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The Geek Shall Inherit the Earth

Morgen erscheint die erste deutsche Ausgabe von Wired. Ich habe für dieses Heft…

  • eine Shisha zusammengeschraubt
  • eine nicht ganz ungefährliche London-Reise unternommen
  • ganz, ganz viele Syndication-Formulare ausgefüllt (tollerweise waren 80 Prozent dieser Arbeit im Nachhinein völlig unnötig)
  • einen Stuntman besucht
  • mehrere Abende mit Apfelschorle getarnt in Münchner Biergärten verbracht
  • Gebärdensprache gelernt (ein bisschen)
  • regelmäßig die „Vergesst die Frauen nicht!“-Fahne geschwungen, wenn die Themen wieder allzu männlich wurden (immerhin ist jetzt die zweite Titelfarbe PINK!)
  • Rotkäppchen 2.0 synchronisiert
  • Bakteriencocktails gemixt
  • zwei Videos produziert (gemeinsam mit Videoblog-Kameramann Roman) und noch mehr geschnitten

… und nicht zuletzt meinen Sommer geopfert. Also: Kauft dieses Heft! Und natürlich die wunderbare App.

Achtung: Wir verlosen Gutschein-Codes für die Wired-App auf der Hurra-Fanpage!

Völlig verzettelt: Umberto Eco macht mich fertig

Dieses Listen-Thema lässt mich nicht los, und vielleicht liegt das schlicht daran, dass es ein UNENDLICHES Thema ist. Zumindest, wenn es nach Umberto Eco geht. In seinem Band „Die unendliche Liste“ hat er jede Menge Listen gesammelt: visuelle Listen in Form von Gemälden, praktische Listen wie Einkaufszettel oder Inventare und poetische Listen, vornehmlich aus der Literatur. Doch das Buch ist mehr als eine reine Listenliste. Es beschreibt auch, woher der Drang, alles aufzulisten, überhaupt kommt.

Es geht darum, in einer unendlichen Welt, deren Orte, Menschen und Dinge wir nie vollständig überblicken können, kleine Endlichkeiten zu schaffen. Zu ordnen, was nicht zu ordnen ist – „denn gerne glaubt man, dass man auch versteht, was man gezählt und mit einem Etikett versehen hat.“

Bei der Lektüre fühle ich mich ertappt: Dieser Drang zur Vollständigkeit kommt mir sehr bekannt vor. Jeder ist irgendwann Sammler. Sei es im Supermarkt, wo man nichts vergessen will, im Urlaub, wo man alles fotografieren will, oder bei Facebook, wo man nichts verpassen will. Wie gut tut da eine Liste, die man einfach so abarbeiten kann, völlig frei von der Sorge, doch noch etwas zu übersehen!

Es gibt aber auch Leute, denen gefällt diese Unruhe. Sie sammeln Dinge, von denen sie genau wissen, dass sie sie nie in ihrer Gesamtheit besitzen können. Eco spricht von der „pure[n] Lust an der Anhäufung und Mehrung ad infinitum“ – mich würde das ja verrückt machen. Auch wenn ich ganz lange und fest nachdenke, fällt mir nichts ein, von dem ich ALLES haben wollte. (Außer vielleicht die vollständigen J. Crew-Kollektionen der vergangen drei Jahre. (Aber selbst da gibt es ein, zwei Farben, die mir einfach nicht stehen.))

Der kurze Streifzug durch die Uni-Bibliothek (schon eine monströse Liste an sich) zeigt: Listen sind überall.

Ganz im Gegensatz zu diesen praktischen Listen stehen die poetischen. Hier geht es weniger darum, einen Inhalt zu vermitteln als einen übergeordneten Eindruck. Wenn Patrick Süskind in „Das Parfum“ seitenlang die üblen Gerüche der Pariser Innenstadt aufzählt, Homer in der Ilias 300 Verse lang griechische Schiffe auflistet und Andy Warhol zig identische Suppendosen nebeneinander platziert, geht es immer um „einen Eindruck von Überfluss, von unendlicher Menge und Vielfalt“ – und damit auch von Unendlichkeit.

Diese fiese Unendlichkeit! Damit hat Umberto Eco mich ziemlich fertig gemacht. Denn man kann sie noch so stark bekämpfen mit lauter Listen, Sammlungen, Anhäufungen – und entkommt ihr doch nie. So bleibt auch Ecos Buch eine unbefriedigende, weil unvollständige Listenliste, deren letztes Wort nur lauten kann: “undsoweiter”.

Völlig verzettelt: mein Leben in Listen

Amazon-Wunschzettel

  • Bücher, die ich noch lesen will

Browser-Lesezeichen

  • Uni
  • Rezepte
  • Barbour
  • Lesestoff
  • Kram
  • Journalismus
  • Themes
  • Ungeordnete Lesezeichen

Dashboard

  • Einkaufen (Kleidung)
  • Offene Rechnungen
  • Filme, die ich noch sehen will
  • Nummern und Codes

Iphone-Notizen

  • Gute Orte in Hamburg
  • Drogerien Preisvergleich
  • Musik, die ich noch besorgen muss
  • Lustige Autovervollständigungs-Fehler

Kalender

  • Weihnachtsgeschenkideen
  • Pro & Contra Job X
  • Wen ich noch anrufen muss
  • Themenideen Videoblog
  • Themenideen Kolumne

Mailprogramm

  • Ungelesene Mails
  • Entwürfe (darin: noch nicht ausformulierte Mails – in Listen)

Schreibtisch

  • Leute, die ich wegen meines Auslandssemesters ansprechen muss
  • Einkaufen (Supermarkt)
  • Was ich erledigen muss, wenn ich das nächste Mal in der Stadt bin
  • Themenideen Blog
  • Was ich an meinem Blog ändern will, sobald es ein neues Theme bekommt
  • Themenideen Radio
  • Essen, gegen das ich vielleicht allergisch bin

Was ich nach weiteren 9 Wochen über München gelernt habe

  1. Die verstehen hier wirklich was von Weihnachten.
  2. Im Ludwig Beck gibt es die tollste Papeterie und bei Dallmayr die tollste “Food Hall”.
  3. Meyerbeer Coffee am Rindermarkt

  4. Die allerbesten, allergrößten, allerschokoladigsten Schokomuffins gibt es immer noch bei Meyerbeer Coffee am Rindermarkt.
  5. Die Münchner sind ein unheimlich stylisches Volk. Sie sind die besten, wenn es darum geht, die Moderegeln zu befolgen, aber richtigen Modemut haben sie keinen.
  6. Bahnfahren macht hier, selbst wenn es Probleme gibt, viel mehr Spaß. Oder zumindest viel weniger keinen Spaß. Wenn man mal minutenlang im düsteren Untergrund stehen bleibt, bekommt man zum Beispiel minütlich Infos über den aktuellen Stand: “Entschuldigung, in ein paar Minuten gehts weiter… Der Kollege vor uns hat ein Problem mit den Türen… Der Kollege muss jetzt den Zug räumen… Jetzt sinds nur noch ein paar Sekunden!”
  7. Es gibt hier keine Schokobrötchen, nur anders geformte Schokocroissants, die Schokobrötchen genannt werden, zusätzlich zu den normal geformten Schokocroissants. Wenn überhaupt.
  8. München ist vermutlich die einzige Stadt Deutschlands, in der sich die “Stillen Verkäufer” für Zeitungen rentieren.
  9. Es! heißt! nicht! Brezel!

20 wichtige Erfahrungen eines Bloggers

Welche Sätze man vermeiden, welche Stimmungen man erwarten und welche Realitäten man nicht aus den Augen verlieren sollte, wenn man sich entschließt, ein eigenes Blog zu beginnen.

20 Blogger-Fallen

1. „Oh man, bist du hässlich! Und wie kommst du überhaupt darauf, so einen Quatsch zu schreiben? Das stimmt doch gar nicht!“ Auf solche Kommentare musst du dich als Blogger gefasst machen. Mögliche Reaktionen gibt es, grob zusammengefasst, drei: 1. Weinen, das Weblog löschen und nie wieder ins Internet gehen. 2. Sofort eine wütend-kindische Antwort auf den Kommentar schreiben und dich anschließend über dich selbst ärgern, weil du dem Störenfried deine Zeit und Zeilen geschenkt hast. 3. Den Kommentar löschen und dich über die zehn anderen freuen, die deinen Text alle ganz wunderbar und dich äußerst gut aussehend finden.

2. Ein schönes Kunstwerk gepostet oder auch nur den Link zu einem tollen Song – schwupps, schon gibt’s Post vom Anwalt. Inzwischen haben sich ganze Kanzleien darauf spezialisiert, nichtsahnende Blogger abzumahnen. Das kann teuer werden.

3. Aus Langeweile Blogs lesen: geht klar. Aus Langeweile bloggen: bloß nicht! Wenn du anfängst, zu bloggen, weil du nun mal so gern bloggen würdest, aber gar nicht weißt, worüber du bloggen sollst, und deshalb übers Nichtbloggen bloggst – dann überträgst du deine Langeweile auf den Leser und siehst ihn nie wieder.

4. Ein kurzes Wort zum Auslandsblog: Du darfst gern ein wunderschönes Weblog einrichten, bevor du ins Austauschjahr, den Freiwilligendienst oder das Auslandssemester abdüst. Aber warte mit dem Verbreiten der Adresse, bis du mindestens einen Monat da bist. Spätestens dann merken nämlich 90 Prozent aller Auslandsblogger, dass sie eigentlich gar keine Zeit und Lust haben, dauernd für das verregnete, viel zu weit entfernte Zuhause aufzuschreiben, was sie gerade alles Geiles erleben. Zumal du während des Schreibens bestimmt die durchgeknallte Sophomore-Party oder die Schildkröten-Eiablage am Strand verpasst.

5. Buchhändler, Pizzaboten, Prostituierte – alle schreiben sehr unterhaltsame und erfolgreiche Jobblogs. Der Trick ist, weder seinen Namen noch Arbeitgeber oder Wohnort zu nennen. Sonst ist der Job – und damit auch der Inhalt – ganz schnell weg.

6. Auch Festnahmen oder körperliche Angriffe auf Blogger sind nicht selten. Zumindest nicht, wenn man aus Burma, dem Iran, Syrien, Kuba oder Saudi-Arabien bloggt. Das sind laut dem New Yorker „Committee to Protect Journalists“ die Top Fünf der gefährlichsten Länder für Blogger.

7. Selbst, wenn du nie jemandem aus der „realen“ Welt von deinen Bloggerambitionen erzählt hast, ist es doch nicht unwahrscheinlich, dass deine Mama, dein Lehrer, dein Chef oder dein Ex mitlesen. Vielleicht sogar alle vier. Siehe hierzu Punkt 5 und 17.

8. Angeblich sind die Weblogs am erfolgreichsten, die sich ausschließlich einem bestimmten Thema widmen. Aber Vorsicht: Kochbloggen macht dick! Reisebloggen macht arm! Arztbloggen macht krank!

9. Selbstüberschätzung ist eine üble Bloggerfalle. Manche scheinen wirklich davon überzeugt zu sein, dass „irgendwo da draußen“ ein Riesenpublikum heimlich mitliest – obwohl eigentlich nur Mama und Papa ab und zu vorbeisurfen. Besonders peinlich: Sätze wie „Und was meint ihr?“ oder „Ich bin gespannt, was ihr dazu zu sagen habt!“.

10. Wenn man einmal seinen Blogrhytmus gefunden hat, gibt es immer noch eine ständige Bedrohung (vorausgesetzt, es geht nicht um Streetstyle-Fotos oder lustige Internetvideos): dass einem die Themen ausgehen. Dann lieber still bleiben (siehe Punkt 3).
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