Die einen besuchen sie neun, die anderen zwölf Jahre: Die Schule prägt uns ein Leben lang. Eva Schulz steckt noch mitten drin im Leben zwischen Lehrerzimmer, Spickerschreiben und Banknachbarn. In unserer neuen Kolumne beschreibt sie, was das Schulleben ausmacht. In der ersten Folge widmet sich Eva den Liebespaaren, die sich in der Schule finden

Früher war alles so einfach: War der richtige Zeitpunkt gekommen, schickte man die beste Freundin zu dem Jungen, der nun mal der Süßeste, Lustigste, einfach Auserwählteste war und sie machte dann aus, ob man von jetzt an miteinander ging. Oder eben nicht. Meistens ging das eher gut aus und meistens passierte danach nicht mehr viel. Man fragte sich nach den Hausaufgaben oder nach der Uhrzeit, und hinter dem Rücken kicherten die Mitschüler.
In Zeiten der Oberstufe aber läuft das viel schleppender. Sowieso gibt es da deutlich weniger schulinterne Pärchen. Entsprechend spärlich vorhanden sind auch die Gerüchte, die einer solchen Partnerschaft üblicherweise vorausgehen. Wenn es aber doch mal wieder heißt: „Resa und Martin kommen wirklich gar nicht mehr voneinander los“ und die beiden werden sogar vom Lehrer wegen ihres ständigen Gequatsches ermahnt, dann dauert es nicht mehr lange, und die Stufe hat ein neues Liebespaar. Diese Liebespaare kann man grundsätzlich drei verschiedenen Gruppen zuteilen:
1. Die Knutscher
Sie stehen auch nach dem Klingeln am Ende der Pause noch mitten auf dem Hof zum Dauerküssen. Gerne unter Beobachtung der Fünfer, die scheinheilig grinsen oder so tun, als suchten sie ihren Tennisball. Die Knutscher können auch während des Unterrichts nicht die Finger voneinander lassen und sind immer gleichzeitig krank.
Durchschnittliche Überlebensdauer der Beziehung: zwei Wochen bis drei Monate.
2. Die Normalos
Sie halten Händchen während der Pausen und bearbeiten Projekte bevorzugt zusammen. Weil man aber auch nicht alles gemeinsam machen muss und die beiden auch nicht immer alles miteinander machen, entsteht bisweilen der Eindruck, dass sie irgendwie gar nichts voneinander wissen. Sie scheinen sich manchmal fast gar nichts voneinander zu erzählen – obwohl sie soviel Zeit miteinander verbringen. O-Ton: „Resa, die sammeln ja das Kopiergeld heute ein!!! Davon hast du mir gar nichts gesagt!“
Durchschnittliche Überlebensdauer der Beziehung: zweieinhalb Jahre.
3. Die Heimlichen
Sie wollen auf jeden Fall eines: Nicht zusammen sein. Zumindest in den Augen der Schülerschaft. Also halten sie sich möglichst nie im selben Raum auf, übersehen sich gegenseitig und vermeiden gleiche Fächerwahlen. Manchmal allerdings können sie nicht anders und streifen einander im Vorbeigehen. Das führt meistens dazu, dass sie vom wirklich heimlichen Paar zum heimlichen Paar werden, von dem alle wissen.
Durchschnittliche Überlebensdauer der Beziehung: geheim.
Eigentlich ist das doch echt schön, wenn man mit der Herzdame oder dem Herzensjungen zusammen zur Schule geht. Man sieht sich jeden Tag und kann die Hausaufgabenlast gemeinsam bewältigen. Er versteht ihren Frust wegen des blöden Sportlehrers und sie seinen Hass auf die feministische Biolehrerin. Schlimm wird es allerdings, wenn eine solche Beziehung ihre maximale Überlebensdauer erreicht hat und die Trennung ansteht. Denn danach läuft man sich trotzdem noch ständig über den Weg. Man muss eine neue Beschäftigung für die Pausen finden und jemanden, der den Sitzplatz mit einem tauscht. Wenn es ganz hart kommt, findet der oder die Ex auch noch jemand Neues unter den Mitschülern und man wird unfreiwilliger Beobachter des fremden Glücks. Tag für Tag.
Spätestens dann sehnt man sich zurück in die sechste Klasse, als alles noch so einfach war. Damals wunderte man sich ja schon, weil er sich bereits seit drei Tagen das Radiergummi nicht mehr ausgeliehen hatte. Es dauerte nicht mehr lang und sein bester Freund kam und teilte mit, dass man ab jetzt nicht mehr miteinander ginge.
Widerworte? Nachfragen? Zwecklos.
Und in einer Woche kommt eh ein anderer bester Freund vorbei.
Jetzt.de, 8. März 2007



Dachte ich es mir doch, als ich beim Querlesen bei suddeutsche.de an “…Schulzeit. Eva Schulz steckt noch mittendrin…” hängenblieb.
Glückwünsche!
das hast du gut beobachtet liebe eva! schleppend ist das richtige wort! bei uns gibt es eigentlich viele schulinterne pärchen.
Oha, weißt du denn, was der “richtige” Schulmädchenreport war? Der hat nicht ganz damit zu tun, was du beschreibst :)
der olaf denkt wieder nur an das eine. das wird schon noch passen (;
Ging mir aber auch so. Ich hab wirklich eine Weile gebraucht, bis ich gemerkt habe, dass die Übereinstimmung nur Zufall ist ;-).
Glückwünsche auf jeden Fall!
diese assoziation hatte ich auch erst!
deshalb lesen das wahrscheinlich auch so viele ;-))
Ui eine Kolumne!
Bei uns gibt es übrigens furchtbar viele schulinterne Pärchen und irgendwie ist auch fast jeder mit irgendwem oder irgendwas liiert.
Tolle Kolumne, macht Spaß sie zu lesen. Sagst du jetzt immer Bescheid, wenn es bei jetzt.de etwas Neues von dir gibt?
mit irgendwas liiert, kathi? mit dem bildwerfgerät? dem pausenhof?
mit einem cowboy zum beispiel
aha
Sehr schön, Eva! Natürlich habe ich ein Abo von dir.
Nur fehlen meiner Meinung nach die, die eigentlich nur zufällig auf derselben Schule sind und das eigentlich auch gar nicht wollen, und jetzt versuchen, ihre alltagstaugliche Beziehung erfolgreich durch die Schule zu bringen.
Eine uns bekannte Dame wurde übrigens gut ein halbes Jahr nach dem Verschwinden ihres Freundes in ein fernes Land von einer Mitschülerin gefragt, wo denn ihr Freund sei, irgendwie habe sie den die ganze Zeit kaum noch gesehen…
PS: Natürlich habe ich an dich gedacht. Ich hege ja immer noch die Hoffnung, dass wir uns beim diesjährigen BSC mal sehen. :)