Winson hat ein neues Album gemacht. „Frag die richtigen Leute“ heißt seine zweite Platte und rockt mindestens genau so wie das Debüt von 2004 – aber doch irgendwie ganz anders. Und obwohl der Herr stets behauptet, keiner von den richtigen Leuten zu sein, habe ich ihn gefragt.
Winson spielt. Mit seiner Wasserflasche, die ganze Zeit. Aufdrehen, trinken, zudrehen, auf dem Tisch drehen. Fingert an einem Stück Papier rum, klappert mit einem Stift. Und immer wieder diese Flasche. Der Psychologe sagt, das sei Spannungsabbau. Stimmt! Winson steckt voller Energie. Er lacht viel und springt plötzlich auf, um Luftgitarre zu spielen oder laut eine Liedzeile zu singen. Er ist verspielt, und wild.
So wild klingt auch die erste Singleauskoppelung seines neuen Albums. „45 mal/Minute“ ist eine von diesen Abrechnungen mit dem Musikbusiness, wie außerdem der Titeltrack „Frag die richtigen“. Denn Winson mag noch so sehr Spielkind sein – er weiß sehr wohl, auf welch glattem Eis er sich in seiner Branche bewegt. „Wenn man mit der Musikindustrie zu tun hat, muss man jeden Tag einmal jeden angucken und sich fragen, wer ist richtig, wer ist falsch. Aber ob man dann am Abend richtig steht, wenn das Licht angeht, ist die andere Frage.“ Für seine neue Platte hat Winson auf jeden Fall die richtigen Leute gefunden: Im Gegensatz zum ersten Album „So sah die Zukunft aus“ nahm er diesmal seine Liveband mit ins Studio, zusammen mit der Berliner Sängerin Barbara Cuesta. Mit ihnen entstanden auch erstmals Balladen wie „Anders“ oder das großartige „Liebesspielsalon“ über den trostlosen Alltag eines Ecstasydealers. Dass es immer noch dieser abgedrehte Typ aus Berlin ist, der da singt, mag manch einer nicht glauben wollen.
Winson hat sich verändert. „Die einzige Möglichkeit war zu sagen, ich lasse es zu oder ich lasse es nicht zu.“ Er ließ es zu und riskiert damit, dass alte Anhänger vom Winsonzug abspringen und es eine Single mal nicht in die Charts schafft. „Aber der Plan, den ich verfolge, ist eigentlich chartsfeindlich. Ich bin meist eher ein bisschen für mich, mit der Musik.“ Weiterhin gilt jedoch: Winson macht verrückte, neue Popmusik. Kommt ihm etwas bekannt vor, wird es abgeändert oder gleich rausgeschmissen. Und wann immer er kann, packt er kleine Informationen in seine Texte, versteckte Botschaften. Diese Möglichkeit war überhaupt ein Grund für ihn, statt auf englisch vorwiegend auf Deutsch zu texten. „Man macht diese Musik, hat gewisse Ideen, und wenn die Musik gut gemacht ist, dann können andere Leute da noch ganz andere Ideen drin finden und hören.“ Das gefällt Winson. So dreht sich die Kamera im aktuellen Video ständig um die Musiker, passend zur Textzeile „Ich dreh mich 45 mal pro Minute und ich will keine Single sein“.
Geschrieben, ohne Musik dazu zu machen, hat Winson trotz seines Liebäugelns mit der deutschen Sprache aber fast nie. „Ich habe mal versucht ein Drehbuch zu schreiben. Das könnte sogar noch fertig werden. Einem Freund von mir gefiel es und der macht das vielleicht weiter.“ Die allgemeine Deutschlandfrage umgeht er trotzdem gerne. Da ist nun mal doch noch das bisschen Kind im Winson, das nicht die Verantwortung übernehmen will und deshalb vielleicht bald nach Österreich zieht. „Ich zieh ein halbes Jahr nach Wien und nehme da Demos auf und nenne die nächste Platte ‘Wienson’! Ist doch eine Superidee! Oder?“
Winson macht Radio
Anfang des Jahres hat der Berliner Radiosender Motor FM sein Moderatorenteam auf vier Leute aufgestockt. Seitdem ist Winson mit dabei. Jeden Tag sitzt er von 14 bis 16 Uhr am Mikro – und dreht sich da gerne ein bisschen mehr Bass in die Stimme. „Wenn ich selber Radio höre, finde ich immer tiefe Stimmen so gut. Deshalb mache ich meine auch tiefer. Tiefer, Winson, das geht noch tiefer..!“ Motor FM ist in Berlin auf 100,6 MHz und in Stuttgart auf 97,2 MHz zu hören. Ansonsten im Netz: motorfm.de.


Kommentiert
Yannic: Herzlichen Glückwunsch! Hat sich in meinen Augen schon auf den JMT 2009 abgezeichnet. War – wie hier schon treffend gesagt – nur eine...
Marco: Ich wusste anfangs garnicht, dass der Film auf einem Buch basiert! Ich fand oder finde den Film wunderschön, er hat alles was ein Hollywood-Drama...
lisa: Eva, das ist ja Wahnsinn. So ein – Glück. Vor allem auch für die Macher, dich gefunden zu haben. Ich wünsche viel Erfolg und bin gespannt! (Du...
Anne: Sehr sehr fein! Freu mich schon auf mehr! Liebe Grüße und noch ein feines Wochenende! Anne