesselte Kraft des Atoms problemlos zu nutzen. Deutsche dagegen könnten die damit verbundenen Gefahren der Strahlung als Hinweis wahrnehmen, dass sich die Kräfte der Natur bei einem zu massivem Eingriff in die „göttliche“ Natur gegen den Menschen selbst wenden können.“

Sylvain, der Seifenmacher, besitzt – wie wir auch – einen elektrischen Joghurtbereiter. Im Gegensatz zu uns benutzt er ihn jedoch nicht. „Ich würde so gern meinen eigenen Joghurt machen, mit der Vollmilch, die der Biobauer hier verkauft“, sagt er. „Aber wie viel „Bio“ steckt noch in einem Joghurt, der mit Atomenergie hergestellt wird?“

3 Kommentare

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  1. Laurent sagt:

    Diese deutsch-französischen Unterschiede sind tatsächlich interessant. Dass sich niemand für Bio interessiert ist nicht falsch (obwohl die Zahl der Biogeschäfte steigt). Dass niemand sich für regionale Produkte intessiert, habe ich so jedoch nicht beobachtet. Die “produits du terroir” sind doch omnipräsent. Ob “poulet de Bresse” oder die regionalen Käsesorten: jede Region ist stolz auf ihre Produkte.

    Dazu passt auch, dass in der französischen Kultur die beherrschte Natur, also Landschaften die von der Landwirtschaft geformt wurden, deutlich mehr geschätzt werden, als jetzt Wald in Deutschland z.B.

    Dass es kein Bewusstsein gibt, würde ich auch anders sehen. Was den Atomstrom angeht so waren die Anti-Atom-Proteste in den 70ern in Frankreich mindestens so heftig wie in der Bundesrepublik. Gereade auch, weil die Bauern um ihr “terroir” fürchteten. Eine kleine Machtelite im zentralisierten Staat unterdrückt jedoch immmer noch jede Alternative.

  2. Josephine sagt:

    Super Thema. Dazu hatte ich heute erst eine Diskussion. Hier in Berlin gibt es nämlich so gut wie keine Metzger (wohingegen es in Bayern bspw. jede Menge gibt). Die meisten Leute hier scheinen Abgepacktes und Billiges zu bevorzugen. Was sollen sie auch anderes nehmen? Ein sich schließender Kreis.

  3. Heide sagt:

    @Josephine: In Berlin gibt es mindestens einen guten Metzger – Ralf Frindt auf dem Kranoldmarkt in Steglitz (S-Bahnhof Lichterfelde Ost). Täglich dort zu finden, an der Ferdinandstrasse, werktäglich von 8 oder 9 bis 18 Uhr, nur Dienstags macht er schon um 14 Uhr Feierabend. Samstags zu den normalen Marktzeiten.
    Er hat hervorragendes Fleisch und kann auch mal Nettigkeiten wie Kalbszunge, Bries oder Entenleber besorgen.
    Wenn Du Mittwochs oder Samstags hingehst, lohnt auch ein Besuch des Wochenmarktes. Unter dem Dach, hinten links ist ein Hofstand, der Name fällt mir leider nicht mehr ein, ich wohne seit Anfang des Jahres nicht mehr in Berlin – August bis Oktober haben die eine herrliche Auswahl an Tomaten.

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