Archiv für Februar, 2006

Über den Wert von Sekunden

Man mag meinen, dass Zeit in ihren kleinsten Einheiten minder wertvoll ist. Dabei sind es doch oft bloß Sekunden, die Befinden und Gefühlslage ganzer Stunden und Tage bestimmen. Ein einziges Wort, ausgesprochen in einer, zwei Sekunden, kann so hart treffen, mitten in den Bauch, dass die Schmerzen eine Woche lang zum ständigen Begleiter werden. Gleichzeitig kann ein kurzer Kuss die Seele umschmeicheln wie das Seidentuch eine Schulter und Auslöser sein für wunderbarste Gänsehaut.

So kann auf einer Sekunde unglaublich viel Verantwortung lasten. Hierbei ist weniger von einer ersten Sekunde die Rede, von der Sekunde, die man oft für am wichtigsten hält. Etwas Großes beginnt, und man möchte es von Anfang an perfekt haben. Der Läufer, er wartet gebannt auf den Startschuss, ein riesig-qualvoller Moment, denn er weiß: Gleich kommt ein Befehl, und dann muss ich augenblicklich losrennen, um mein Leben rennen.

Dabei könnte er doch ruhig werden. Seinem Selbstvertrauen die Tür öffnen und daran glauben, dass nicht die erste Sekunde die entscheidende ist. Sondern viel mehr die letzte. Jede erste Sekunde kann man in den folgenden bearbeiten, ausbessern, perfektionieren. Oder weiterleben. (Wobei nicht verschwiegen werden soll, dass man sie natürlich auch komplett versemmeln kann.) Doch die letzte, sie ist unwiderruflich. Sie bleibt stehen, sie ist die Erinnerung, die mitgenommen wird bis zur nächsten ersten Sekunde. Auf die letzte sollte Wert gelegt werden. Sie muss nicht ein Höhepunkt sein. Die letzte Sekunde soll abrunden und vollenden. Dann ist ihre Aufgabe zu allen Prozent erfüllt.

Eine letzte Sekunde soll zusammenfassen, was sie abschließt, von der ersten bis zur letzten Sekunde eine Zeit einfangen in sich. Sie soll den Glanz geben über das Geschehene. Das kann sie ganz subtil tun, in dem Moment, in dem die letzten Zuschauer das Stadion um den Läufer verlassen, und sie keinem auffällt. Und trotzdem ist die letzte Sekunde allzu oft die kleine Kugel aus Perlmutt, die man sich um den Hals hängt. Die man einfädelt in die aus unzähligen Momenten bestehende, bunt schimmernde Erinnerungskette.

Zu viele Gegenfragen

Weil cult7 nur Umzugsfragen hat, zu denen ich nicht viel sagen kann, und fridayfive ja eh übern Teich ist, ich aber unbedingt mal wieder was beantworten will, gibt es jetzt die volle Dröhnung mit dem Fragebuch von jetzt.de.

1. Ist es schlimm, das ich den Ex meiner Freundin mag?
Ist es schlimm, dass ich den Schwarm meiner Freundin mag?

2. Warum sieht Cosma Shiva Hagen so unglücklich aus, obwohl sie einen T-DSL-Anschluß hat?
Weil sie Werbung machen muss, obwohl sie doch für Größeres bestimmt ist. Dachte ich zumindest immer.

3. Ab wann ist ein Haus eine Villa?
Ab Swimmingpool.

4. Wie sollte ein durchschnittlicher Gerichtsvollzieher aussehen?
Ordentlich.

5. Wird Daisy jetzt von Kommisar Rex verhört?
Ich hab sie mal getroffen. Ein furchtbar kläffendes Viech. Es sollte auch von ihm überführt werden, weswegen auch immer.

6. Warum bin ich manchmal so fürchterlich klug?
Weil du logisch denken kannst.

7. Sind kalte Füße ein sekundäres Geschlechtsmerkmal?
Ich hab ständig welche. Auch gerade, im Moment.

8. Wie wär’s mal mit Gemütlichkeit?
Geht in letzter Zeit nur abends und in unseren Vorstellungen von Sommer. Dann aber volle Dröhnung.

9. Liebt Berlin mich wirklich?
Viva liebt dich, die sind doch jetzt in Berlin, oder?

10. Dürfen Radiomoderatoren auch mal traurig sein?
Kinderkanalmoderatoren dürfen! Lukas hat in einer Kummerkastensendung über Alkoholsucht einem Jungen sein Mitgefühl ausgesprochen. Lukas’ Vater ist nämlich auch alkoholsüchtig, und das ist ziemlich schlimm für ihn. Fand ich gut, dass er das gesagt hat.

11. Habe ich einen wirksamen Fluch ausgesprochen?
Oh Gott, hoffentlich nicht. Falls doch kommt ja bald der Papst.

12. Bin ich ein stilles Wasser?
Nein. Du bist noch 10% anderes.

13. Warum ist der Europäische Gerichtshof nicht in Klagenfurt?
Ha! Gute Frage.

14. Bin ich out, weil ich nicht weiss was GMail ist?
Nein, du wärest aber in, wenn du es hättest.

15. Ist Astra ein Zaubertrank?
Kann man Autos trinken?

16. Warum erzeugt “Popstars” keine Gegengewalt?
Wann hat “Popstars” jemals etwas Gutes erzeugt??

17. Hat jemand ein Bild von mir an seiner Wand?
Oh Mann, ja. Verdammt gute Frage. Würde die Antwort nur zu gern wissen.

18. Ist es jetzt mal wieder gut mit Jammern?
Hoffentlich.

19. War sich-verlieben nicht mal einfacher?
Nur im Film.

20. Ist das wirklich schon mein Leben?
Ja, seit geschätzten zwanzig Jahren

21. Wie erfährt Juan Moreno, dass er mich heiraten muss?
Wie erfahre ich, wer Juan Moreno ist?

22. Hat er “eine Freundin” oder “meine Freundin” gesagt?
Viel wichtiger ist doch: Hat er mit oder ohne m geDACHT?

23. Hat Herr Rossi das Glück mittlerweile gefunden?
Irgendwo auf der Straße.

24. Werde ich mich im Sommer auch noch von meinen Spekulatiusvorräten ernähren können?
Nein, aber im Sommer gibts ja Erdbeeren.

25. Warum darf pure Vernunft niemals siegen?
Weil sie die Bauchentscheidungen verdängen würde.

KLASSIKER, vom 23.1.2005

Süßer Vogel

Sie trinkt Tee oder trifft sich dazu sogar in Kaffees. Sie geht Spazieren durch Wälder und an Schaukeln vorbei, manchmal mit Pause. Sie steht bestimmt auch auf Kachelkamine und manchmal auf Räucherstäbchen. Sie mag es nämlich gemütlich. Sie ist sehr höflich zu Menschen, die sie mag, dann hält sie Türen auf und bietet Plätze an. So wie früher, denn sie ist doch recht konservativ, sie trägt neuerdings auch wieder Poloshirts, ab und zu. Dann schenkt sie, kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, aber daran denkt sie nicht. Sie schenkt, um glücklich zu machen, weil sie weiß, dass sie dann auch glücklich wird. Sie schenkt am liebsten selbst gemachte Dinge, gebastelt, gemalt, oder Mixtapes. Mixtapes sind eh am tollsten. Sie beschäftigt sich ganz dolle mit Musik, ohne könnte sie wohl kaum leben, oder zur Not, als Ersatz, nimmt sie Sport. Sie tanzt wie sie will, Hauptsache, sie wird ein bisschen high davon und schwitzt unter der Unterlippe und trotzdem küsst es jemand weg. Sie trägt Schmuck mit besonderer Bedeutung und T-Shirts mit Botschaft. Sie hat eine Meinung, sie will Politik und sie denkt. Sie denkt über die Welt und über den Grashalm und den Käfer, der da runter fällt. Sie will nämlich alles wissen, und warum alles alles ist. Sometimes ist ihr Gehirn trotzdem leer für einen Moment und sie hüpft nur noch rum mit jemandem an der Hand und will in der Luft hängen bleiben. Sie heißt Jugend (von heute) und die Zeit soll stehen bleiben, weil gerade alles besser ist.

KLASSIKER, vom 3.11.2004

Zahlen, Worte, Knabberzeug

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   Kultcast #13
(5,24 Minuten | 5 MB)

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Das macht nämlich großen Spaß

Top 5 der Gründe dafür, dass der Sommer tatsächlich kommt

Venezia hat wieder geöffnet
Die beste aller Eisdielen der Stadt – abgesehen davon, dass es ja wirklich in jeder Stadt sowohl eine Eisdiele namens Venezia als auch eine namens San Remo zu geben scheint. Napoli sind dann immer die Pizzerien. Venezia jedenfalls hat singende Verkäufer, die abends spät immer italienische Soaps auf einem kleinen italienischen Fernseher schauen und schon genau wissen,d dass Mama und Papa immer ein Tartufo (?) essen. Nur ich kann mich oft nicht gleich entscheiden. Aber die Weiße-Schokolade-Phase ist dieses Jahr wohl vorbei.

Die Vögel zwitschern wieder
Wunderbar, wenn man neben einem Wald wohnt und der Hahn des Nachbarn vor ein paar Jahren gestorben ist, komisches Gefühl, wenn einem alle einreden, dass jetzt jedes gefiederte Lebewesen die Vogelgrippe hat und im Radio vor “intensivem Körperkontakt” mit eben diesen gewarnt wird. Trotzdem bleiben sie mir der liebste Wecker.

Morgens wieder mehr als zehn Meter Sicht
Die Schule, die mit ihren teils beleuchteten, teil dunklen Fenstern jeden Tag wie ein Adventskalender wirkte, war zar sehr schön, aber nach drei Monaten reicht es dann auch, dann will man beim Betreten des Schulhofs lieber wieder daran denken, sich während der Pause draufsetzen zu können statt sich den Frost aus den Beinen springen zu müssen. Und das heißt auch, dass bald die Lampe an der Haltestelle ausgeschaltet wird – der Wackelkontakt hat doch echt den ganzen Winter lang genervt.

Die Sonne lacht wieder
Zumindest zeitweise, und das ist ein erster Schritt, den ich lieber übertrieben positiv bewerte als ihn winterlich-depressiv zu verdrängen. Außerdem macht mich der Gedanke daran, in zwei, höchstens drei Monaten wieder ohne Jacke Radfahren zu können enorm springfreudig.

Die Menschen auch.