Archiv für Dezember, 2009

Redet mit uns – nicht über uns!

Zeitungen buhlen um junge Leser. Aber was sagt die Zielgruppe?

In Amerika wäre es ganz leicht, die Jugend wieder zur Zeitung zu bringen. Man müsste nur ein bisschen zahlen und den Darstellern in Teenie-Serien wie „90210“ oder „Gossip Girl“ regelmäßig die „New York Times“ oder den „San Francisco Chronicle“ in die Hand drücken. Was die Gossip Girls cool finden, finden auch tausende amerikanische Jugendliche cool – die Zukunft der Zeitung wäre gerettet.

Leider ist das in Deutschland nicht so einfach. Mal abgesehen vom Schleichwerbeproblem – das man ja noch durch eine gesetzliche Sonderregelung oder gar staatliche Subventionierung à la Frankreich umgehen könnte –, werden hier einfach keine guten, reichweitenstarken Jugendserien produziert.

Dabei geben sich die Zeitungen doch Mühe: Die „Süddeutsche“ unterhält mit „jetzt.de“ ein Online-Portal und eine extra Jugendseite, die „FAZ“ druckt im Rahmen von „Jugend schreibt“ Artikel von Schülern und dem „Rheinischen Merkur“ liegt regelmäßig das „junge Magazin“ „mercury“ bei. Trotzdem sind Leser zwischen 14 und 29 rar.

Keine Zeit für die Zeitung

In diese Altersgruppe gehören meine Freunde und ich. Ich habe im vergangenen Sommer mein Abitur gemacht, meine ehemaligen Mitschüler ziehen gerade um und fangen an zu studieren. Drei von ihnen haben eine WG in Berlin gegründet, wo sie Medizin, Design, audiovisuelle Medien studieren. Dass sie eine Zeitung abonnieren wollen, war für sie von Anfang an klar. Nach kurzer Diskussion entschieden sie sich für die „Süddeutsche“ – weil man zum Studentenabo ein vierteiliges Topfset dazubekommt und der Designstudent das „SZ Magazin“ nicht missen will, das er schon Zuhause immer gelesen hat, wo das Abo auf Papa lief.

In vielen WGs geht es allerdings so zu wie bei meinen Freunden in Aachen. Sie studieren Chemie, Wirtschaftsingenieurwesen und Kommunikationsdesign. Bei ihnen stand gleich fest: Die Tageszeitung wird eingespart. Julian, der Wirtschaftsingenieur, hat nicht mal einen Fernseher, auf dem er abends die Nachrichten schauen könnte. Er informiert sich ausschließlich per iPhone. „Da habe ich die Apps von SpOn, stern.de und Sport Bild installiert“, sagt er, das reiche völlig.

Julian ist nicht der Einzige, dem das Internet lieber ist. Kilian bekommt über seine Uni das E-Paper der „Zeit“ umsonst. Er könnte sich auch vorstellen, später mal einen E-Reader zu benutzen. Und Johanna hat neben dem Studium einfach nicht genug Zeit für die Zeitung. „Im Internet gibt es Tags, Kommentare, eine Suchfunktion, da kann ich viel schneller querlesen“, sagt sie. „Das geht auch während einer langweiligen Vorlesung.“

Es ist nicht so, dass diese Generation nicht mehr liest – im Gegenteil: Seit wir bloggen, twittern, chatten und ständig neue Statusmeldungen schreiben, gibt es sogar viel mehr zu lesen. Und wöchentlich oder monatlich erscheinende Magazine sind lange nicht so unbeliebt wie Zeitungen. Dafür geben wir gern Geld aus, auch, wenn es nicht um Unterhaltung, sondern um Information geht. Ich erinnere mich an viele Freistunden im Oberstufencafé, in denen der künftige BWLer in der „Wirtschaftswoche“ blätterte und unter den Naturwissenschaftlern das „Bild der Wissenschaft“ herumgereicht wurde. Wir kaufen diese Magazine, weil dort Themen, die uns wirklich beschäftigen, gut aufbereitet werden – und wir uns als Leser ernst genommen fühlen.
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Was ich nach weiteren 9 Wochen über München gelernt habe

  1. Die verstehen hier wirklich was von Weihnachten.
  2. Im Ludwig Beck gibt es die tollste Papeterie und bei Dallmayr die tollste “Food Hall”.
  3. Meyerbeer Coffee am Rindermarkt

  4. Die allerbesten, allergrößten, allerschokoladigsten Schokomuffins gibt es immer noch bei Meyerbeer Coffee am Rindermarkt.
  5. Die Münchner sind ein unheimlich stylisches Volk. Sie sind die besten, wenn es darum geht, die Moderegeln zu befolgen, aber richtigen Modemut haben sie keinen.
  6. Bahnfahren macht hier, selbst wenn es Probleme gibt, viel mehr Spaß. Oder zumindest viel weniger keinen Spaß. Wenn man mal minutenlang im düsteren Untergrund stehen bleibt, bekommt man zum Beispiel minütlich Infos über den aktuellen Stand: “Entschuldigung, in ein paar Minuten gehts weiter… Der Kollege vor uns hat ein Problem mit den Türen… Der Kollege muss jetzt den Zug räumen… Jetzt sinds nur noch ein paar Sekunden!”
  7. Es gibt hier keine Schokobrötchen, nur anders geformte Schokocroissants, die Schokobrötchen genannt werden, zusätzlich zu den normal geformten Schokocroissants. Wenn überhaupt.
  8. München ist vermutlich die einzige Stadt Deutschlands, in der sich die “Stillen Verkäufer” für Zeitungen rentieren.
  9. Es! heißt! nicht! Brezel!

Kathi packt ein: Buch im Beutel

In der Miniserie zeigt jetzt.de-Verpackungskünstlerin Kathi, wie man Geschenke schön einpackt. Von den Keksen bis zur Kette!

jetzt.de, 18. Dezember 2009

Der wilde Hype um die Kerle

Von „500 Days of Summer“ bis „Fantastic Mr. Fox“: Der Internet-Hype um (vermeintliche) Indie-Filme ist so groß, dass sie gar nicht mehr anders können als zu enttäuschen. Leider ist das auch bei „Where the Wild Things Are“ so.

Where the Wild Things Are

“I’m still anxiously awaiting the opportunity to see ‘Where the Wild Things Are’ – because I believe Spike has created something endearing, and potentially edgy, and I want to see what he has been able to do with such a beloved children’s story.” Das schrieb Alex Billington im November 2008 in dem amerikanischen Kinoblog firstshowing.net. Wann der Film, von dem er da sprach, erscheinen sollte, stand damals noch nicht mal fest. Tatsächlich dauerte es noch fast ein Jahr.

Trotzdem war der Hype um „Where the Wild Things Are“ schon damals riesig. Immerhin ging es um eines der beliebtesten Kinderbücher der Welt, das seit jeher großen Tumult verursacht hat. Die Geschichte von Maurice Sendak handelt vom kleinen Max, der von seiner Mutter ausgeschimpft wird und sich daraufhin in eine Fantasiewelt flüchtet. Dort wohnen die wilden Kerle, sieben große, fürchterliche Monster. Max schafft es, die Kerle zu zähmen und ihr König zu werden.

Als das Buch 1963 erschien, wurde es stark kritisiert: Die Bilder seien zu gruselig, die Geschichte zu schwach und überhaupt viel zu wirr. Dennoch bekam der Autor viele Preise, und die außerordentlich guten Verkaufszahlen sprachen für sich.

Die Aufregung war groß, als 2006 ausgerechnet der Indie-Regiesseur Spike Jonze („Being John Malkovich“, „Adaption“) mit den Dreharbeiten begann. Wie sollte es ein Buch, das gerade mal zehn Sätze und 40 Seiten lang war, auf Spielfilmlänge bringen? Wie wollte Jonze die fremde Welt der wilden Kerle gestalten, wie sollten sie überhaupt zum Leben erweckt werden, die Monster mit den „fürchterlichen Krallen“, die so „fürchterlich brüllen“?

In Blogs und Foren kursierten fortan die wildesten Gerüchte, die noch zusätzlich befeuert wurden von schlechten Nachrichten der Produktionsfirma: Das Testpublikum reagierte schlecht, es musste nachgedreht werden, zwischenzeitlich soll Jonze sogar mal gefeuert worden sein.

Dann erschien im vergangenen März – mehr als ein halbes Jahr vor Kinostart – ein erster Teaser zum Film. Jetzt war klar, dass es einer dieser Indie-Kultstreifen werden würde: Er hatte gute Musik, ein selbstgemacht anmutendes Kritzel-Artwork und den Kultstatus der Buchvorlage im Rücken. Der Teaser schwappte durchs Web wie eine große Welle, die immer noch mehr Fahrt aufnimmt. Im August – noch drei Monate bis zur Premiere – kam der richtige Trailer, ein erstes Soundtrack-Schmankerl von Yeah Yeah Yeahs-Frontfrau Karen O erschien bei MySpace, Posterentwürfe kursierten in der Blogosphäre. Auch der Regisseur selbst fing an zu bloggen. Er zeigte Videos von der Produktion und veranstaltete einen „Fan Art Contest“, bei dem es eine „Where the Wild Things Are“-Skateboard-Edition zu gewinnen gab. Die Erwartungen an Jonze und sein neuestes Werk stiegen ins Unermessliche.

Der Trailer zu „Where the Wild Things Are“:

Als der Film am 16. Oktober endlich in den USA anlief, war es daher schon keine Überraschung mehr, dass er gleich am ersten Wochenende 32,7 Millionen Dollar einspielte. Aber war der Hype gerechtfertigt?
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Kathi packt ein: Schmuck mit Schleife

In der Miniserie zeigt jetzt.de-Verpackungskünstlerin Kathi, wie man Geschenke schön einpackt. Von den Keksen bis zur Kette!

jetzt.de, 11. Dezember 2009
sueddeutsche.de, 15. Dezember 2009