Mehrere Gedanken über das Lesen von Büchern

Gegen Ende eines Schuljahres wird der Alltag so stressig, dass für nichts mehr Zeit zu bleiben scheint. Ist auf einmal doch welche da, verbringt man sie damit, herumzuliegen und zu sinnieren, einfach kurz zur Ruhe zu kommen. In solchen Momenten, solchen halben Stunden, wäre ich in meinen letzten letzten Schulwochen gern ab und zu in eine andere Welt geschlüpft und hätte den ganzen nervtötenden Rest hinter mir gelassen. Und womit ginge das besser, als mit einem Buch? Was das Lesen von Büchern anbelangt, bin ich aber, wie wohl jeder Leser, eigen. Und habe meine Macken.

Macke Nummer 1 ist, dass ich einen freien Kopf brauche, um ein neues Buch zu beginnen. Ich muss es ein paar Tage lang verlockend auf dem Stapel neben meinem Bett liegen sehen, reizend durch ein tolles Bild, durch Titel oder Autor, durch Klappentext, durch die schönen Buchstaben innen drin. Während es dort liegt, während dieser Vorfreude, versuche ich Platz zu schaffen dafür in meinem Kopf, eine Art umzäunten Bereich. Bis ich es irgendwann nicht mehr aushalte und unbedingt seine Geschichte, seine Personen, sein Innenleben entdecken muss.

Dann warte ich auf einen guten Moment. Einmal mitten drin in einem Buch, kann ich überall lesen und zu jedem Zeitpunkt: Morgens beim Frühstück, beim Föhnen, beim Zähneputzen, in Werbepausen, im Schulbus (wenn es draußen dunkel ist) oder Zug, vor, nach, beim Essen, in Warteschlangen. Um aber eine Geschichte zu beginnen, braucht es mindestens eine halbe Stunde Zeit, natürliche Stille und eine gewisse Gemütlichkeit. Diese nehme ich mir abends, vor dem Schlafengehen, oder an einem freien Nachmittag.

Zu solchen Zeiten kann ich neue Menschen kennen lernen, mich mit fremden Regeln anfreunden, in Gedanken andere Welten aufbauen. Das alles packe ich in seinem ständigen Umbauzustand in meinen eingezäunten Kopfbereich, den ich in der Lesephase so häufig wie möglich besuche. Zwei Bücher gleichzeitig zu lesen käme allein deshalb nie in Frage. Das Buch begleitet mich überall hin. Es ist in der Schultasche und im Rucksack, wenn ich in die Stadt muss, ich trage es im ganzen Haus mit mir herum, wenn ich bloß schnell etwas zu trinken holen möchte. Schließlich kann man überall schnell hineinschauen, vielleicht läuft einem gerade im nächsten Moment, unten vor dem Kühlschrank, die Zeit für ein weiteres Kapitel über den Weg.

Das ist eine weitere Macke: In Blöcken lesen. Am liebsten und fast immer einen ganzen Teil, ein ganzes Kapitel. Kommt nach der kleinen Pause der Lehrer in die Klasse, dann doch mindestens noch bis zum nächsten Absatz. Erst danach kann ich ein Foto zwischen die Seiten legen und das Buch selbst zur Seite, und auf den nächsten, passenden Moment warten.

(Inspiration zu diesem Text war Kathis aktueller Eintrag.)

1 Kommentar

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  1. Sophie sagt:

    sehr interessant mal die Lesemacken von anderen kennenzulernen :)
    Ich hab da selber noch nie so drüber nachgedacht … ach, ich hab aber auch schon mal mehr gelesen *schäm* aber ich glaube, bei mir sieht es ähnlich aus. Ich brauch ein bisschen Zeit, um ein neues Buch anzufangen und ich muss Lust drauf haben und in Blöcken lese ich auch ;)

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  1. Buchstaben in Bewegung

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