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The Subways

You are so Rock and Roll!

“You are so Rock and Roll!”

Wenn diese Band die Bühne betritt, ist der allererste Eindruck: “Mensch, sind die jung!” Und gleich darauf der zweite: „Mensch, ist die wild!“ Denn die Sängerin, Freundin, Fast-Schwägerin der Band, Charlotte, wirbelt über die Bühne in großen Sprüngen und zu schnell für meine Augen. Sie schmeißt ihre Haare durch die Luft und ihre Füße hinterher, und irgendwie schafft sie es zwischendurch, den größten Rock in ihren Bass zu hämmern – während ihr eigener ziemlich kurz ist.

Wenn sie da herstürmt, bekommt man kaum noch mit, dass der Schlagzeuger, Bruder, Fast-Schwager der Band, Josh, sich auszieht. Oder dass Gitarrist, Freund und Bruder der Band, Billy, eine andere, neuere, bessere Stimme hat und seine Instrumente gern mal blind nach hinten in die Arme seines Roadies wirft. Was den Raum beherrscht sind laute, raue Klänge, zu denen man unbedingt und hoch springen wollte, wären sie nur langsamer. So wird der Fuß nach einigem Wippen müde, Augen und Ohren aber bleiben hellwach und verfolgen, genießen, erfreuen sich.

Der schönste Moment ist der des Sängers, wenn er seine Freundin wenige Sekunden in den Schatten stellt und an der Spitze der Bühne eine Ekstase, eine Passion zu spüren scheint, die ihn dazu bestimmt, das ewig weiterzumachen. Im nächsten Moment springt er.

Der will doch nur spielen

Winson hat ein neues Album gemacht. „Frag die richtigen Leute“ heißt seine zweite Platte und rockt mindestens genau so wie das Debüt von 2004 – aber doch irgendwie ganz anders. Und obwohl der Herr stets behauptet, keiner von den richtigen Leuten zu sein, habe ich ihn gefragt.

Winson spielt. Mit seiner Wasserflasche, die ganze Zeit. Aufdrehen, trinken, zudrehen, auf dem Tisch drehen. Fingert an einem Stück Papier rum, klappert mit einem Stift. Und immer wieder diese Flasche. Der Psychologe sagt, das sei Spannungsabbau. Stimmt! Winson steckt voller Energie. Er lacht viel und springt plötzlich auf, um Luftgitarre zu spielen oder laut eine Liedzeile zu singen. Er ist verspielt, und wild.

So wild klingt auch die erste Singleauskoppelung seines neuen Albums. „45 mal/Minute“ ist eine von diesen Abrechnungen mit dem Musikbusiness, wie außerdem der Titeltrack „Frag die richtigen“. Denn Winson mag noch so sehr Spielkind sein – er weiß sehr wohl, auf welch glattem Eis er sich in seiner Branche bewegt. „Wenn man mit der Musikindustrie zu tun hat, muss man jeden Tag einmal jeden angucken und sich fragen, wer ist richtig, wer ist falsch. Aber ob man dann am Abend richtig steht, wenn das Licht angeht, ist die andere Frage.“ Für seine neue Platte hat Winson auf jeden Fall die richtigen Leute gefunden: Im Gegensatz zum ersten Album „So sah die Zukunft aus“ nahm er diesmal seine Liveband mit ins Studio, zusammen mit der Berliner Sängerin Barbara Cuesta. Mit ihnen entstanden auch erstmals Balladen wie „Anders“ oder das großartige „Liebesspielsalon“ über den trostlosen Alltag eines Ecstasydealers. Dass es immer noch dieser abgedrehte Typ aus Berlin ist, der da singt, mag manch einer nicht glauben wollen.

Winson hat sich verändert. „Die einzige Möglichkeit war zu sagen, ich lasse es zu oder ich lasse es nicht zu.“ Er ließ es zu und riskiert damit, dass alte Anhänger vom Winsonzug abspringen und es eine Single mal nicht in die Charts schafft. „Aber der Plan, den ich verfolge, ist eigentlich chartsfeindlich. Ich bin meist eher ein bisschen für mich, mit der Musik.“ Weiterhin gilt jedoch: Winson macht verrückte, neue Popmusik. Kommt ihm etwas bekannt vor, wird es abgeändert oder gleich rausgeschmissen. Und wann immer er kann, packt er kleine Informationen in seine Texte, versteckte Botschaften. Diese Möglichkeit war überhaupt ein Grund für ihn, statt auf englisch vorwiegend auf Deutsch zu texten. „Man macht diese Musik, hat gewisse Ideen, und wenn die Musik gut gemacht ist, dann können andere Leute da noch ganz andere Ideen drin finden und hören.“ Das gefällt Winson. So dreht sich die Kamera im aktuellen Video ständig um die Musiker, passend zur Textzeile „Ich dreh mich 45 mal pro Minute und ich will keine Single sein“.

Geschrieben, ohne Musik dazu zu machen, hat Winson trotz seines Liebäugelns mit der deutschen Sprache aber fast nie. „Ich habe mal versucht ein Drehbuch zu schreiben. Das könnte sogar noch fertig werden. Einem Freund von mir gefiel es und der macht das vielleicht weiter.“ Die allgemeine Deutschlandfrage umgeht er trotzdem gerne. Da ist nun mal doch noch das bisschen Kind im Winson, das nicht die Verantwortung übernehmen will und deshalb vielleicht bald nach Österreich zieht. „Ich zieh ein halbes Jahr nach Wien und nehme da Demos auf und nenne die nächste Platte ‘Wienson’! Ist doch eine Superidee! Oder?“

Winson macht Radio
Anfang des Jahres hat der Berliner Radiosender Motor FM sein Moderatorenteam auf vier Leute aufgestockt. Seitdem ist Winson mit dabei. Jeden Tag sitzt er von 14 bis 16 Uhr am Mikro – und dreht sich da gerne ein bisschen mehr Bass in die Stimme. „Wenn ich selber Radio höre, finde ich immer tiefe Stimmen so gut. Deshalb mache ich meine auch tiefer. Tiefer, Winson, das geht noch tiefer..!“ Motor FM ist in Berlin auf 100,6 MHz und in Stuttgart auf 97,2 MHz zu hören. Ansonsten im Netz: motorfm.de.

Lichterkette

Lichterkette, ein Mixtape

  1. Alexi Murdoch – Orange Sky
  2. Bitnan Spring – Invasion
  3. Dios Malos – You Got Me All Wrong
  4. Dorfdisko – Junge Dame
  5. Emiliana Torrini – I Hope that I Don’t Fall in Love with You
  6. Eskobar – She’s Not There
  7. Frankie Goes To Hollywood – The Power of Love
  8. Hansen Band – Kreisen
  9. James Blunt – Goodbye My Lover
  10. Jem – Maybe I’m Amazed
  11. Jesus And Mary Chain – Just Like Honey
  12. José González – Crosses
  13. Nada Surf – If You Leave
  14. Norah Jones – Come Away with Me
  15. Scala – Hungriges Herz
  16. The Church – Under the Milky Way
  17. The Lost Patrol – The Way Things Are
  18. The Mamas and the Papas – Dream a Little Dream of Me
  19. The Reindeer Section – Cartwheels
  20. Thomas D – Liebesbrief
  21. Turin Brakes – Rain City

“Should I laugh or should I cry? I laugh.”

Herzlich Willkommen im Indiemusiktheater, Vorhang auf und Bühne frei – Showtime für Absentee! Die Londoner beglücken mit ihrem farbenprächtigen Debüt “Schmotime” und liefern pünktlich zu Sommeranfang erste Lieder für einen vorzüglichen Sonnensoundtrack.

“should i laugh or should i cry? i laugh.”
(there’s a body in a car somewhere)

Adam Green tut’s neuerdings, Brad Roberts (Crash Test Dummies) schon länger, und mit Dan Michaelson kommt der, der sie alle beide in den Schatten stellen und den tiefen Gesang ganz nach oben bringen wird. Wenn man “Schmotime”, das erste Album seiner Band Absentee einlegt, mag man vieles erwarten – nicht aber eine derart tiefe Stimme. Sein grandioses Grummeln, das ihm laut Bandhomepage den Namen „Gottes Rülpser“ eingebracht hat, nimmt auch erstmal für mindestens zwei Tracks ein. Doch spätestens dann wird klar, dass sich hinter Michaelson als dem unverkennbaren Markenzeichen eine wilde, vor Ideen sprudelnde Band verbirgt, die sich hier ein bunt-tanzbares Denkmal setzt.

Da wären zum Einen Melinda Bronstein am Keyboard, die mit kindlichen Hintergrundgesängen immer wieder Kontraste setzt und für Abwechslung sorgt, und Gitarrist Babak Ganjei, der nebenbei sämtliches Artwork für “Schmotime” übernahm. Außerdem Schlagzeuger Jon Chandler und zu guter letzt Reverand Lawrence Earlitzer, der Bass spielt, seit Urmitglied Romeo Stodart ausstieg um mit seiner eigenen Band The Magic Numbers durchzustarten. Zusammen touren die fünf Londoner seit 2004, unter anderem mit den Shout Out Louds und Architecture in Helsinki.

Mit mehreren EPs und Singles machten sie sich bei den Kritikern beliebt, darunter das 6-Track-Album “Donkey Stock”, welches der NME mit Platz 26 auf seiner Liste der Alben des Jahres 2005 auszeichnete. Auf “Donkey Stock” findet sich auch eine erste Aufnahme von Something to Bang, die erste Singleauskopplung, die besonders durch ihren Text besticht: “I’m tired of being a man, there’s always something to bang”, singt Michaelson und setzt damit einen der Höhepunkte der Platte. Im zugehörigen Video spielt das Quintett seine Instrumente mit Taschenlampen im Dunkeln – nur ein Beispiel für den scheinbar unbegrenzten Ideenreichtum der Briten. Weitere sind in We should never have children, einem Song über ein hässliches Paar, zu finden, in dem ironischerweise Kinderchöre zum Einsatz kommen.

Die Band hat, nicht nur wegen ihres brummenden Sängers, etwas Verschrobenes an sich. Wäre sie eine einzige Person, würde man sie wohl einen komischen Kauz nennen. Trotzdem ist sie gleich sympathisch, vielleicht, weil hier nichts so aussieht, als sei man auf den großen Erfolg, auf allseitige Beachtung und großes Geld aus. In den Texten wird nicht jemand Fremdes angesprochen, sondern sich meistens über sich selbst lustig gemacht. Zuhause sind Absentee bei dem kleinen Label Memphis Industries (The Go! Team, Field Music). Die Platte erscheint hier zulande allerdings bei Cooperative Music, einem Zusammenschluss mehrerer amerikanischer Labels für den Vertrieb in Deutschland. Alles scheint, als würde diese Gruppe nicht für andere, sondern allein für sich Musik machen, einfach ein bisschen die Zeit festhalten wollen, weil die gerade so gut ist.

Jeder Track von “Schmotime” erzählt Geschichten zu verschiedensten Themen, und selbst wenn ein Text melancholisch ausfällt, bleiben die Instrumente fast immer beschwingt, lustig, fröhlich. Das macht das Album zu einem außerordentlich gut geeigneten Sommer-Soundtrack, obschon es zwischendurch abdriftet und beliebiger, allgemeiner wird. Denn bei einem sonnigen Picknick will man schließlich nicht knappe vierzig Minuten lang bloß zuhören, sondern lieber mitten in der Unterhaltung aufspringen und lostanzen müssen, weil gerade diese Melodie jetzt im Moment so unglaublich rockt. Gründe dafür gibt es überall: Mal sind es die Gitarren, die besonders auffallen, im nächsten Moment tun sich die Tasten hervor, zum Beispiel durch die Orgelklänge im Opener More Troubles. Es finden sich Ohrwürmer wie Weasel, ein Countryexperiment (Truth Is Stranger Than Fishin’) und die obligatorische Ballade am Schluss (Treacle). Und natürlich gibt es auch herrliche Bläserarrangements.

Produziert wurde das Ganze übrigens von James Ford, der schon bei den Arctic Monkeys an den Reglern saß. Und trotzdem: Absentee liefern ein Debüt ab, dass sie nicht hoch in den Hype-Himmel heben wird, auch wenn der NME bereits Notiz genommen hat. Noch nicht. Stattdessen verschaffen sie sich vorerst einen festen Platz im großen Indietheater, und bleiben unser kleines Geheimnis. Komme, höre, tanze – und sag es weiter!

*lichter

“Es ist mir scheißegal, ob wir zusammen sind!!” – “Gut, dann sind wir’s.”

1. Tiefschwarz & Chikinki – Wait & See
Ähh, ja, super. Also, das Lied habe ich geschenkt bekommen von der NEON. Die hatte in ihrer letzten Ausgabe die wunderbare Idee eines „Soundtracks für den Frühling“ umgesetzt, indem sie nicht nur eine komplette Tracklist mit Songbeschreibungen druckte, sondern gleich auch ein vorgedrucktes Cover sowie CD-Aufkleber beilegte. Und: Die ersten vier Songs als Geschenkdownload bei iTunes. Habe ich mir natürlich schenken lassen. Am meisten erfreut war ich dabei über „I Need Some Fine Wine And You, You Need to Be Nicer“ von den Cardigans, ich meine – allein der Titel! Mit Wait & See kann ich allerdings nicht so viel anfangen. Beginnt mit gutem Schlagzeug, aber der Rest ist Elektronik, klingt nach Sirene und einoktavigem Kinderkeyboard. Verstaubt ab jetzt in der neuen „Einkäufe“-Wiedergabeliste.

2. Die Ärzte – Schrei nach Liebe (unplugged)
Hatte ich nicht schon mal ein Lied vom Unpluggedalbum in der Randomaktion? Hatte ich nicht schon mal gesagt, wie wunderbar die Idee für dieses Konzert war, wie grandios es selbst im Fernsehen herüberkam und wie toll es auf der Platte abgemischt ist? So, als spielten sie nur einen Meter vor einem. Aber so breit. Und wusstet ihr, dass das Konzert sechs Stunden gedauert hat? Sie haben wohl ihr halbes Repertoire gespielt. Die Ärzte. Ich erinnere mich an wilde Zeiten.

3. Pinback – Fortress
Eingängiges, typisches Fernsehserienlied. „Die Kamera begleitet ihren jugendlichen Protagonisten eine bestimmte Strecke lang, ohne sonstige Geräusche. Vielleicht knallt er zwischendurch noch mit irgendwem zusammen, geht aber weiter, oder muss etwas umrunden.“ Ihr wisst schon. Aber streicht das jugendlich, mir kommt, wenn ich das durchlese, nur Hugh Grant in „Notting Hill“ in den Sinn, auf dem Weg zu seiner blauen Tür. Tzz. Verwendet wurde Fortress nämlich in O.C. California, glaube ich.

4. Emiliana Torrini – Heartstopper
Ganz wunderbares Lied, die Dame gefunden bei Kathi. Deshalb muss ich mir wohl auch immer das von ihr so gerühmte Café Chaos vorstellen, wenn ich es höre. Dieses Lied ist für mich braun und gold und ocker und beige und komisch terrakottafarben. (Noch toller ist aber „I Hope That I Don’t Fall in Love with You“.)

5. Dean Martin – Volare
Hach. Wir bleiben gleich bei der Kaffeehausatmosphäre. (Kaffeehaus ist ein tolles Wort.) Bei Dean Martin muss man an die alten, schlecht synchronisierten Filme denken, mit Frauen in schwingenden Röcken, die immer an irgendwelchen Seen spielten und in denen oft irgendjemand auf Autodächern tanzte. Singt Mr. Martin die italienischen Teile, kommt noch dazu die wunderbare Stadt Bozen in den Sinn. Hier sind zwischendurch immer diese Feen-Töne drin, wer nicht weiß, was ich meine, vergleicht mit „Singing in The Rain“. Übrigens: Volare heißt Fliegen.