
Vor ein paar Wochen kam ich spät am Abend von einem Klub Konkret-Dreh zurück und wurde von meinen Freunden mit einem gemeinsamen Essen überrascht. Als sei das nicht schon toll genug, gab es auch noch Thorges berühmte Ofenkartoffeln. Beim Essen diskutierten wir darüber, wie selten unter unseren Kommilitonen noch mit Kartoffeln gekocht wird. Nudeln und Reis gehen nunmal schneller und sind irgendwie hipper – aber doch lange nicht so vielseitig!
Wenige Tage später erschien ein Artikel in der Taz, der das Phänomen unter dem Titel “Nudeln muss man nicht schälen” ausführlich beschreibt: “Anfang der 50er Jahre sah das noch ganz anders aus. Ein halbes Kilo Kartoffeln kamen damals pro Person auf den Tisch – täglich. Heute würde die gleiche Menge fast für vier Tage reichen – und da sind Fertiggerichte und Chips schon mit drin.”
Das kann doch nicht sein! Deshalb habe ich beschlossen, in meiner Küchenstolz-Rubrik künftig einen besonderen Fokus auf Kartoffelgerichte zu legen. Ich will mindestens so viele Rezepte sammeln, dass es für eine ganze Kartoffelwoche reicht – und damit zeigen, dass die Kartoffel als Zutat schrecklich unterschätzt wird.
Da hier im Château sehr häufig Kartoffeln zubereitet werden, waren alle ganz begeistert von der Idee eines gemeinsamen “Potato Projects”. Nach und nach wird die ganze Equipe ihre Rezepte beisteuern. Den Anfang macht meine Chefin, die uns gestern Abend diese wunderbaren Gnocchi gezaubert hat. Bis auf die Kartoffeln (sic!) stammen alle Zutaten direkt aus unserem Garten.
Elkes überbackene Basilikum-Gnocchi
Zutaten (für 4 Personen):
800 g mehlige Kartoffeln (die Franzosen sagen purée)
100 g Mehl (Type 500)
1 Ei
25 g Butter
1 Zwiebel
3 Knoblauchzehen
1 Zucchini
Weißwein zum Ablöschen
125 ml Sahne
1 Löffel Crème fraîche
Parmesan oder noch besser Brebis zum Überbacken
1 Bund Zitronenbasilikum
Am besten fängt man schon am Abend vorher an: Die Kartoffeln müssen gekocht werden, und wenn man das kurzfristig macht, bleibt oft nicht genug Zeit, um sie richtig ausdampfen zu lassen. Am nächsten Tag werden sie zermanscht (Elke hat sie gerieben, man kann sie aber auch durchdrücken) und dann mit Mehl, Ei und einer guten Prise Salz zu einem Teig vermischt. Den Teig in Rollen rollen – etwa zwei Finger dick – und dann zu Gnocchi zerschneiden. Um die typische Oberflächenstruktur zu bekommen drückt man sie mit einer Gabel platt.
Den Ofen auf 180 Grad vorheizen. Wasser zum Kochen bringen und ordentlich salzen. Die Gnocchi nach und nach jeweils drei bis vier Minuten lang kochen. Elke würde niemals alle Gnocchi gleichzeitig ins Wasser geben, sagt sie, sondern immer gerade so viele, wie nebeneinander Platz haben. Wenn sie aufsteigen, sind sie fertig und werden in einer gefetteten Auflaufform geschichtet.
Während des Gnocchi Kochens die Butter in einem Topf schmelzen und leicht braun werden lassen. Die gehackte Zwiebel (es muss eine gute sein, sagt Elke: weiß oder rot, keine Schalotte) und den gepressten Knoblauch in die Butter geben und langsam anbraten. Die Zucchini klein schneiden und ebenfalls dazu geben. (Wir hatten eine wunderbare gelbe Zucchini aus dem Château-Gemüsegarten, solche habe ich Zuhause noch nie gesehen. Leider!) Das Gemüse schließlich mit Weißwein ablöschen. Sahne und Crème fraîche hinzugeben, salzen, pfeffern und kurz aufkochen lassen.
Dann die Soße über die Gnocchi in der Form gießen und mit dem Käse bedecken. Für fünf Minuten in den Ofen geben und in der Zwischenzeit das Basilikum hacken. Dieses wird zu guter Letzt üppig über den Gnocchi verteilt. Meine Kollegin Sarah empfiehlt, das Ganze mit einem grünen Salat und vor allem ganz viel Brot zu servieren, um auch den letzten Rest Soße noch auftunken zu können.


Falls hier Foodblogger und/oder begeisterte Köche mitlesen, würde ich mich riesig freuen, wenn ihr mitmacht und eure Kartoffelrezepte beisteuert!
Oh ich lieeebe Kartoffeln! Es ist wirklich so schade, dass fast alle nur noch Nudeln kochen. Ich mag vor allem das Standardgericht: Pellkartoffeln mit Kräuterquark. Die gehen im Dampfdrucktopf eigentlich ganz schnell und man kann die fertig gekochten Kartoffeln, wenn man sie nicht alle schafft, gut für Bratkartoffeln oder Aufläufe benutzen. In den Quark mache ich meistens klein gewürfelte Tomaten und Gurke, Senf, Knorr Salatkrönung Paprika-Kräuter, bisschen Essig, Petersilie und allerhand andere Gewürze die mir grade unter kommen rein. Schmeckt super.:)
Was auch sehr gut schmeckt ist der “Kartoffelauflauf mit Hackfleisch und Brokkoli”. Ist zwar eine bisschen aufwändigere Zubereitung, lohnt sich aber.;)
(http://www.kuechengoetter.de/rezepte/Auflauf/Kartoffelauflauf-mit-Hackfleisch-und-Brokkoli-847944.html)
Außerdem habe ich festgestellt, dass es sich bei Kartoffeln wirklich lohnt sie nicht im Supermarkt, sondern bei einem Gemüsebauern(falls in der Nähe) zu kaufen. Die Kartoffeln schmecken dann einfach viel besser, man bekommt Tipps zur leckersten Sorte und da sie noch ungewaschen sind gammeln sie auch nicht so schnell.
Ich bin schon gespannt auf dein “Potato Project”.;)
Liebe Grüße, Charli
Mit den Sorten ist es doch auch wieder so eine Sache: Es gibt Tausende verschiedene, aber im Supermarkt bekommen wir – wie viele? Fünf verschiedene, wenn es hoch kommt? Leider sind es auch immer die gleichen. Ich weiß leider nicht genau, welche Sorte wir für die Gnocchi verwendet haben, werde aber künftig darauf achten!
Gerade spontan nachgekocht und für köstlich befunden!
Da ich persönlich Kartoffeln lieber pur mag als in Gnocchi-Form könnte ich mir fürs nächste Mal vorstellen, ein Kartoffel-Zucchini Gratin draus zu machen… mmh! Ich musste aber auch so schon improvisieren: ich hab natürlich “vorwiegend festkochende” statt mehlige Erdäpfel nach Hause gebracht und dachte dann, das wird schon gehen… Pustekuchen. Musste die “Pampe” mit Gries retten. Hat aber dennoch wirklich super geschmeckt. Ich hab gleich mal ein Foto für dich gemacht :) http://25.media.tumblr.com/tumblr_m7ixkyo2Eg1qzhl8xo1_500.jpg
In puncto neue Rezeptideen… ich liebe klassischen, hausgemachten Kartoffelbrei (das ist wirklich eine Kunst! Ich bring ihn bis heute nicht so hin wie meine Oma) mit Spinat und Spiegelei oder gefüllten Paprika. Dann (auch alles dank Oma) mag ich auch “Kartoffelgulasch” (gewürfelte Kartoffeln in ominöser, würzig-wässiger Soße, ich kann das nichtmal beschreiben), Kartoffel-Kürbissuppe, jegliche Art von Gratin oder Kartoffel-Gemüse Frittata und “Reiberdatschi”, wie wir in Bayern sagen, also Kartoffelrösti mit Sauerrahm, Sauerkraut und Preiselbeeren. Und Kartoffeln pur. Oh, und wenn ich mich an mein Sommerfest letztens erinnere… mein Kunstdozent hat herrlichen Kartoffelkas mitgebracht (Brotaufstrich aus Kartoffeln und Sahne, Sauerrahm etc.)… wenn jetzt nicht Semesterferien wäre würd ich dir sofort das Rezept organisieren!
Hach, Schluss jetzt, ich brauch nen Verdauungsspaziergang. Ich wünsch dir einen herrlichen französischen Abend, fühle dich beneidet!
Das ist ja großartig! Ich habe mich sehr über dein Foto gefreut – und Elke auch. Einige von den Gerichten, die du aufzählst, habe ich auch schon fest eingeplant. Kartoffelkas kannte ich allerdings noch nicht. Denk an uns, wenn deine Semesterferien vorbei sind! (Hoffentlich nicht allzu bald…)
Kartoffeln? Wunderbar!
Aber von Anfang an – und dazu muss ich etwas weiter ausholen:
Ich habe meinen Führerschein in einer “Ferienfahrschule” gemacht – zwei Wochen Intensivkurs, weg von zu Hause. “Damit ich mich darauf konzentrieren kann”, wie mein Vater meinte.
Dort musste ich in einer Pension übernachten, in der es JEDEN TAG irgendetwas mit Kartoffeln gab – und die waren auch noch schlecht zubereitet. Das führte dazu, dass ich mich danach den Kartoffeln jahrelang verweigerte. Nicht einmal Pommes kamen auf den Tisch.
Dann standen bei einem Essen bei Freunden plötzlich Ofenkartoffeln auf dem Tisch. Ein wunderbarer Duft nach Kräutern. Viele verschiedene Dipps. Und da wusste ich plötzlich, was mir gefehlt hatte.
Seitdem haben die die Kartoffeln wieder einen Platz in meiner Küche. Egal ob als Pell-, Salz- oder Stampfkartoffeln. Natürlich auch gebraten, als Puffer oder Salat.
Die Kartoffel ist einfach ein super leckeres und unglaublich vielseitiges Lebensmittel
Ich habe die Gnocchi gestern zusammen mit einem Freund nachgekocht. Statt überbacken gab es eine Tomaten-Basilikum-Soße (Zutaten natürlich alle frisch vom Markt). Leider hatten wir keine Zeit, die Kartoffeln richtig auskühlen zu lassen. Ich glaube deshalb brauchten wir deutlich mehr Mehl als du angegeben hast. Das Resultat war trotzdem sehr gelungen.
Vielleicht kannst du Elke mal fragen oder selber angeben, welche Konsistenz der Teig haben sollte?
Achso, und vielen Dank für all die guten (und studentenbudgetfreundlichen) Rezepte!
Uj, die Konsistenz von Gnocchiteig. Also. Sehr weich, leicht klebrig und irgendwie sehr “zerbrechlich”. Ich habe ihn wirklich nur ganz vorsichtig angefasst, weil er mir sonst so schnell zermanscht wäre. War eurer auch so?
Ich freue mich jedenfalls sehr, dass ihr es nachgekocht habt und dass es offenbar geschmeckt hat :)
Wir habens heute auch mal nachgekocht, sehr lecker! Ich glaube allerdings, meine Kartoffeln waren nicht mehlig genug, ich war mit der Teig-Konsistenz nicht recht zufrieden.
Wenn du möchtest, schick ich dir die Tage mal ein sehr schnelles, einfaches Rosmarin-Kartoffel-Rezept. Die Kochdauer ist nämlich einer der Hauptgründe, warum ich so selten Kartoffeln mache: Normalerweise koche ich, wenn ich Hunger habe. Da dauert mir die Erdäpfelzubereitung meist schlichtweg zu lang.