Heute sint wier total Schnel Gefaren heist die Überschrift heute wolte Mich Linas Mama apholen im Auto ist ir eingefalen das sie die Deke fergesen hat dan wolte sie noch mal nach Hause faren und die Deke holen Da sint wier bestimt Hundert Fünfzik gefaren dan waren wier bei Lina Linas Mama ist gans Schnel aus dem Auto und hat die Deke geholt und das Kisen natürlich dan ist sie wider ins Auto geflizt und dan ist sie weiter gefaren da sint wier wider Hundert fünfzik gefaren wui und Lina hat auf der rükfart bei der Ampel gesackt Grün Grün Grün und Ich dan auch und dan sint wier gans schnel durch die Kurve gerast bei der Schule ist Linas Mama aus dem Auto Gestigen hat Lina und mir die Tür Auf Gemacht und hat uns die Ransen Raus geworfen Ich habe meinen gesucht und gesucht erst Habe Ich in nicht gefunden dan lach er unter dem Auto Ich zok in raus und gink mit Lina in die Schule
Alle Einträge mit dem Tag Anlauttabelle
Fibeln sind war für Leute, die keine Geschichten zu erzählen haben
Ich hatte ja nie eine Fibel. Ab und zu kommen die Gespräche in der Schule auf Fibeln und die komischen Kobolde oder Wurzelwesen, die darin wohl herumhuschen. Dann kann ich leider nicht mitreden.
Schreiben habe ich mit der Anlauttabelle gelernt, einer Methode, die vor über zehn Jahren noch ziemlich neu war. Meine Lehrerin war die erste, die das an der Grundschule ausprobierte – mit uns. Dazu musste sie sich gegen eine entsetzte Elternhorde durchsetzen, die nicht verstehen konnte, dass man Lesen und Schreiben bloß mithilfe einer laminierten Din-A4-Seite lernen kann.
In einer meiner ersten Grundschulstunden durfte ich diese Seite ausmalen. Ganz viele Bilder waren drauf, zu jedem Buchstaben mindestens eins: U wie Unterhose. I wie Indianer. Pf wie Pfanne. Der Trick ist, die Buchstaben so auszusprechen, wie wir sie auch verwenden. Statt “Be” sagt man “b” und statt “Ha” “h” – sowas macht Eltern verrückt. Aber uns zu korrigieren war streng verboten.
Wir durften so schreiben, wie wir die Wörter hörten – Rechtschreibfehler gab es nicht. Während die Parallelklasse noch Tim, Ole, Oma lernte, schrieben wir bereits Geschichten. Vielleicht war schon damit der Grundbaustein für meine Schreibleidenschaft gelegt.
Heute habe ich ein paar alte Hefte wiedergefunden. Es macht riesigen Spaß, die kurzen, oft eigenwillig bebilderten Einträge mal wieder zu lesen. Sogar etwas Weihnachtliches habe ich gefunden:

Weitere Fundstücke gibts in den nächsten Tagen. Eine Anlauttabelle kann man sich hier angucken, und mehr über die Methode, nach der meine Lehrerin gearbeitet hat, findet sich hier.
Vor kurzem kam dann mein Deutschlehrer in die Klasse und erklärte, er wolle jetzt an seiner Aussprache arbeiten. Seine Tochter lernt nämlich auch Schreiben mit der Anlauttabelle und schreibt die Wörter so, wie sie sie hört. Sie hat ihm geschrieben, sie wünsche sich einen “Hont”.





Kommentiert
anna*: tolle reihe, echt spannend!
anna*: berührend. und das meine ich nicht pathetisch, aber ich weiß mich gerade nicht besser auszudrücken als “das berührt meine seele”.
Auceza: Huhu!!! Habe vor Kurzem Deine Website im Netz entdeckt und finde sie sehr gut. :) Ich hoffe, dass Du noch viele Interviews machst und fleißig...
Nathalie: Ich drücke mich immer vom lernen mit lesen.. I love lesen Und ich liebe einen jungen aus der 6. Klasse