Nichts Neues von Naumann

Am Mittwoch war Dr. Michael Naumann zu Gast in meiner Uni. Der 69-jährige führt sein (Berufs-)Leben nach einer Formel, die ich sehr reizvoll finde: Er macht alle zehn Jahre etwas anderes. So war er Redakteur und Auslandskorrespondent für die Zeit (und später auch noch mal deren Herausgeber und Chefredakteur), Geschäftsführer des Rowohlt Verlags, Kulturstaatsminister und Spitzenkandidat der Hamburger SPD bei der Bürgerschaftswahl 2008. Seit ziemlich genau einem Jahr ist er nun Chefredakteur des „Cicero“, eines politischen Magazins aus Berlin, das so etwas wie der deutsche „New Yorker“ sein will.

Naumann sollte uns etwas über die Zukunft der Printmedien erzählen. Dazu gibt es aber langsam wirklich nichts Neues mehr zu sagen, und so sprach er auch noch über die Buchbranche, das Fernsehen und was ihm sonst so in den Sinn kam. Ein paar Sätze konnte ich mitschreiben.

„Als ich dann im Bundeskanzleramt landete, sagte Gregor Gysi zu mir: „Sie werden in den nächsten zwei Jahren keinen einzigen Roman lesen.“ Ich dachte nur: „Ossi.“ Aber Ossi hatte recht.“

„Ein Zeitungsverleger, der nicht klagt, ist keiner.“

„Die New York Times ist zweifellos die beste Zeitung der Welt.“

„Die Hoffnung, dass das Internet irgendwann mal für Verlage profitabel wird, halte ich für vage.“

„Warum bin ich Journalist geworden? Einer der Hauptgründe ist wohl: Eitelkeit. Deswegen gibt es auch verhältnismäßig wenig Frauen in dem Beruf – weil Männer allgemein eitler sind.“

„Große Reisen können Sie sich als Journalist abschminken, bei der Kostenstruktur der Verlage heutzutage. Das kriegt man alles übers Internet geliefert. Aber der Geruch fehlt.“

„Das öffentlich-rechtliche Modell steht auf ganz dünnem verfassungsrechtlichen Eis.“

„Studieren Sie Volkswirtschaft – nicht Betriebswirtschaft, das ist zu einfach. Das Land wimmelt von Betriebswirten, aber die Volkswirte erklären uns, was die Betriebswirte alles falsch gemacht haben.“

3 Kommentare

Du willst auch was sagen?
Kommentar schreiben

  1. Robert Kindermann sagt:

    Den letzten Satz find ich gut!

    Alle zehn Jahre etwas neues zu machen, finde ich auch gut. Bisher halte ich immer nur drei bis vier Jahre durch.

    Schöne Grüße
    Robert

  2. Eva Schulz sagt:

    Na, drei bis vier Jahre sind doch auch nicht schlecht – andere machen ein Leben lang das gleiche!

  3. Michael Windisch sagt:

    die volkswirte wissen noch weniger als die betriebswirte. das lernt man schnell, wenn man das studium beginnt.

Kommentar schreiben

Schenk mir deine Worte.