Lieber Herr W.,
wir kennen uns kaum, doch ich gehe in Ihrem Haus ein und aus. Dort wohnen nicht nur Sie, sondern auch Louis, Bernd und Flo. Und mit denen haben Sie als Vermieter oft Ärger.
Zum Beispiel wenn die Jungs Übernachtungsgäste haben. Freunde und Geschwister kommen gerne zu Besuch, manchmal bleibt ein Mädchen über Nacht. Ganz normal eigentlich. Sie aber finden es unerhört, dass die drei regelmäßig „Fremde“ aufnehmen. Jetzt haben Sie sich etwas ausgedacht: Jede Nacht, in der ein Gast in der WG schläft, kostet fünf Euro Extramiete. „Es geht ums Prinzip”, sagen Sie. Mal ehrlich, Herr W., Ihr Prinzip ist nicht nur illegal, es ist auch weltfremd.
Sie verlassen Ihre Heimatstadt fast nie – hier wurden Sie geboren, hier werden Sie sterben. Wenn Sie verreisen, schlafen Sie im Hotel. Wo sonst? Meine Generation sitzt dagegen ständig auf gepackten Koffern. Fürs Studium, Praktikum oder Gastsemester ziehen viele von uns um. Deshalb haben wir fast überall Bekannte, die wir besuchen können. Das lassen wir uns von keinem Vermieter nehmen – denn es spart Geld und macht Spaß. Glauben Sie nicht? Dann kommen Sie mich mal besuchen. Übernachtung und Frühstück sind für Sie kostenlos.
ZEIT Campus, Juli/August 2012


Du sprichst mir aus der Seele!
Denn es gibt nicht nur Herrn W. sondern auch Frau E. – und die kann das genauso gut!
An was sich Menschen alles stören können.
Gruselig. Die Strichliste des Herrn W. würde ich gerne mal sehen…
Jungs, passt bloß auf, dass es für ‘Damenbesuche’ keine Preiserhöhung gibt!
sehr schön!
Frau K. verlangte in Oberbayern doch glatt 10€ pro Nacht.
Ein typischer “Schausten” …
O-Ton: “”Hm, aber da hätten Sie natürlich auch sagen können: ‘Ich geb’ euch mal pro Nacht 150 Euro!’. Was spricht dagegen eigentlich?”"
Haha, ja, den hatten wir im Freundeskreis natürlich auch schon… Ich bin jedenfalls einmal mehr froh darüber, dass mein Vermieter 200 Kilometer entfernt wohnt.
Mehr Generationenkonflikt wagen!