Neulich, als jemand gestorben war, bat meine Mutter mich mehrmals, sie zu der Beerdigung zu begleiten. Aber ich weigerte mich, ohne Angabe bestimmter Gründe. Mein Bauch wollte nicht. Ich mochte diese verstorbene Person und es tat mir wirklich Leid, dass sie tot war. Aber niemals würde ich zu dieser, zu einer Beerdigung gehen.
Ich mag die Idee nicht von diesem programmierten Traurigsein um 10.30 oder 11.00 oder 14.00 oder wann auch immer so etwas stattfindet. Wenn alle sich treffen um gemeinsam einer Person zu gedenken, dann klingt das noch ganz schön, keine Frage. Aber wenn zuvor überlegt werden muss, was man anzieht, wenn der Besuch der Messe nebenbei als gesellschaftlich wichtig angesehen wird und es eine Zeremonie ist wie bei jedem anderen Verstorbenen, dann stößt mich das ab. Das Schlimmste ist dieses Kaffeetrinken im Anschluss. Eben noch waren alle schrecklich traurig, aber jetzt wird geschwatzt, werden Schnittchen gegessen. Schnittchen! Allein dieses Wort! Es klingt so alt und schlapp und farblos.
Warum muss man im Falle eines Todes in Gesellschaft erinnern und fühlen, ist das nicht viel besser, wenn man es allein tut? Auf eigene Weise und ohne vorgegebenen Zeitraum, ohne dass jemand dazwischenpredigt und ohne denken zu müssen, “ist es schlimm, wenn ich jetzt weine?” Oder eben auch: “Ist es schlimm, wenn ich jetzt nicht weine?”
Mag sein, dass ich irgendwann mal jemanden feiere, nachdem er gestorben ist. Aber sicher nicht in der Kirche, sicher nicht in schwarz. Und sicher nicht mit Schnittchen.







RSS Einträge
Bis jetzt 10 Kommentare
Christoph 28. September 2006 um 17:50 Uhr
Die schwarzen Kostüme, die man immer bei einer Beerdigung tragen sollte, finde ich erst so richtig unangebracht, seit ich den Film “Harold & Maude” gesehen habe. Nun, unangebracht ist ein hier wohl eher unangebrachter Ausdruck, aber du hast wirklich recht, dieses sich-zum-trauern-treffen und danach “nett essen gehen” ist einfach nicht so richtig gut. feiern und trauern – etweder oder.
Simon 28. September 2006 um 21:15 Uhr
Ich denke, was bei einer Gelegenheit wie dieser als erstes zählt, das sind nicht die Wünsche von mir, sondern die der Person, die gestorben ist. Und wenn es für sie erwünschenswert
istwar, dass Leute in schwarzen Klamotten um ein Grab herumstehen, seltsame Lieder singen und danach Schnittchen essen, meinetwegen. Meistens sind es eben die alten Menschen, die sterben, und die haben auch alte Moralvorstellungen. Es ist nicht meine Aufgabe, darüber zu urteilen – Es ist nur meine Aufgabe, ihnen den letzten Willen zu erfüllen und einen würdigen Abschied zu bereiten.Einen anderen Aspekt von dem, was du geschrieben hast, kann ich übrigens überhaupt nicht nachvollziehen. Du schreibst:
Warum muss man im Falle eines Todes in Gesellschaft erinnern und fühlen, ist das nicht viel besser, wenn man es allein tut?
Nein, ich denke, es ist nicht besser, wenn man das alleine tut. Trauern ist, meiner Meinung nach, etwas, dass am am Besten gemeinsam tut. Nicht nur, weil es für einen selbst leichter ist, sondern auch, weil man denen Halt gibt, die es alleine vielleicht nicht schaffen würden.
Außerdem: Wenn ich sterbe, und ich bin nicht alt und halte wenig von Schnittchen, dann will ich, dass das die Leute zusammen bringt. Nicht auseinander.
Eva 28. September 2006 um 22:27 Uhr
Hej Simon, viele von deinen Antworten / Einwänden kann ich gut verstehen bzw. sehe sie genauso. Ganz ehrlich, war ich auch noch nicht zufrieden mit der Art, wie ich es formuliert habe. Zum Beispiel hast du recht, wenn du schreibst, dass es gut ist, in Gemeinschaft zu trauern. Aber ich glaube, ich würde mir die jenigen aussuchen wollen, mit denen ich das tue. Menschen, denen ich vertraue, vielleicht auch bloß ein einziger, der mich festhält und ich ihn, so.
Leider sterben in meinem Umfeld in letzter Zeit außerdem keine alten Leute, sondern jene, die mitten im Leben stehen. Vielleicht ließ mich diese Tatsache den “Moralvorstellungen”-Punkt in den Schatten rücken. Was ich letztendlich deutlich machen wollte, ist ganz banal, dass ich Beerdigungen einfach nicht mag. Vielleicht eher aus dem Bauch als aus dem Kopf heraus – dann habe ich wohl einfach zu viel drumherum fabuliert.
Viele Grüße!
Björn 28. September 2006 um 22:34 Uhr
Trauerfeiern… allein schon das Wort ist ein Widerspruch in sich. Man feiert, dass man trauert, oder man trauert auf einer Feier…
Wie auch immer, vordergründig besteht der Sinn aus Beerdigungen doch im Abschied nehmen. Mit wem man wie und wo trauern will, bleibt jedem selbst überlassen. Aber um Abschied zu nehmen, ist der Moment in dem der Tote ins Grab hinuntergelassen wird doch recht passend. Und wenn man dabei nicht an ihn denken will, oder weinen will, oder trauern will, muss man das ja nicht. Und sei es nur das man dort ist, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen.
In deinem Zusammenhang passt die Feier danach natürlich nicht. Aber sieht man es mal als Abschied, finde ich persönlich es passend. Man verabschiedet sich vom Verstorbenen, und als Zeichen dafür feiert man ihn und sein Leben, bzw. die mit ihm verbrachte Zeit (vorrausgesetzt man mochte ihn). Man schliesst damit ab. Natürlich beendet das nicht Trauern, aber dazu ist die Feier danach auch nicht da.
Ich persönlich mag Beerdigungen, man sieht Leute, denen der Tote etwas bedeutet hat, man erfährt etwas über ihn, was man noch nicht wusste, und man sieht meistens bekannte Gesichter wieder. Außerdem trägt es auf jeden Fall auch zur Bewältigung der Trauer bei, wenn man danach Geschichten aus dem Leben des Verstorbenen hören, und darüber lachen kann.
Ist meine Meinung.
Mann² 29. September 2006 um 10:08 Uhr
Trauer ist für die zurück gebliebenen und nicht für den Toten. Ich denke jeder sollte trauern wie er es für richtig bleibt. Der eine braucht feste Rituale und Regeln um mit dem Tod eines Menschen klar zu kommen, der nächste braucht seine Ruhe und möchte alleine sein.
David 6. Oktober 2006 um 18:59 Uhr
ich find den gedanken dass die letzte ehre eines menschen durch rituale oder eine messe vollzogen wird ziemlich grausam…
allerdings ist das ja auch auf dem mist der kirche gewachsen. bei geburten, taufen, firmungen etc wird ja auch alles nach plan gemacht.
und es ist warscheinlich für gläubigen menschen wichtig dass sie wissen dass ihr körper nach ihrem tot durch religiöse “rituale” geführt wird.
zum trauern sind beerdigungen eh nicht gedacht. da ist evas meinung völlig richtig. jeder muss trauern wie es am besten kann.
Anne 9. Oktober 2006 um 16:41 Uhr
Trauer”feiern” als programmiertes Traurigsein um elf zu verstehen ist ja auch irgendwie auch eher eine Fehlinterpretation. Das Traurigsein passiert davor, dazwischen und danach und zwar meistens alleine.
Die Beerdigung ist der gemeinsame Abschied von einem Menschen, der sicher vielen hilft, mit der Trauer fertig zu werden. Die letzten Beerdigungen, auf denen ich war, waren sehr schön, wenn man dieses Wort in diesem Zusammenhang überhaupt verwenden kann. Es wurde gemeinsam geweint, aber auch gelacht, ich habe viele Menschen getroffen, die ich schon seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Vielleicht sollte man das anschließende Kaffeetrinken auch ein bisschen symbolisch sehen, denn nach der Trauer um Vergangenes kommt die Freude über das Leben und die Zukunft. Aber vielleicht kommt es da auch darauf an, welche Menschen um einen herum sind, und wie wohl man sich in deren Gesellschaft fühlt.
Alleine habe ich auch getrauert, selbstverständlich. Auch noch Wochen und Monate nach der Beerdigung. Das eine schließt aber doch das andere nicht aus.
Eva 14. Oktober 2006 um 23:02 Uhr
David, aaaalte Säge! Das war der 1000. Kommentar hier. Danke. Allen. Das macht großen Spaß.
David 16. Oktober 2006 um 14:09 Uhr
woohoo!
gibts nen preis?? :)
warum haste nix über new york geschrieben? und kultcasts?
Philipp 16. Oktober 2006 um 17:28 Uhr
Also ich hab mir nicht alle Kommentare genau durchgelesen, aber ich wollte einfach sagen, dass ich genau deiner Meinung bin, Eva. Am liebsten würde ich nicht mal an die Beerdigung meiner Mutter oder meines Vaters gehen, aber das geht ja irgendwie auch nicht.
Schenk mir deine Worte
Trackback URL