„Es kommt aber auch wirklich jeden Tag etwas dazwischen!“, pflegt meine Kollegin Sarah zu seufzen. Heute war es ein Baum.

Wir wollten zum Supermarkt um – unter anderem – für 50 Euro Klopapier zu kaufen. Das verschob sich dann etwas nach hinten, weil wir Äste schleppen und dabei aufzählen mussten, was in den letzten Tagen schon alles dazwischen gekommen ist: die regnende Klimaanlage, das frisch verlobte Paar, das unangemeldet zu einer Besichtigung vorbeikam (man kann hier nämlich auch sehr schön heiraten), der Pianist, der den Flügel lieber in einem anderen Raum stehen haben wollte. Gastronomie ist nicht nur ein 24/7-Job, es ist auch einer, den man kaum planen kann. Das hatte ich mir schon gedacht.
Womit ich hingegen nicht gerechnet hatte: Dass ich ausgerechnet hier genau die Arbeitsbedingungen vorfinden würde, von denen meine Kommilitonen gern laut träumen. Flache Hierarchien, freie Wahl von Arbeitszeit und –ort, ein hohes Maß an Verantwortung, abwechslungsreiche Aufgaben, eine gute Mischung aus Kopf- und Handarbeit. Ich darf mir eigene Projekte suchen, zum Beispiel das kleine Sommerfest, das ich für dieses Wochenende organisiere. Ich darf Dinge ausprobieren, wie Mango-Maracuja-Eis Machen (sehr lecker!), Floristin Sein (naja) oder eine sinnvolle Ordnung für die zahllosen, über das ganze Haus verteilten Bücher Finden (gescheitert).
Das Château ist ohnehin ein Ort, der seine Besucher und Bewohner zum Nachdenken bringt. Als wir so diesen Baum betrachteten, musste ich auf einmal sehr viel über Arbeitsbedingungen nachdenken. Dass große und/oder vermeintlich hippe Unternehmen Freiheit mitunter nur vorgaukeln, hat spätestens die Dokumentation „Work Hard – Play Hard“ gezeigt. Aber muss man wirklich in die französische Pampa ziehen, wo die nächste Bushaltestelle fünf Autominuten entfernt ist und das Kino nur drei Tage die Woche geöffnet hat, um so arbeiten zu können?


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