Das Weblog von Eva Schulz

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Challah-Brot und Dattelsirup – im Shuk von Jerusalem

Jerusalem ist eine geteilte Stadt. Im Osten leben Palästinenser, im Westen Israelis. Ultra-orthodoxe Juden, äthiopische Einwanderer oder Expats wie ich – sie alle haben ihre eigenen Viertel und bleiben meistens unter sich.

Der Shuk ist der eine Ort, an dem sich alle treffen.

Mahane Yehuda

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Am liebsten bin ich freitags dort. Der Nachmittag vor Shabbat ist mit Abstand der trubeligste, engste, lauteste, tollste. Nur dann verkaufen die Bäcker das Challah-Brot, einen Hefezopf, der bei keinem Shabbat-Dinner fehlen darf.

Mahane Yehuda Jerusalem
Mahane Yehuda Jerusalem

Nicht nur die Bäcker, auch die Metzger, die Gemüse- und Gewürzhändler preisen lautstark ihre Waren an. Ihre Rufe („10 Schekel für ein Kilo Knoblauch!“) vermischen sich mit dem Sound arabischer Radiosender und dem Geruch von Olivenöl, Dattelsirup und süßlichen Shishas.

In Deutschland gibt es das fast gar nicht mehr – einen Markt, der jeden Tag von früh bis spät geöffnet ist. Umso mehr habe ich es genossen, regelmäßig hierher zu kommen und mich in den engen Gassen des Shuks zu verlieren, anstatt im Supermarkt einzukaufen.

Mahane Yehuda

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Zwischen Händlern, die haufenweise Tees und Gewürzmischungen verkaufen oder Nüsse und getrocknete Früchte (bei ihnen wird besonders gern heimlich genascht), finden sich seit ein paar Jahren auch immer mehr Cafés und Kneipen. Der Shuk ist zum populären Ausgehziel geworden. Wo am Vormittag über eingelegte Oliven und halbe Hähnchen verhandelt wird, finden abends Konzerte statt.

Mahane Yehuda

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Viele der über 250 Marktstände sind Familienbetriebe, oft in der dritten Generation. Die Händler stammen aus Äthiopien, Persien, Georgien, Bulgarien, Syrien… und übrigens nicht selten auch aus Palästina. Für wenige Cent verkaufen sie ofenfrisches, mit Za’atar bestreutes Pita-Brot, und zu Touristenpreisen die besten Fruchtsäfte, die ich je getrunken habe.

Mahane Yehuda
Mahane Yehuda Jerusalem

In der Gasse vor dem „Halva Kingdom“ stehen den ganzen Tag Verkäufer mit kleinen Tabletts und bieten Kostproben der über 100 Sorten Halva an, die man hier kaufen kann. Diese orientalische Süßigkeit ist sowas wie Sesamnougat. Mir liegt aber eher Rugelach, ein süßes, mit Mohn gefülltes Gebäck, das die orthodoxen Familienväter in so rauen Mengen einkaufen, dass mich die Konditoren für ein einzelnes oft gar nicht bezahlen lassen.

Mahane Yehuda

Sowieso verdrehen die Händler hier die Augen angesichts der kleinen Mengen, die ich für meinen Single-Haushalt einkaufen will. Normalerweise werden ihnen die Auberginen, Orangen und Süßkartoffeln kiloweise abgenommen.

Mahane Yehuda

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Der Besitzer dieses Käseladens, Eli Basher, fährt einmal im Monat auf den Großmarkt in Paris, um seinen Kunden das wohl größte Käsesortiment Israels bieten zu können.

Und dass diese Metzgersfamilie neben Fleisch offenbar auch eine Auswahl an Waffen im Angebot hat, habe ich erst zuhause beim Durchsehen der Bilder entdeckt.

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Auf dieser tollen Website gibt es neben einer Karte des Shuk (die natürlich völlig überflüssig ist, man verläuft sich hier so oder so) auch Informationen zur historischen Entwicklung des Marktes und Porträts der einzelnen Händler – inklusive ihrer persönlichen, oft sehr lesenswerten „messages to the people“ und vieler weiterer Fotos.