Das Weblog von Eva Schulz

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In der Weihnukkahbäckerei

     Eva (04.12.2014 18:05)
    Gilad! My friend Angela and I are having a little „German Christmas Bakery“ on Saturday afternoon with some friends – would you like to join?

      Gilad (04.12.2014 18:06)
    I would love to! I’ve never celebrated Christmas

      Eva (04.12.2014 18:07)
    Well it’s not the celebration (yet), but the cookies are the best part of it anyways. I’ll let you know when we have set an exact time. Looking forward to it!

      Gilad (04.12.2014 18:10)
    Me too!

      Gilad (04.12.2014 18:23)
    Btw what are Christmas cookies? 


In der Heiligen Stadt in Weihnachtsstimmung zu kommen, ist nicht leicht. Zum einen, weil es in Jerusalem dieser Tage zwischen 14 und 22 Grad hat. Und zum anderen, weil den jüdischen Staat dieses Fest nun mal einfach nicht schert.

Das hat auch sein Gutes: Dieses Jahr bleibt mir der ganze Wahnsinn erspart. Keine Zimtsternberge im Supermarkt, keine nervigen Glöckchen in der Werbung, kein einziges Mal „Last Christmas“ im Radio. Auf all das kann ich gut verzichten. Auch an den Gedanken, in diesem Jahr keinen Weihnachtsmarkt zu besuchen und keinen Adventskalendertürchen zu öffnen, hatte ich mich schon gewöhnt.

Aber ein Dezember ohne Plätzchen Backen? Das geht nicht.

Also googleten wir die hebräischen Wörter für „Puderzucker“ (אבקת סוכר), „gemahlene Mandeln“ (שקדים טחונים) und „Kuvertüre“ (ציפוי שוקולד), stellten eine Weihnachtsplaylist zusammen und gingen auf die Jagd nach Ausstechformen.

Es wurde der wahrscheinlich schönste Nikloaustag, seit ich sechs oder sieben Jahre alt war. Essen, das stellte sich einmal mehr heraus, ist einfach der beste Weg, eine fremde Kultur kennenzulernen.

„What does „Eischnee“ mean?“

Während wir Vanillekipferl in Zucker wendeten und Kronleuchter-Kekse mit Schokolade bepinselten, erklärten wir einander unsere Bräuche und Feiertage. Meine französische Mitbewohnerin Daphné stellte fest, dass Macarons in Deutschland ganz anders aussehen als bei ihr daheim, und Gilad, der unbedingt meine Rezepte ins Hebräische übersetzen wollte, lernte einige der wohl unnützesten Vokabeln überhaupt („What does „Eischnee“ mean? And what is „ver-quir-len“?“).

Gilad übersetzt meine Rezepte ins Hebräische
In der Chrismukkah-Bäckerei

Das Chanukkah-Fest hat im Judentum längst keinen so hohen Stellenwert wie Weihnachten bei uns. „Es geht hauptsächlich um Donuts, Geschenke und Kerzen“, erklärte Gilad. „Sufganiyot“ sehen aus und schmecken auch wie deutsche Krapfen oder Berliner. Ähnlich dem Dominostein-Wahnsinn in Deutschland gibt es sie hier schon seit Ende Oktober zu kaufen.

Chanukkah selbst dauert aber bloß acht Tage. An jedem dieser Tage bekommen Kinder ein kleines Geschenk, und an jedem Abend wird eine Kerze mehr im achtarmigen Leuchter entzündet und ins Fenster gestellt. Sie dienen dem Gedenken an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels vor über 2000 Jahren in Jerusalem (hä?).

„Es gibt zwar viel zu essen an Chanukkah, aber Engelsaugen backen wir nicht“, seufzte Ofer und biss in eines der noch warmen, mit Marmelade gefüllten Plätzchen. „Dafür bekommen wir nicht acht Tage lang Geschenke!“, entgegneten wir.

Kekse und Kerzen

Heute Abend werden in den Fenstern in meiner Nachbarschaft die ersten Kerzen entzündet. Ich habe noch ein paar letzte mit Schokolade überzogene, bunt bestreuselte Chanukkia-Kekse, die ich mit auf einen kleinen Spaziergang nehmen werde. Kekse und Kerzen also, ein bisschen etwas aus beiden Welten. Seth Cohen würde sagen: Merry Chrismukkah!