
Neulich hat eine Dozentin erzählt, dass 90 Prozent der Jugendlichen in asiatischen Großstädten kurzsichtig seien. Das läge daran, dass die nie raus kämen, und wenn doch, sei ihnen die Sicht gleich durch ein Dutzend Hochhäuser verbaut.
Ich habe das mal recherchiert und weiß inzwischen, dass die Teenies in Shanghai und Tokyo tatsächlich kaum ihre Zimmer verlassen. Es ist aber weniger die eingeschränkte Sicht als das dauernde Lesen und Lernen, das ihren Augen schadet. Wichtig ist, dass das Auge regelmäßig zwischen naher und weiter Sicht wechselt.
Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Wann gucke ich schon mal so richtig weit raus, ohne, dass der Blick von irgendwas beschränkt wird? Die Antwort liegt so nahe, dass ich gar nicht gleich drauf gekommen bin. Genau genommen sind es keine 200 Meter, die meine Wohnung vom Bodensee trennen.
In den letzten zwei Jahren habe ich diesen See sehr schätzen gelernt. Wer hätte gedacht, dass es so gut tut, sich fünf Minuten an sein Ufer zu stellen und bloß zu gucken – in den Nebel, auf die Boote, oder, an den wirklich guten Tagen, bis in die Schweiz, wo von den Gipfeln im Moment schon der Schnee herüber blitzt.
Auch die Uni ist direkt am See, und es ist zum Ritual geworden, ihn nach jedem Mittagessen, jeder anstrengenden Klausur und dem einen oder anderen gelesenen Kapitel in der Bibliothek kurz zu besuchen. Dann stehen wir da, reden, flitschen Steine oder gucken einfach nur. Es macht den Kopf frei – und hält die Augen fit. 200 Meter bis zu diesem Ort. Was für ein Glück.


Also diesbezüglich habe ich kaum Probleme: Das Einzige, was mir beim aus dem Fenster Schauen die Sicht ein wenig einschränkt, sind Bäume und dass, obwohl ich in einer Stadt wohne, nämlich Graz. Und ehrlich gesagt müsste ich nur ca 50 Meter zu Fuß gehen, um eine wunderbare Aussicht über die halbe Stadt zu haben. Leider muss ich zugeben, dass ich diesen Weg schon viel zu lange nicht mehr gegangen bin. Danke für deinen Blogpost, er hat mich wachgerüttelt: Ich werde gleich einmal ein bisschen spazieren gehen :D
Es stimmt einen nachdenklich, wie kostbar solche eigentlich “einfachen” Dinge sein können, oder?
Ich bin dann immer eines: Zutiefst dankbar. Für Vieles.
(Ich will nicht die Moralkeule schwingen, es fiel mir nur so ein.)
Kann man um der Augen willen nicht einfach die Wolken angucken?
Das wäre doch auch eine Lösung.
Haha, ja, stimmt eigentlich – ich bezweifle nur, dass das den Leuten in Shanghai oder Tokyo helfen würde, bei dem ganzen Smog… :(
Wie Recht du hast, Eva!
Schaue auch gern aus den Hörsälen oder der Mensa auf den See.
Entspannt ungemein und wertet das Klima der Uni deutlich auf.