Eine kleine Lokalberühmtheit New Yorks ist der „Naked Cowboy“, ein junger Mann, der nur mit Unterhose, Stiefeln und Hut bekleidet auf dem Times Square steht und Gitarre spielt. Wir sehen ihn an einem Samstag Nachmittag. Er ist ziemlich trainiert und hat halblange blonde Haare. Seine Gitarre ist mit „The Naked Cowboy“-Schriftzügen in blau-weiß-rot beklebt, auf der Rückseite seiner Hose steht irgendetwas. Aber er spielt nur selten einen seiner Songs, und erst recht nie bis zum Schluss, denn die ganze Zeit wollen sich Frauen mit ihm fotografieren lassen. Dann post er herum, lässt Muskeln – und Hände – spielen.
Einige Zeit später hat sich ein Mädchen in ganz ähnlichem Aufzug genau gegenüber auf der anderen Straßenseite postiert. Sie trägt einen kurz-kurz-kurzen rosa Rock und rosa Sterne auf der Brust. An ihrem Unterschenkel weisen ein Pfeil und das Wort TIPS in ihre Stiefel. Stundenlang steht „The Naked Cowgirl“, mit dem Joss-Stone-Kopf, da, in den drei Nummern zu großen Stiefeln, und muss viel öfter Gitarre spielen, immer mal wieder ein paar Akkorde. Für einen kurzen Moment sehe ich ihr wahres Gesicht. Dann fragt jemand nach einem Foto.


Der Cowbow für die Mädels, das Cowgirl für die Jungs. Gegen diese Arbeitsteilung habe ich nix einzuwenden…