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Völlig meschugge! Hebräisch Lernen im Heiligen Land

Das erste Wort, dass ich auf Hebräisch lernen wollte, war ausgerechnet „Entschuldigung“. Das lag nicht daran, dass ich plötzlich die gesamtdeutsche Schuld auf den Schultern gespürt hätte. Vielmehr hatte ich in den ersten Wochen in Israel ständig das Gefühl, im Weg zu stehen, zu langsam zu sein oder es schlicht nicht zu raffen – und mich dafür entschuldigen zu müssen.

So ging es mir auch in der allerersten Hebräischstunde. Unsere Lehrerin Ateret rauschte in den Raum, lebhaft und fröhlich – und redend wie ein Wasserfall. Auf Hebräisch. Die ganze Zeit. Ohne Ausnahme. Nach anderthalb Stunden saß ich mit verschränkten Armen da, schüttelte bloß noch den Kopf und dachte: „Nie im Leben! Nie im Leben packe ich das.“ Aber genau das ist das Konzept.

Der effizienteste Sprachkurs der Welt

Ulpan, der israelische Sprachkurs, wurde gleich nach der Staatsgründung im Jahr 1948 entwickelt und ist wahrscheinlich der durchoptimierteste und effizienteste Sprachkurs der Welt. Bis heute durchlaufen ihn Einwanderer aus aller Herren Länder, mit ganz verschiedenen sprachlichen wie kulturellen Hintergründen. Hebräisch bringt sie alle zusammen.

Das ist keine Selbstverständlichkeit. Theodor Herzl, der als Wegbereiter des modernen Zionismus gilt, verfasste seine Schriften Ende des 19. Jahrhunderts noch auf Deutsch. Doch viele seiner Mitstreiter dachten, sprachen und schrieben auf „Ivrit“ (עברית). Zu Beginn des 20. Jahrhunderts florierte die Sprache der Bibel wieder, nachdem sie Jahrhunderte lang tot geglaubt gewesen war.

Noch heute gleichen viele der Schriftzeichen denen aus biblischen Zeiten. Eine der Gemeinheiten des Hebräischen ist, dass man gleich zwei Alphabete lernen muss, weil sich Druck- und Handschrift stark voneinander unterscheiden. Als sei das nicht genug, sehen manche der Buchstaben auch noch unseren sehr ähnlich, haben aber eine andere Bedeutung. So schauen S und Sch je nach Alphabet aus wie unser e oder W. Das M wird zum N – achja, und natürlich wird alles von rechts nach links geschrieben statt von links nach rechts…

Sprachen Lernen ohne Lehrer?

Ich weiß nicht, wie oft ich mein Buch falsch herum aufschlagen, wie oft ich die immer gleichen Fehler beim Zählen oder Zungenbrecher beim Vokabeln Lernen machen musste, ehe ich begriff, dass es im Ulpan nicht so läuft wie im Sprachunterricht in Deutschland. Dort nimmt man meist eine Sache so lange durch, bis man sie verstanden hat, und macht erst dann mit der nächsten weiter. Ateret hingegen konfrontierte uns stets mit einem ganzen Haufen neuer Wörter und Regeln – im Vertrauen darauf, dass sie sich uns nach und nach erschließen würden.

So lernten wir erstaunlich schnell. Nach nur drei Monaten kann ich Postkarten auf Hebräisch schreiben und an der Supermarktkasse erklären, was ich backen will. Ich kann auch endlich entziffern, wohin der Bus fährt, in dem ich sitze, und mich im Restaurant durchschlagen.

Letzte Woche hatten wir Abschlussprüfungen. Seitdem überlege ich, wie ich ohne den Ulpan weiter lernen kann. Zum Beispiel schaue ich „Hatufim“ (חטופים), die israelische Serie, die als Vorlage für „Homeland“ diente (mit englischen Untertiteln, versteht sich…). In diesem Trailer kannst du einmal hören, wie die Sprache klingt, die mich seit ein paar Monaten umgibt:

Hast du weitere Tipps zum Sprachen Lernen ohne Lehrer? Ich freue mich über Ideen und Erfahrungsberichte in den Kommentaren!

Ach, und „Entschuldigung“ heißt übrigens: „ani mitzta’eret“ (אני מצטערת).