Das Weblog von Eva Schulz

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The Social Network

The Social Network
“Was die Anschuldigungen betrifft, denke ich, verdiene ich etwas Anerkennung von diesem Gremium.”

Ich mag ja gute Collegefilme. „The Social Network“ ist so einer. Aber natürlich ist er noch ein bisschen mehr. Er behandelt Personen, die es wirklich gibt, und ein Netzwerk, in dem weltweit 500 Millionen Menschen Mitglied sind. Deshalb funktioniert der Film auch genau so wie Facebook selbst: Man guckt ihn sich an, schon allein, weil er einen auch irgendwie persönlich betrifft.

Dieses Phänomen – dass es uns reizt, alles über die Menschen und Dinge zu erfahren, die wir gut kennen und mit denen wir alltäglich zu tun haben – hat Marc Zuckerberg zum jüngsten Milliardär der Welt gemacht. Es ist schon verrückt, dass ausgerechnet ihm diese Jahrhundertidee kam, ihm, dem Informatikfreak, der keine Freunde hatte und auch sonst ziemlich uncool war. Er wollte dazugehören, Mitglied der elitären Clubs werden. Erst an seiner Uni Harvard, später im Silicon Valley. Letztendlich war Zuckerbergs größte Schwäche auch sein größtes Kapital, denn er wusste genau, was seine Kommilitonen wollten – bevor sie es selbst wussten.

Der Film beschreibt die Entstehungsgeschichte von Facebook aus den Perspektiven von Zuckerberg, seinem Partner Eduardo Saverin und einem versnobten Ruderer-Trio, das ihm bald Diebstahl geistigen Eigentums vorwerfen wird. Als Zuschauer beobachtet man fasziniert, wie Facebook allmählich zu dem wird, was es heute ist, und fragt sich unweigerlich, wie das Leben eigentlich vor Facebook war?! (Das ist wie mit Handys. Oder Billigfliegern.)

Mit dem unfassbar steilen Aufstieg des Netzwerks beginnt ein Rausch, den man als Zuschauer hautnah miterlebt. Es hat mich beeindruckt, wie gut das filmisch gemacht war. Man wird mitgerissen, hinein in den Wahnsinn um Traffic, Mitgliederzahlen, Anerkennung und das große Geld. Es gibt exzessive Partys und exzessive Programmiernächte. Zuckerberg bekommt endlich das, was er immer gewollt hat: Ruhm.

Seine Charakterisierung ist eine der besonderen Leistungen dieses Films. Normalerweise sind Nerds einfach Nerds – vor allem auf der großen Leinwand. Drehbuchautor Aaron Sorkin und Hauptdarsteller Jesse Eisenberg (den man zum Beispiel aus „Adventureland“, dem anderen Film mit Kristen Stewart, kennt) entwerfen aber ein deutlich vielschichtigeres Bild des Facebookgründers. Er wirkt weder sympathisch noch richtig unsympathisch, eher wie jemand, „der sich große Mühe gibt, ein Arschloch zu sein“, wie seine Anwältin es einmal formuliert.

Das Arschloch lässt Zuckerberg schließlich sogar seinem einzigen Freund gegenüber heraushängen. Prompt hat er eine zweite Klage am Hals. Die Anhörungen dazu bilden die Rahmenhandlung des Films. Darüber, wie viel von dieser Geschichte letztlich wahr ist, lässt sich bestimmt streiten. Aber ich finde, darum geht es auch gar nicht. Viel spannender ist ja, was die einzelnen Charaktere antreibt. Die einen wollen Geld, die anderen beliebt sein, wieder anderen geht es um die Ehre. Welches ist das richtige Motiv? Wer soll gewinnen?

Mir gefällt dieser Film unheimlich gut, weil er mich mitfiebern lässt, weil er mich zum Nachdenken und Abwägen bringt, weil er trotz „Discount-Budget“ von 40 Millionen Dollar sehr schön ausgestattet ist und ich den Schauspielern ihre Rollen abnehme. Es ist einfach eine gute Geschichte! Und ich gehöre ja irgendwie auch ein klitzekleines bisschen dazu.

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