Wir müssen reden

14. Februar 2010 · 11 Kommentare

Manchmal, wenn mir langweilig ist, hole ich nochmal das Gurkenglas aus dem Schrank und versuche es zu öffnen. Ich liebe Gewürzgurken, aber es ist Wochen her, dass ich welche gegessen habe. Das blöde Glas geht einfach nicht auf! Doch das ist bisher der einzige richtige Nachteil, den ich am Alleinwohnen entdeckt habe. Ansonsten gefällt es mir sehr gut.

Da wäre bloß noch diese komische neue Angewohnheit, mit Gegenständen zu reden. Es ist ja sonst niemand in der Wohnung! Deswegen beschimpfe ich jetzt das Kopfkissen, wenn ich morgens aufstehen muss, und den Staubsauger, weil er ständig irgendwo aneckt. Ich rede mit dem Drucker, weil ich mich einfach nicht in den Duplexdruck reindenken kann, und lese meinem Telefon die Nummern vor, während ich sie ins Adressbuch speichere. Ich spreche zum Spiegel, meinem Kleiderschrank, dem Backofen. Und natürlich mit dem Toaster, dem es inzwischen wieder besser geht. Neulich war er sogar so gut gelaunt, dass er mein morgendliches Vollkorntoast ganz überschwänglich auf die Arbeitsfläche hat hüpfen lassen! Also scheint die, nunja, irgendwie belebende Wirkung, die diese Gespräche für mich haben, auf Gegenseitigkeit zu beruhen. Nur das Gurkenglas lässt sich leider nicht bequatschen.


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    Bis jetzt 11 Kommentare

    • sophie 14. Februar 2010 um 12:24 Uhr

      gurkengläser sind halt einfach introvertiert. übrigens bei mir auch duftölfläschchen mit kindersicherung. denen muss man ganz lang gut zureden, bis sie sich einem öffnen.

    • Christoph 14. Februar 2010 um 16:55 Uhr

      Du musst nur dafür sorgen das Luft unter den Deckel kommt – entweder brutal z.B. mit Hammer und Nagel ein Loch hinein – oder aber vorsichtig mit einem Schraubenzieher unter den Deckel und dann (vorsichtig!) hebeln.

    • Constanze 14. Februar 2010 um 18:10 Uhr

      Wenn du grade keinen Werkzeugkasten in der Küche rum stehen hast: Christophs Möglichkeit funktioniert genauso gut mit einem Löffelstiel. Du musst nur aufpassen, dass der sich nicht zu weit verbiegt ;-)

    • Max 14. Februar 2010 um 19:39 Uhr

      Statt kleinen Löffeln kann man auch die Zinken von kleinen Gabeln nehmen, die passen da wunderbar rein. (Und nicht zu sanft: Gewalt ist keine Lösung, aber ein Mittel.)

      (Hier sollte eigentlich ein Satz über die Großartigkeit von WGs stehen, aber irgendwie fällt mir keiner ein, der dich bekehren könnte. Dass WG-Partys die besseren Partys sind, ist ja allgemein bekannt, aber ich befürchte, das lockt dich nicht aus deiner Wohnung heraus.)

    • Eva 14. Februar 2010 um 21:50 Uhr

      Das mit dem Hebeln hab ich alles probiert, aber ich bin wohl doch zu sanft, wie Max schreibt… In München hab ich das Problem mal mit viel heißem Wasser gelöst, aber warme Gewürzgurken sind dann auch nicht so das Wahre. So warte ich halt, bis das nächste Mal ein starker Mann vorbeikommt, was hoffentlich bald ist.

      Und was die WGs anbelangt: Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, mit jemandem zusammenzuziehen, den ich vorher gar nicht kenne.

    • Fabrice Pi 14. Februar 2010 um 22:04 Uhr

      Statt Hebeln funktioniert auch Hämmern. Auf die obere Kante. Die Macken, die dabei oben entstehen, sind unten undichte Stellen. Wenn kein Werkzeug zur Hand ist, tut es der Griff eines großen Küchenmessers.

    • Max 15. Februar 2010 um 17:25 Uhr

      (Wenn der einmal angesprochene Konstanz-Trip im Frühling noch steht, dann kannst du notfalls das Glas ja mitbringen, falls es sich immer noch standhaft wehren sollte.)

      Zum Thema WG: In der Regel gibt es ja im Vorfeld eine Art WG-Casting, wo man grob prüft, ob man ungefähr auf einer Wellenlänge liegt. Und meistens findet man als Neu-WG-Bewohner auch erst nach einiger Zeit heraus, was man gerne anders hätte. Deswegen: Kann super werden, kann scheiße werden, meisten’s wird’s so mittel. Dafür hat man mit jedem Bewohnerwechsel die Hoffnung, dass es näher an das herankommt, was man sich erhofft.

    • BelleOnEarth 15. Februar 2010 um 20:41 Uhr

      Schöne Seite

    • Mone 17. Februar 2010 um 11:34 Uhr

      Wenn du den Gegenständen feste Namen gibst (z.B. Marwin, der Staubsauger), dann wird es erst bedenklich. ;)

    • Eva 17. Februar 2010 um 12:23 Uhr

      Soweit ist es zum Glück noch nicht gekommen! Aber gleich kommt ein Mann und baut in der Küche einen neuen Wasserspeicher ein. Vielleicht nenne ich ihn Bert.

    • Tina 17. Februar 2010 um 13:30 Uhr

      Frag’ den doch auch wegen des Gurkenglases! Viel Glück!

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