Tag Zwei – Seife und Senkel

In dem (sonst sehr tollen) Hostel, das ich bewohne, gibt es keine Seife und natürlich bekomme ich Sonntag Abend nirgendwo welche. Auch am Montag muss ich noch darauf verzichten, weil ich mich an jeder Ecke neu verlaufe und der einzige Drogeriemarkt, den ich schließlich finde, dann schon zu hat. Stattdessen ziehe ich an diesem Abend die Schnürsenkel aus meinen Schuhen und bekomme sie wegen ihrer ausgefransten Enden nicht mehr wieder hinein. Also schreibe ich für Dienstag auf meine Liste: Seife und Schnürsenkel.

Zum Glück habe ich ein zweites Paar Schuhe dabei, mit dem ich am folgenden Morgen durch den FRISCHEN SCHNEE stapfe. In der Mittagspause will ich einem großen Sportgeschäft die Seife die Senkel kaufen, aber sie sind aus. Stattdessen begegne ich dort einer Schauspielerin, die meines Wissens gerade eine Comedyserie für einen Privatsender macht. Ich kenne sie noch auf einem öffentlich-rechtlichen Jugendprogramm. Im nächsten Laden finde ich endlich, was ich suche.

Abends, nach dem Verlassen der Redaktion, stellt sich der erste Durchhänger ein. Nicht wissend, was ich essen soll, aber wohl wissend, dass ich etwas essen muss, um nicht später hungrig im Bett zu liegen, laufe ich zwischen den noch immer rätselhaften Ecken der Stadt entlang. Ich bin so wenig euphorisch, dass ich nicht mal ein Foto von der Eislauffläche am Stachus mache. Diese komischen vier, fünf Stunden Einsamkeit am Abend, sie sind ein Genuss, sie sind eine Qual. Eine so große Stadt für sich allein zu haben und alles mit ihr machen zu können, bedeut für mich ein Hochgefühl. Und auch um halb zehn mit einem Buch im Bett zu sitzen, ist schön. Dabei aber daran zu denken, was man alles tun könnte, wäre man in diesem Moment Zuhause und mit den Lieben, das kann einem dieses Gefühl durchaus vermiesen.

Irgendwo esse ich ein paar Nudeln, zum zweiten Mal an diesem Tag, und dann gönne ich mir den Luxus einer Bahnfahrt zurück zum Hostel – es hat längst aufgehört zu schneien, ist aber wirklich bitterkalt. Am Hostel hängen kleine Eiszapfen. Auf der Treppe hoch in den fünften Stock beginne ich mich ein bisschen zu freuen. Auf die bunten Wände meines Zimmers, das Tomte-Buch und meine neu zu installierenden Schnürsenkel. Beim Auspacken meines Rucksacks merke ich, dass ich die in der Redaktion habe liegen lassen.

1 Kommentar

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  1. Björn sagt:

    Nimm stattdessen doch einfach Kordel, eine Wäscheleine oder eine Nylonschnur, das kommt dann total hip rüber und eh du dich versiehst laufen alle Bayern so rum. Wetten?

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