Ich kann den Tag nicht mehr benennen, an dem ich die Pause-Taste gedrückt habe. Es muss irgendwann im April gewesen sein, als der Sommer erste Vorboten an den Bodensee schickte, mein letztes Studiensemester vor der Abschlussarbeit langsam ausfadete und um mich herum lauter barfüßige, fröhliche Menschen waren. An diesem Tag habe ich beschlossen, das mit dem Abschluss erst mal zu lassen und ein halbes Jahr lang gar nichts zu machen.
Die letzten Jahre waren eine rasende Fahrt, geprägt von Schule, Uni, Praktika und Journalismuskram. Ungemein abwechslungsreich, aufregend, voller Lehren und Erfahrungen. Ich habe keine Zeit verloren, im Gegenteil: Letztes Jahr hätte es mich noch verrückt gemacht, einen Sommer lang nichts zu tun zu haben. Es feuert mich an, immer unter Strom zu stehen. Aber die Erfahrung, den Strom einmal abzuschalten, tut mindestens genauso gut.
In den letzten Wochen habe ich unheimlich viel unheimlich gut gegessen. Ich war schaukeln und wandern und habe sechs Tage völlig Internetfrei mit Freunden an der Mosel verbracht. Ich habe mein Fahrrad und den Bodensee noch mehr schätzen gelernt. Langweilig wurde das trotzdem nicht – die „Klub Konkret“-Redaktion hält mich mit ihren spontan angesetzten Drehtagen ganz gut in Atem.
Und natürlich wird im nächsten halben Jahr nicht nichts passieren. Ich stelle vielmehr fest, dass einem, wenn man erst mal offen dafür ist, die abgefahrensten Sachen zustoßen. Plötzlich rufen hier Leute an… von denen ich noch gar nicht erzählen darf. Ich mache viel mehr Sport, schreibe wieder an ersten, kleinen Artikeln, fange an, Französisch zu lernen. Und wer weiß, was noch alles geschieht in den nächsten Monaten.
Wann hat man schon mal die Möglichkeit, einfach aus dem Alltag auszubrechen, lauter Dinge zu tun, auf die man immer schon Lust hatte, ohne Verantwortung und doch mit dem sicheren Netz Uni, in das ich am Ende des Jahres fallen werde? Ich glaube, diese Chance kommt so schnell nicht wieder.


Das freut mich, weil ich Deine Ausführungen sehr gut nachvollziehen kann. Und dennoch: Ich hör’ sie schon schreien, jetzt nehmen die Studierenden sich vom “stressigen” Studium auch noch Langzeiturlaub, gegönnt sei denen der Hohn, was Du tust ist wahrhaft wichtiger und eine Voraussetzung für die Lebenslust. Viel Erfolg und noch viel mehr Spaß dabei.
Hmm, ja, das ist ein Gedankengang, den ich durchaus nachvollziehen kann. Allerdings empfinde ich das Studium gar nicht als stressig. Es geht mir eher darum – und das merke ich schon jetzt -, dass das Nicht-Studieren mindestens ebenso viel mit und aus mir macht wie das Studieren. Nur eben auf ganz anderer Ebene.
Finde ich auch nachvollziehbar: Ich vermisse bei aktuellen Studienordnungen leider häufig die Möglichkeit das Studium selbst so zu gestalten, dass der Raum bleibt um sich nicht nur auf der einen oder der anderen Ebene zu entwickeln, sondern um sich ganzheitlich zu entwickeln. Ein Lob an alle, die sich das nicht nehmen lassen.
Ich hab grad ein wenig mit dir aufgeatmet :)
Mach das, solange du es noch kannst!
War mir bisher nicht klar, bist du in Konstanz?
Ganz dicker Gruß an meine Geburtsstadt!
Nein, ich bin auf der anderen Seite, in Friedrichshafen. Aber ich winke gleich mal rüber ;)
großartige entscheidung! ich habe noch auf magister studiert, da war das eh alles gechillter glaub ich… aber die gestressten mastermenschen um mich rum sollten sich mal ein beispiel an dir nehmen! naja, wenn man es sich leisten kann, vorausgesetzt.. find ick jut! :)
Gratuliere zur Entscheidung. Früher oder später rächt es sich, wenn man nicht auch mal einen Gang zurückschalten kann. Grüße von der anderen Seite des wunderschönen Sees.
Burnout mit 21? Bedenklich ;-)