Ich liebe Post – und Postbotin wollte ich nun wirklich immer schon mal sein. Nur ein Mal, zum Ausprobieren! Ich stellte mir das sehr romantisch vor. Den Menschen ihre Briefe bringen, mit dem ein oder anderen ein kurzes Gespräch haben, und das bei Wind und Wetter. Mit dem Rad natürlich – hält nebenbei noch super fit!
Wie praktisch, dass meine Freundin Steffi während der ersten Ferienwochen als Aushilfe für einen Kurierdienst arbeitet. Jetzt, wo sich das Postmonopol allmählich in Luft auflöst, kommt so etwas sogar in unseren abgelegenen Landkreis, und jetzt, wo wir alle Ferien haben, kann ich einfach so mal einen Morgen mitfahren.
Das mag ziemlich verrückt klingen – in den Ferien so früh aufzustehen, um sich mitten im Industriegebiet zuerst einmal zum Briefesortieren zu treffen. Aber allein das war schon ziemlich lustig. Mein mathematisches Gedächtnis ist nämlich bereits vor einer Woche in einen recht tiefen Schlaf gefallen, und da fiel es gar nicht so leicht, die vielen Umschläge erst nach Straßen und schließlich nach Hausnummern zu ordnen: 49 bis 61, aber nur die ungeraden! Und 55 bis 46. Und dann noch 2a bis 18, aber da nur die geraden! Die einzelnen, hoch und runter sortierten Umschläge wurden straßenweise mit Gummibändern zusammengefasst und dann hat Steffi sie dem Routenplan nach in große blaue Boxen eingeordnet.
Für die hat sie auch extra ein ganz schweres, breites, fürchterlich quietschendes Briefträgerfahrrad. Allerdings ein silbernes, nicht gelb! Mit einem Ständer, den man unter dem Lenker so nach vorn klappt. Dann hat das Rad auf einmal vier Räder und rollt gern mal bis zur nächsten Doppelhaushälfte, während Steffi schnell zu den Briefkästen springt. Ich durfte die Briefe für die größeren Hauptstraßen übernehmen und bin dort mit meinem Rad von einem Haus zum nächsten geflitzt.
Leider ist das Postverteilen nicht ganz so spektakulär, wie ich es mir vorgestellt hatte. Nur wenige Menschen sind vormittags überhaupt Zuhause. Einmal kam mir eine Frau entgegen aus ihrem Haus. „Haben Sie etwas für mich?“, fragte sie, und ich sagte: „Für Pöschl.“ – „Das bin ich!“, rief sie. Ich war mir nicht sicher: „Aber für Frank.“ – „Das bin ich auch!“
Ansonsten begegnet man vielen Hunden. Und tatsächlich: Sie kläffen (meistens sind es ganz kleine) oder bellen (einmal waren es zwei Schäferhunde) sich die Seelen aus dem Leib. Huu! Zum Glück haben solche Haushalte ihre Briefkästen außen am Zaun angebracht. Wenn überhaupt. Manche Häuser haben nämlich gar keinen! Dann habe ich erst mal Steffi gesucht. Dazu musste ich nur ein wenig die Straße abfahren und hören, hinter welcher Ecke es schrecklich quietschte. Dort fand ich sie meistens in einer Seitenstraße. Oder zumindest ihr Postfahrrad, das da vor sich hin rollerte. Auf die Problemumschläge schrieb Steffi immer tolle kryptische Sachen wie „kein BK“ oder „Ad 160“, und packte sie wieder ein.
Übrigens: Am schlimmsten sind diese Briefkästen mit Pelz oder Bürsten innen drin! Die gibt es oft in Seniorenhaushalten. Das fühlt sich an, als würde man in einen Staubsauger fassen. Falls ihr so einen habt, denkt mal über einen Wechsel nach.
Briefträgersein ist auf jeden Fall ganz schön anstrengend. Dieses ewige Auf- und Absteigen! Einmal kam uns eine Briefträgerin entgegen, von der Post. Wir, die wir von der bösen Konkurrenz entsandt worden waren, duckten uns weg – aber da wurde mir noch einmal klar, dass diese Leute eigentlich einen ziemlichen Knochenjob machen. Vor allem, weil man nach einigen Stunden wirklich einen Riesenhunger bekommt. Ich war jedenfalls froh, als schließlich alle Briefe ausgetragen waren. Steffi machte sich auf den Weg zurück zur Zentrale, um ihr Rad zurückzubringen, und ich fuhr nach Hause. Auf dem Heimweg fragte ich mich, ob ich das noch einmal machen würde. Da fing mein Fahrrad an zu quietschen.


Es gibt Briefkästen mit Bürsten? Ich glaube da habe ich bisher was verpasst.
Ach.. sei froh!
Ich frage mich, wofür diese Bürsten sind. Regenschutz? Oder ein Imperativ gegen die dreckigem Fingernägel der Briefträger?
ich fahr nachts schon mal e-mails aus
mit nem kumpel, macht auch spaß.
wenn man sich da nur nicht immer so klein machen müsste.
Apropos kleinmachen: Wer ist überhaupt darauf gekommen, Briefschlitze knapp über dem Boden anzubringen? Das ist doch doppelt blöd – für den Empfänger und den Briefträger. Tzz!
Naja, wenn es nur ein Briefschlitz (ohne Kasten dahinter) ist, ists für den Empfänger ja schnurz – die Post liegt auf dem Boden. Und eine geringere Fallhöhe kann hier ja nicht schaden, auch wenn die Sendungen schon eine ziemlich rauhe Tour hinter sich haben. Solche Schlitze sind aber glaube ich gar nicht mehr “in”. Gibt ja bei Neubauten (Mehrparteienhaus) nur noch Kästen im Eingangsbereich, und auch sonst wohl eher aussterbende Restbestände, oder? Und in so Altbauten wie bei mir mit besagtem Briefschlitz würde mich als Briefträger dieses rauf und runter latschen der 5-6 Stockwerke mehr schlauchen als das relativ leichte Bücken. Alles in allem sicher nicht mehr der romantische Beruf der es vielleicht mal war – große, wechselnde Touren, Zeitdruck, “Prozessoptimierung” durch Einsparungen… Ich bekomme trotzdem gerne Post :)