Das Weblog von Eva Schulz

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Wo samstags immer Sonntag ist

Mit Johanna auf dem Uni-Campus   Ariks Tattoo

„Jeder hat mindestens zwei Gründe, nach Israel zu gehen.
Einen, den er zugibt, und einen, den er verschweigt.“ *

Palmen. Wenn ich Palmen sehe, weiß ich, ich bin in der Fremde. Dann dieses Wetter: 23 Grad, leichter Wind und Sonne, mitten im Januar. Und nicht zuletzt die vielen fremden Schriftzeichen. (Irgendwann in den nächsten Stunden werde ich an einem Kiosk ein Heft falsch herum halten und es nicht einmal merken.) Es hilft, wenn man nicht gleich alles versteht in der Fremde, weil ohnehin schon genug Eindrücke auf einen einprasseln.

Am Ausgang wartet Eliran auf uns. Er ist der Freund eines Kollegen und hat gerade ein halbes Jahr in Deutschland verbracht. Die Geschichten, die er erzählt, während er uns in die Stadt fährt, würzt er mit urdeutschen Sprichwörtern und Floskeln. „You had to be at the airport FOUR hours before departure? Na sowas!“

Wir sind für den Klub Konkret in Tel Aviv. Es ist eine Reportage, die nicht ganz so leicht fällt wie die über Landlust oder Romantik. Die Frage, die wir beantworten wollen, lautet: Wie sehr muss sich unsere Generation noch schuldig fühlen für das, was während des zweiten Weltkriegs geschehen ist? Und wie sehr beeinträchtigt das heute das Leben junger Israelis?

Supersmoothie auf dem Souk Ha'Carmel   Blau heißt ohne Käse

Eliran ist ein Musterbeispiel deutsch-israelischer Annäherung. Den Fremdenführer spielt er mit größtem Vergnügen. Er zeigt uns, wo es die hipsten Restaurants, urigsten Märkte und frischesten Smoothies gibt. Er erklärt uns, dass die blauen McDonald’s-Filialen nur koschere Burger, also ohne Käse, verkaufen, und die Hubschrauber, die über dem Strand Patrouille fliegen, ganz normal sind. Zumindest für ihn.

Ich kriege jedes Mal Gänsehaut, wenn er auf eine Hauswand zeigt, in die irgendwann eine Bombe eingeschlagen ist. Oder wenn er von Arik erzählt, der sich die KZ-Nummer seines Großvaters auf den Arm hat tätowieren lassen. Ich habe Arik getroffen, und dann noch Johanna, die sich als Freiwillige in einem Altenheim um Auschwitz-Überlebende kümmert, und so viele andere Menschen, manchmal bloß im Vorbeigehen, die immer ihre ganz eigenen Assoziationen und Geschichten zu Deutschland zu erzählen hatten.

Am Ende hatte ich ziemlich oft Gänsehaut in Tel Aviv, trotz des warmen Wetters. Und ich glaube, wir haben auch eine Antwort auf unsere Fragen gefunden. Sie lässt sich schwer in einem Satz zusammenfassen, aber doch in einer halben Stunde. Klub Konkret kommt heute um 20.15 Uhr auf EinsPlus.

Update: Die Reportage gibt es jetzt auch hier.

Am Strand von Tel Aviv

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