Kopf zwischen Sterne

13. Juli 2009 · 3 Kommentare

An so sternklaren Abenden wie dem heutigen denke ich oft an die Nacht, die wir vor ein paar Wochen in der Sternwarte verbracht haben. Ich wollte da schon seit einer Ewigkeit mal hin, und bezeichnenderweise hat es erst nach dem Ende meiner Schulzeit geklappt.

Die Sterne und ihre gesamte Wissenschaft waren für mich immer eines von diesen Feldern, die man in der Schule so gut wie gar nicht kennenlernt. Darum muss man sich selbst kümmern, und es gibt hunderte und aberhunderte Themen, bei denen das ebenso ist. Deswegen mag ich es nicht, wenn Leute behaupten, zum Zeitpunkt des Abiturs sei das Allgemeinwissen, über das man verfügt, am größten. (Ja, diese Leute gibt es tatsächlich!) Für mich ist das Abitur bloß Allgemeinwissen, das andere in einen reingestopfen. Es ist sozusagen das Fundament, der Boden von einem riesengroßen Loch, in den noch viel mehr Allgemeinwissen reinpasst. Nur muss man den Rest selbst in sich reinstopfen, und ich habe mir vorgenommen, das zu machen.

Das tolle an diesem Rest-Allgemeinwissen ist, dass man es auf so viele verschiedene Wege erlangen kann. Man muss nicht immer nur Bücher wälzen oder Fernsehdokumentationen anschauen (obwohl das auch super ist, weil es so schnell geht und man IMMER was lernt, wenn man nur gerade empfänglich dafür ist (Kennt ihr diesen hyperempfänglichen Modus, diesen Moment, in dem man unbedingt was Neues lernen und einfach IRGENDEINE Doku angucken will, egal, worum es geht?)), man kann auch in eine Galerie gehen oder einen Imker besuchen oder eben eine Sternwarte.

In meiner kleinen Stadt gibt es eine ganz kleine Sternwarte. Sie hat nur einmal die Woche geöffnet, immer donnerstags. Und dann auch erst nachts, und allein das ist ja schonmal riesig aufregend. Was sonst hat schon tagsüber die ganze Zeit geschlossen, um dann mitten in der Nacht ein paar Stunden der ganzen Welt offenzustehen?

Die Nacht, in der wir rausfuhren zur Sternwarte, war ganz überraschend eine klare. Eigentlich waren Wolken und Regen gemeldet worden. Entsprechend überrascht waren auch die beiden Männer, die in der düsteren Kuppel herumwerkelten, als wir die schmale, eiserne Treppe heraufgestapft kamen.

In dem kleinen, runden Raum mit dem drehbaren Loch in der Decke stand ein einziges, sehr wuchtiges elektronisches Teleskop. In die Wand war ein Fach eingelassen, in dessen schummriger Beleuchtung man aufgeschlagene Astronomiebücher, eine Kamera und fremde Gerätschaften erkennen konnte.

“Da kommt ja doch noch jemand!”, begrüßten uns die zwei Männer fröhlich. Ich weiß bis heute nicht, wie die beiden aussahen, weil es die ganze Zeit so dunkel war. Der Eine trug eine Lampe auf der Stirn, die seine wild abstehenden Haare anleuchtete. Die beiden waren richtige Sternenfreaks, wie man sich das so vorstellt.

Sie fingen gleich an, uns ein paar Vorzeigeobjekte (fürs ungeübte Auge…) zu erklären. Wir sahen Kugelsternhaufen, Sternbilder und einzelne Sterne. Die beiden Sternenfans überschlugen sich dabei manchmal vor Ideen (“Jetzt mach mal den N13, der ist heute gut zu sehen!” – “Nein, nein, der Saturn!”). Wenn sie sich auf ein Objekt geeinigt hatten, gaben sie über eine kleine Tastatur einen Code ein, und das Teleskop richtete sich automatisch darauf aus.

Wir lernten ziemlich schnell, wie man das Auge “groß macht”, um die Sterne möglichst gut zu erkennen, und konnten nach einer halben Stunde sogar mit bloßem Auge die Farben der Sterne unterscheiden.

Die beiden Männer beantworteten geduldig jede unserer Anfängerfragen und fanden wunderbare Vergleiche, um alles zu erklären: “Diese Kugelsternhaufen sind eigentlich wie so ein Whirlpool, und die Hitze der Sterne erkennt man an den Farben, wie beim Bunsenbrenner: Rot heißt heiß, blau heißt noch heißer.”

Mitgenommen habe ich aus dieser Nacht neues Allgemeinwissen, und zwar genau in der Form, wie ich es haben wollte: Ich muss nicht en detail wissen, wie all die Sterne heißen und wie dieses monströse Teleskop funktioniert. Aber ich weiß jetzt, dass großer Bär und großer Wagen im Grunde das gleiche sind, und dass man das Ganze in Afrika noch viel besser erkennen kann (weniger Smog). Ich sehe den Himmel jetzt nicht mehr in schwarz-weiß, sondern in Farbe.

Zum Schluss rieten uns die Sternenfreunde noch, demnächst wiederzukommen, wenn der Skorpion da ist. Der sei ein richtiges Highlight. Dann ziehen wir vielleicht wieder raus in die Nacht, zu den Sternenfreaks, an einem Donnerstag. Möchte noch jemand mit?


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    Bis jetzt 3 Kommentare

    • Steffi 14. Juli 2009 um 17:11 Uhr

      ich! nimm mich mit! ich will auch farbige sterne sehen. wenn wir sonst nachts auf michaels riesentrampolin im garten liegen, sehen die sterne irgendwie immer alle gleich aus..

    • Eva 15. Juli 2009 um 13:41 Uhr

      Ej, aber hallo: Riesentrampolin! Da dürfen die Sterne ruhig schwarz/weiß sein! (:

    • Steffi 16. Juli 2009 um 23:42 Uhr

      nimm mich mit zur sternwarte, ich nehme dich mit zum riesentrampolin. abgemacht?

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