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Kathi packt ein: Schmuck mit Schleife

In der Miniserie zeigt jetzt.de-Verpackungskünstlerin Kathi, wie man Geschenke schön einpackt. Von den Keksen bis zur Kette!

jetzt.de, 11. Dezember 2009
sueddeutsche.de, 15. Dezember 2009

Kathi packt ein: Kekse zum Gucken

In der neuen Miniserie zeigt jetzt.de-Verpackungskünstlerin Kathi, wie man Geschenke schön einpackt. Von den Keksen bis zur Kette!

jetzt.de, 4. Dezember 2009
sueddeutsche.de, 10. Dezember 2009

“Die Mutter-Kind-Motive gehen besonders gut”

Manche Gesichter aus Zeitschriften und Anzeigen scheinen einen geradezu zu verfolgen. Eva-Marie Becker, 21, hat so ein Gesicht – sie ist Model für Stockfotos.

Ebay, Schlecker, Volksbank und StudiVZ – alle werben mit deinem Gesicht. Ganz schön unheimlich, oder?
Stimmt, vor allem, weil ich ja oft gar nichts davon weiß! Meistens erzählen Bekannte oder Freunde mir, dass sie mich wieder mal in einer Broschüre oder auf einer Website gesehen haben.

Wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass Bilder von dir überall auftauchen?
Ich arbeite nebenberuflich als Model und brauchte noch ein paar frische, fröhliche Bilder für mein Buch. Genau solche Bilder fand ich zufällig im Internet, sie stammten von dem Fotografen Yuri Arcurs. Er macht Bilder von „Allerweltsmotiven“ und verkauft die über Bildagenturen im Internet. Dort kaufen zum Beispiel Werbeagenturen und Redaktionen seine Fotos und dürfen sie dann für ihre Zwecke verwenden – Stockfotografie nennt man das. Ich habe ihm geschrieben und gefragt, ob er Lust auf eine Zusammenarbeit hätte. Ein paar Monate später bin ich zu ihm nach Aarhus in Dänemark geflogen.

Eine Woche lang habt ihr dort Aufnahmen gemacht. Für welche „Allerweltsmotive“ wurdest du abgelichtet?
Arcurs hat ein großes Studio in einem ehemaligen Gewächshaus. Da haben wir die Basics gemacht, Studentenszenen, Business- und Beautyfotos. Aber auch solche Lifestylesachen, zum Beispiel auf dem Sofa im Wohnzimmer, oder Mutter-Kind-Motive. Für die habe ich mit der Tochter der Stylistin posiert – sie hätte meine Schwester sein können! Trotzdem sind gerade diese Mutter-Tochter-Szenen und die Lifestylefotos besonders erfolgreich.

Woher weißt du, wie gut sich die Fotos von dir verkaufen? Wirst du am Gewinn beteiligt?

Nein, ich habe nur einmal Geld bekommen, und das war noch nicht mal besonders viel. Ich glaube, das ist die Masche von Yuri Arcurs: Beim ersten Mal sagt er, dass er ja noch gar nicht weiß, wie gut man als Model so ist, und bezahlt nur wenig – ein zweites Mal gibt es dann aber nur selten. Wie gut sich die Bilder verkaufen, sehe ich an den Zahlen, die auf den Websites der Fotoagenturen stehen.

Hat sich das Ganze trotzdem für dich gelohnt?
Klar, schließlich habe ich jetzt ein paar von den Bildern in meinem Buch! Allerdings sind die ganz hinten, hinter den Editorials, denn viele Modelagenturen bewerten Stockfotos eher negativ. Die denken dann, man wäre ein billiges Model. Ich bin aber mit 1,68 m sowieso zu klein, um hauptberuflich als Model zu arbeiten, und mache eher Werbefotos – für diese Kunden sind die Bilder super! Außerdem habe ich jetzt große Firmen wie T-Mobile oder web.de in meiner Referenzliste. Da wäre ich sonst sicher nicht so schnell dran gekommen.

Musstest du für die Stockfotos anders modeln als für die Schmuck-, Mode- oder Make Up-Strecken, die du vorher schon gemacht hattest?
Bei Stockfotos geht es darum, möglichst reale Momente einzufangen, während die Motive von Editorialfotos ja oft nicht wirklich aus dem Leben gegriffen sind. Deshalb musste ich viel weniger posen und mich nicht verstellen. Ich konnte einfach ich selbst sein – das war anfangs allerdings gar nicht so leicht. Man setzt sich vor der Kamera schnell unter Druck und denkt, jetzt muss ich auch etwas leisten. Bei den Stockfotos kam es mir eher so vor, als müsste ich gar nichts tun. Deshalb war es auch längst nicht so anstrengend wie sonst.

Du hast alle Rechte an den Bildern auf den Fotografen übertragen. Stört es dich nicht, dass jetzt jeder mit deinem Gesicht machen darf, was er will?

Die Regeln sind da ziemlich streng. Für ganz krasse Zwecke sind die Bilder schon seitens der Fotobörsen gesperrt, man darf sie also nicht für Pornowerbung oder so etwas verwenden. Die Fotografen können das dann noch weiter einschränken.

Und was ist, wenn eine Werbeagentur die Bilder bearbeitet und du auf einmal viel dicker bist oder eine ganz andere Haarfarbe hast?
Auch das ist nicht erlaubt. Man darf das Bild beschneiden, mit Text versehen und auch leicht aufhellen oder abdunkeln – aber richtig bearbeiten darf man es nicht. Ehrlich gesagt habe ich darüber im Vorfeld aber gar nicht nachgedacht. Wenn es dafür nicht so strikte Vorgaben gäbe, hätte ich es im Nachhinein auf keinen Fall gemacht.

jetzt.de, 1. Dezember 2009

Wo du mal Zuhause warst

Wenn man nach dem Abi in eine fremde Stadt zieht, denkt man an vieles, nur nicht daran, wie es den eigenen Eltern damit geht

Wo du mal Zuhause warst

„Eigentlich will ich immer nur nach Hause“, sagt Julian. Seit zwei Monaten wohnt der 19-Jährige in Aachen, 200 Kilometer von seinem Geburtsort entfernt. Er studiert Wirtschaftsingenieurwesen, sein Wunschfach. Das Studium ist gut, es fordert ihn, aber es ist gut, und die WG mit den ehemaligen Mitschülern funktioniert auch. Trotzdem setzt er sich jeden Freitag Nachmittag in den Zug und fährt drei Stunden lang nach Südlohn im Münsterland, nach Hause. Zurück nach Aachen geht es frühestens Sonntag Abend, manchmal auch erst montags in der Früh. „Viele Leute freuen sich, wenn sie ausziehen“, sagt er. „Bei mir ist es genau anders rum.“

Seinen Eltern hat das den Abschied nicht erleichtert. „Die ersten Tage waren schrecklich“, erinnern sich Ingrid und Alfons Schmeing. Julian ist ihr einziger Sohn. In der Wohnung, wo sich die drei sonst gern mal gegenseitig auf die Schippe nahmen, wenn einem von ihnen langweilig war, ist es jetzt ruhig und irgendwie nicht mehr so lustig wie noch vor ein paar Wochen. „Ich arbeite im Außendienst für einen Gartenbaubetrieb“, erklärt Alfons Schmeing, „dadurch bin ich viel unterwegs und merke das nicht so stark.“ Doch seine Frau ist Hausfrau und hat auf einmal sehr viel Zeit. „Ich lese jetzt viel mehr als früher, ich besuche meine Schwester häufiger. Und ich hätte gern wieder einen Job“, sagt sie.

Elke Selaskowski arbeitet werktags von acht bis eins bei einem Steuerberater. Seit ihre Tochter Lisa, 20, vor einigen Wochen als letztes von zwei Kindern ausgezogen ist, könnte sie auch locker noch nachmittags ins Büro gehen. „Plötzlich ist da so viel Zeit, die man füllen muss“, sagt sie. Ihr Mann arbeitet als Elektrotechniker und ist oft tagelang unterwegs. Dann ist ihr einziger Gefährte der Hund. „Der bekommt jetzt extra lange Spaziergänge“, sagt Elke Selaskowski. „Aber neuerdings bellt er fremde Hunde an. Wahrscheinlich vermisst er Lisa genauso wie ich.“

Mit dem Vermissen ist das so eine Sache. Wie Julian studiert auch Lisa in Aachen, sie kommt aber längst nicht mehr jedes Wochenende nach Hause. Sie anzurufen, das macht ihre Mutter nicht. „Ich warte lieber, bis sie sich meldet – dann weiß ich, sie hat jetzt Zeit und Lust zu reden.“ Noch greift Lisa fast jeden Tag zum Hörer. „Ich könnte zwar auch nur alle drei oder vier Tage anrufen“, sagt sie, „aber Mama freut sich doch immer so.“

Für Lisa selbst war der Auszug nicht so schmerzvoll. Das Studium, die Stadt, die Leute, alles war neu und aufregend. Jetzt freut sie sich, wenn ihre Mutter sie in Aachen besucht. „Dann gehen wir zusammen Kaffee trinken in der Stadt, das haben wir früher nie gemacht“, erzählt sie. Stattdessen gab es gemeinsame Mittagessen. Sie waren so etwas wie der Fixpunkt der Familie, zu dem man sich traf, den Tag besprach. Jetzt isst Elke Selaskowski mittags manchmal gar nichts. „Es macht einfach keinen Spaß, nur für mich allein zu kochen.“ Für Julians Familie war das Abendbrot das feste Ritual, das jeden Tag um Punkt sechs Uhr stattfand. Seit der Sohn ausgezogen ist, nehmen seine Eltern es damit nicht mehr so genau. „Wir müssen wieder Brötchen kaufen“, sagt Alfons Schmeing. „Sonst machen wir bloß auf die Schnelle was und essen vor dem Fernseher…“

Er hätte nie gedacht, dass es ihm so schwer fallen würde, Julian sonntags zum Bahnhof zu bringen. „Ich muss dann immer noch jedes Mal schlucken“, gesteht er. „Dabei sehen wir uns doch schon in einer Woche wieder!“ Trotzdem würde er seinem Sohn nie sagen, er solle zurück nach Hause kommen – auch, wenn der das im Moment vielleicht gern hören würde. „Julian hat schon immer lange gebraucht, um sich an ein neues Umfeld zu gewöhnen“, sagt seine Mutter. „Das wird schon.“ Und man weiß nicht genau, wem sie damit nun Mut zuspricht – ihrem Sohn oder sich selbst.
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“Kinder, wir gehen mal schnell ein Haus kaufen”

Zuhause ist da, wo die Eltern wohnen. Was aber passiert, wenn die Eltern genau in dem Moment, in dem man ausziehen möchte, selber umziehen? Bei Stefanie Rudde, 20, war es genauso. Im Interview erzählt sie von neuen und alten Häusern und von einem Bruder, der sich auf ihren Auszug freut.

Stefanie, normalerweise zieht man nach der Schule doch allein um und nimmt nicht gleich die ganze Familie mit.
Stimmt! Aber bei uns ging es dieses Jahr einfach drunter und drüber. Alles fing im Frühjahr an, als uns der Vermieter sagte, dass wir aus der Doppelhaushälfte rausmüssen, in der wir seit 14 Jahren wohnten. Er wollte sie auf einmal für sich selbst haben. Völlig überraschend mussten wir uns ein neues Haus suchen!

Konntest du da überhaupt noch in Ruhe fürs Abi lernen?
Das schon, aber man geht mit einem ganz anderen Blick durchs Haus. Manchmal lief ich an Gegenständen vorbei, die ich vorher nie wirklich wahrgenommen hatte, und dachte: Oh, dafür brauchen wir dann aber einen großen Karton! Ich konnte plötzlich auch viel leichter Dinge wegschmeißen. Und auf einmal fallen einem lauter Sachen am Haus auf, die eigentlich blöd sind. Die Heizung leckte und der Elektroherd ging genau pünktlich kaputt, aber den brauchen wir jetzt sowieso nicht mehr, im neuen Haus haben wir ein Ceranfeld.

Warum bist du eigentlich nicht gleich nach Münster gezogen, wo du jetzt studierst?
Kurz nach meinem Abi kamen meine Eltern schließlich in die Küche und sagten zu mir und meinem kleinen Bruder: “Kinder, wir gehen mal kurz ein Haus kaufen, braucht ihr sonst noch was?” Dann ging alles so schnell, dass ich gar keine Zeit mehr gehabt hätte, mir eine Wohnung in Münster zu suchen. Jetzt pendle ich erstmal zwischen Uni und Zuhause und ziehe vielleicht zum nächsten Semester aus.

Aber wenn du sowieso bald ausziehen wirst, hätten deine Eltern doch auch ein kleineres Haus kaufen können – wäre das nicht praktischer gewesen?
Zum Glück haben meine Eltern von Anfang an gewollt, dass ich auch im neuen Haus ein eigenes Zimmer bekomme. Mein kleiner Bruder ist allerdings scharf auf meine frisch renovierte Dachkammer. Er sagt immer: „Oben wohnt meine Schwester – noch.“

Bist du traurig, dass du jetzt nie mehr in dein Elternhaus zurückkehren kannst?
Es stimmt schon: Wenn ich an Zuhause denke, habe ich immer noch das alte Haus im Kopf. Aber ich glaube, das wäre noch schlimmer, wenn ich direkt nach Münster gezogen wäre. Ich habe beim Umzug viel geholfen. Wenn man da selber Laminat verlegt, Wände streicht und mit einem großen Hammer den alten Kamin raushaut, lernt man so ein Haus doch ziemlich gut kennen. Wenn ich jetzt ausziehe, habe ich wieder ein Elternhaus.

Süddeutsche Zeitung, 30. November 2009