Tomte im Konzerthaus Dortmund am 25.9.

26. September 2008 · 3 Kommentare

Thees Uhlmann ist eine harte Sau. Das denke ich jedes Mal, wenn ich ihn so auf die Bühne kommen sehe, und jedes Mal weiß ich spätestens zwei Lieder später: Er ist auch ein großer Poet. Einer, der sich wie ein Kind darüber freut, unplugged in einem Konzerthaus zu spielen, das noch dazu mitten in Dortmunds „subkultureller Fußgängerzone“ liegt, wie er es nennt.

Auf der Bühne trinkt Uhlmann Wasser, Bier und vor allem Wein quer durcheinander, mokiert sich darüber, dass er der einzige Rockstar sei, der eben dafür ausgelacht werde. Von den ganzen „Schlauis“ im Tomte-Publikum, die gegen die Band denken statt mit ihr. Wäre er ein Rapper, sagt er, er wäre der einzige auf der Welt, der sich selber disst.

Wenn man Thees Uhlmann so erzählen hört, zwischen den großartigen musikalischen Darbietungen seiner immer bunteren Band, dann wünscht man sich, dass er eine Kolumne schreiben würde, ein öffentliches Tagebuch, oder warum nicht gleich einen Roman. Ich würde ihn auf der Stelle kaufen.

Und doch ist es ein anderes Bandmitglied, in das ich mich aufs Neue verliebt habe, das aus dem Schatten Uhlmanns charmante Pfeile ins Publikum schießt und es so für sich gewinnt: Simon Frontzeck. Als wir ihn vor gut einem Jahr zum ersten Mal mit Tomte sahen, war er noch aushilfsweise dabei, wenn ich mich recht erinnere. Sein breites Grinsen legte er das ganze Konzert über nicht ab. Der Typ war genau da angekommen, wo das Glück war, und schien es immer noch nicht fassen zu können. Das habe ich jemandem noch nie so deutlich angesehen.

Das Wunderbare ist: Dieses Grinsen hat er nicht verloren. Und das, obwohl er inzwischen als Mann für die Tasten festes Bandmitglied ist. Wobei man am „Mann“ jedes Mal wieder zweifeln möchte – weil er immer noch so aussieht, als hätte er gerade das Abi bestanden und wäre jetzt der Praktikant der Band. Kein Wunder also, dass Thees Uhlmann ihn „eine Mischung aus Harry Potter und Keanu Reeves“ nennt – und dafür einen Mittelfinger erntet.

Aber selbst das sieht noch süß aus von dem Jungen, der binnen eines Konzertes – und gern auch mal innerhalb eines Liedes – Flügel, Orgel, Melodica und Xylophon bedient. Wenn er die spielt, ist das so leidenschaftlich und so gut. Und dann dreht er sich um, legt die Füße auf die Monitorbox und schirmt mit der Hand die Augen ab, um das Publikum erkennen zu können. Da ist es um mich geschehen.

Trotzdem darf man und möchte ich nicht vergessen, dass Frontzeck nur einer von sechs Leuten ist, die diese Band so besonders machen. Alle zusammen fabrizieren sie eine Musik, die die inspirierendste und ehrlichste ist, die man in Deutschland hört. Warum also sollte man nicht ewig grinsen, wenn man bei so etwas mitmachen kann?

Und überhaupt: „Harry Potter kann zaubern, und Keanu Reeves ist in der MATRIX“ – was will man mehr?!


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