In Brüssel spricht man Französisch.
Wir haben dort gelernt, dass man eine neue Stadt vielleicht nicht zuerst an einem Sonntag besuchen sollte. Sonntags hat alles zu und die Brüsseler sind nicht da. Stattdessen nur viele Touristen, denen es womöglich ähnlich geht wie uns: Sie fragen sich, was sie hier eigentlich sollen.
Wenn man gerade keine Lust auf EU-Politik hat und man dem Reiseführer vertraut, der sagt, dass das Atomium zu unspektakulär ist, als dass sich der Weg bis raus aufs Expogelände lohnen würde, dann ist man an einem Sonntag in Brüssel erst mal ratlos.
Wir hatten Glück: Mit unserem im Supermarkt zusammengestellten Picknick landeten wir im Parc de Bruxelles, wo gerade ein Konzert stattfand. Vier Sopranistinnen sangen berühmte Operetten und wir lutschten Ananas und genossen französisch anmutende Schokocroissants. Das war sehr schön.
Ganz in der Nähe des Parks stießen wir auf das BOZAR, das Museum der schönen Künste. Und dort gibt es im Moment eine Ausstellung, für die es sich lohnt, nach Brüssel zu fahren: Im Rahmen von „It’s not only Rock’n’Roll Baby!“ stellen berühmte Musiker, die nebenbei auch als Künstler arbeiten, ihre Werke aus. Darunter zum Beispiel Yoko Ono mit einer großen, interaktiven „Wunschbaum“-Installation und die berühmt-berüchtigten blood paintings von Pete Doherty – die tatsächlich ziemlich beeindruckend sind. Mir haben außerdem die sehr minimalistischen Zeichnungen von David Byrne und die blumigen Bilder von Riceboy Sleeps gefallen. Und die Möglichkeit, einmal ein Schneckenhaus zu betreten, die einem Kyle Field am Ende der Schau bietet!
Die Ausstellung ist noch bis zum 14. September im BOZAR zu sehen, das übrigens auch an der Aktion „1 Euro Museum“ teilnimmt. Wer nach diesem Erlebnis noch nicht inspiriert genug ist, sollte einen Blick in den neueröffneten Museumsshop werfen, in dem es viele verrückte Produkte und einzigartige Postkarten zu erstehen gibt.

Brüssel verlassen, ohne Schokolade gegessen zu haben, das geht natürlich nicht. Für die Rückfahrt haben wir uns eine Packung belgische Schokotoffees gekauft: „Chokotoff“ (mit dem Elefanten auf der Verpackung) schmeckt eigentlich wie Storck-Riesen, hat aber einen deutlich karamelligeren Nachgeschmack. Gibts in jedem Supermarkt und ist deswegen auch billiger als die Schokolade, für die das Land eigentlich berühmt ist.



Antwerpen war gigantisch schön. Was machen wir hier nur in Brüssel, aber tausend Dank für Deinen Tipp mit dem BOZAR. Euer Brüssel-Urlaub hat sich für uns ja auch ziemlich gelohnt.
Wir lassen unseren Stadtführer im Koffer und gehen heute bei Nacht, mit erhobenem Haupt und natürlich mit der Kamera zum Atomium, das bei Nacht sicher beeindruckend ist.
Und in der Tat, Brüssel am Sonntag war wirklich mal … ein Aha-Effekt.