“Vermutlich bin ich für Sie eine gefallene Frau.” – “Du bist keine Frau.”
Seit Tagen läuft bei mir nichts anderes mehr als der wunderbare Soundtrack zu “An Education”. Er holt die schönen Pastellfarben, den funkelnden Schmuck, all den Glamour zurück, nach dem die Hauptdarstellerin sich im Film so sehnt – und den sie für kurze Zeit auch bekommt.
Es ist Anfang der 60er Jahre. Die 16jährige Jenny (Carey Mulligan) und ihre Eltern leben einzig und allein für das Ziel, dass sie eines Tages ein Studium in Oxford beginnen kann. Jenny spielt Cello, nur um im Bewerbungsgespräch ein Hobby angeben zu können, muss immer pünktlich um zehn ins Bett und bekommt zum Geburtstag – autsch – ein neues Lateinwörterbuch. Wenn sie der strengen Aufsicht ihres Vaters einmal entrinnen kann, raucht sie filterlose Zigaretten und hört französische Musik. Frankreich, das ist ihr großer Traum, er steht für Freiheit, Genuss, Lebensfreude und ist doch viel zu weit weg von den nass-grauen Londoner Vororten. Bis David auftaucht.
Der charmante Mann mit dem schicken Auto (Peter Sarsgaard) ist locker doppelt so alt wie sie, aber er interessiert sich für Kunst, für Musik, für Frankreich! Um Jenny ist es geschehen. Und zu ihrer Überraschung (und der des Publikums) auch um ihre Eltern: Mit seinen übertriebenen Komplimenten (“Du hast mir nicht gesagt, dass du eine Schwester hast, Jenny!”) und wüsten Geschichten überredet er sie immer wieder, Jenny “entführen” zu dürfen – in verruchte Bars, auf eine Hunderennbahn und schließlich nach Paris. Es ist die glitzernde Welt ihrer Träume, und erst spät erkennt Jenny, dass in dieser Welt nicht alles so ist, wie es scheint.
Das Drehbuch zu “An Education” hat “High Fidelity”-Autor Nick Hornby verfasst. Es basiert auf einem autobiografischen Artikel der Journalistin Lynn Barber. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass das Ende des Films eher seicht ausfällt. Als Zuschauer fragt man sich da wieder einmal, wie Filmemacher mit real-life-Vorlagen umgehen sollten: Ist es besser, wenn sie nah an der Vorlage bleiben und damit ein allzu erwartbares Ende in Kauf nehmen, oder sollten sie, ganz Quentin-Tarantino-mäßig, ruhig mal die Geschichte verdrehen und sie schön dramatisch machen?
Das ist auch schon alles, was ich an diesem Film kritisieren kann, und längst kein Hindernis, ihn mir bald noch ein zweites und drittes Mal anzuschauen. Die Musik, die Ausstattung und erst recht die Schauspieler sind einfach zu gut! Alfred Molina als strenger, ur-moralischer Vater hat hier eine ganz ähnliche Rolle wie in “Chocolat”. Und dass man die grandiose Rosamund Pike nicht öfter sieht, kann nur an ihrer makellosen Schönheit liegen, mit der sie bereits Keira Knightley in “Stolz und Vorurteil” zumindest streckenweise die Show stahl.
Dann ist da natürlich Carey Mulligan, die absolut zurecht schon jede Menge Preise für ihre Hauptrolle bekommen hat. Und auch, wenn sie den Oscar dieses Jahr vielleicht noch an Gabourey Sidibe (“Precious”) abtreten muss, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis sie selbst einen bekommt. Schade bloß, dass Peter Sarsgaard bei all dem Rummel um die junge Kollegin in den Schatten gerät – etwas, das ihm irgendwie ständig passiert, obwohl er ein so guter Schauspieler ist.
Jedenfalls: Wer Lust hat auf eine Mischung aus “Mona Lisas Lächeln” und dem “Miss Dior Cherie”-Spot von Sofia Coppola, sollte diesen Film nicht verpassen.








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Bis jetzt 2 Kommentare
Christoph 5. März 2010 um 20:31 Uhr
Wir haben den Film auch vor einigen Tagen angeguckt, aber ich muss sagen, dass er mir vor allem zum Ende hin definitiv zu seicht war. Da hätte man für meinen Geschmack durchaus ein bisschen mehr Furore machen können. Die Storys waren alle ein bisschen zu wenig angerissen – was wurde aus Graham? Und aus dieser Lehrerin? Aber gut war er schon, der Charme, der mit dem Film und mit den 60ern und überhaupt mitschwang, das gebe ich zu. Wenngleich euch Mädchen das immer ein Stück mehr zu packen scheint. (;
Eva 6. März 2010 um 14:24 Uhr
Ich fand es eigentlich ganz gut, dass nicht so gezwungen in alle Ecken auserzählt wurde. Es ging schließlich hauptsächlich um Jenny! Und kann man nicht eh davon ausgehen, dass sich weder im Leben der Lehrerin noch in dem von Graham viel ändert?
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