Alle Einträge mit dem Tag New York

The Naked Cowboy

Eine kleine Lokalberühmtheit New Yorks ist der „Naked Cowboy“, ein junger Mann, der nur mit Unterhose, Stiefeln und Hut bekleidet auf dem Times Square steht und Gitarre spielt. Wir sehen ihn an einem Samstag Nachmittag. Er ist ziemlich trainiert und hat halblange blonde Haare. Seine Gitarre ist mit „The Naked Cowboy“-Schriftzügen in blau-weiß-rot beklebt, auf der Rückseite seiner Hose steht irgendetwas. Aber er spielt nur selten einen seiner Songs, und erst recht nie bis zum Schluss, denn die ganze Zeit wollen sich Frauen mit ihm fotografieren lassen. Dann post er herum, lässt Muskeln – und Hände – spielen.

Einige Zeit später hat sich ein Mädchen in ganz ähnlichem Aufzug genau gegenüber auf der anderen Straßenseite postiert. Sie trägt einen kurz-kurz-kurzen rosa Rock und rosa Sterne auf der Brust. An ihrem Unterschenkel weisen ein Pfeil und das Wort TIPS in ihre Stiefel. Stundenlang steht „The Naked Cowgirl“, mit dem Joss-Stone-Kopf, da, in den drei Nummern zu großen Stiefeln, und muss viel öfter Gitarre spielen, immer mal wieder ein paar Akkorde. Für einen kurzen Moment sehe ich ihr wahres Gesicht. Dann fragt jemand nach einem Foto.

Chinatown

Chinatown

“LIFE IS A GREAT BIG CANVAS,
AND YOU SHOULD THROW ALL THE PAINT ON IT YOU CAN.”
Der erste New Yorker Glückskeks

Chinatown ist groß, unruhig, voller Farben und Gerüche. Sogar die Straßenschilder sind hier zweisprachig, es gibt chinesische Banken, Supermärkte, Souvenirgeschäfte – und natürlich Restaurants. Wir essen Sweet and Sour Chicken und ich sitze genau im Blickfeld von einigen großen, kranken Fischen, die traurig am Boden mehrerer Aquarien hängen. Ihre Münder klappen immer auf und zu, ich glaube, sie haben sie nicht mehr unter Kontrolle. Aber wenn man da nicht hinschaut, schmeckt das Hühnchen sehr süß und sauer und gut. Ich nehme einen Karton und Stäbchen mit für Zuhause, weil es dort nirgendwo chinesisches Essen in Kartons gibt, wie in all den Fernsehserien, und wir aber immer schonmal daraus essen wollten. Nach so etwas zu fragen ist ganz normal, weil man sich in New York jederzeit sein Essen einpacken lassen und als “Doggy Bag” mit nach Hause nehmen kann. Irgendwann beginnt der alte Chinese auf einmal, in den Aquarien herumzufischen, da gehen wir lieber ganz schnell.

Wieder vor der Tür erschlagen mich die Gerüche und vielen kleinen Menschen und das fremde Stimmengewirr. Ich glaube, in Hong Kong geht es sehr, sehr ähnlich zu. Aber das, was das New Yorker Chinatown nunmal ausmacht, ist, zwei Straßen weiterzugehen und plötzlich in Italien zu stehen. Little Italy ist von den Asiaten im Laufe der Jahre verdrängt worden und erstreckt sich inzwischen nur noch über einer Straße. Sie ist geschmückt mit Girlanden und Fahnen, als wäre gerade ein Fest, und ein Haus ist sogar komplett rot-weiß-grün gestrichen. Diese Straße ist eine der wenigen in Manhattan mit Restaurants, die draußen Tische aufstellen. Aber kaum ist einem das aufgefallen, endet sie auch schon und man befindet sich wieder mitten in China – denn das ist allmählich überall.

Hey! Ha! Amerika!

Der Mann von der amerikanischen Sicherheitsabteilung in Deutschland schaut in meinen Reisepass mit dem Drogenfoto und sagt „Eva ist sehr hübsch.“ „Vielleicht werde ich ja entdeckt, in New York“, entgegne ich.

Was für Sicherheitskontrollen! In Düsseldorf musste ich schon meine Schuhe ausziehen und wegen einer kleiner Dose Nasenspray geriet jemand in ein Riesengetöse, aber am JFK muss man in langen Schlagen darauf warten, statt dem freundlichen Mann, der sehr an den Polizisten aus „Terminal“ erinnert, einem unwirschen Pakistani zugewiesen zu werden. Der nimmt Fingerabdrücke, macht Fotos und stellt Fragen, die wir längst schon alle beantwortet haben, mit lauter Kreuzen hinter NO, in den Einreiseformularen. Während der Wartezeit schaue ich amerikanische Werbespots auf einem der Flachbildschirme an und erschrecke, als die Botschaft eines Spots am Ende lautet: 40% aller US-Haushalte mit Kindern sind in Waffenbesitz. Ich bin dankbar für ein Problem weniger, dass wir in Deutschland haben.

Columbus

Hier oben sitze ich schwebend
Und hatte keine Nacht
Der Mond steht neben mir.

Plötzlich sechs Stunden jünger!
Und unter mir, in vielen kleinen Stücken, Amerika

Ich bin Christoph Columbus

Macht doch die Lichter aus
Saugt doch die Klänge raus
Ich will alleine sein
Mit der Königlichkeit der Wolken.