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Mein Roadtrip Soundtrack (2): Alabama und Tennessee

Mein Roadtrip Soundtrack (2): Alabama und Tennessee

Seit Wochen hadere ich mit meinen weiteren Reisebeschreibungen aus den US-Südstaaten. Nach Georgia bereiste ich Alabama und Tennessee. Als Reisender in diesen Bundesstaaten ist es ein bisschen wie als Tourist in Berlin: Um manche Themen – zweiter Weltkrieg, das geteilte Deutschland – kommt man einfach nicht herum. Also begann ich, mich noch einmal ganz neu mit dem Civil Rights Movement auseinanderzusetzen.

In Museen und an Gedenkstätten lernte ich, dass die Bewegung viel stärker von jungen Menschen geprägt und leider auch viel stärker von Gewalt überschattet war, als ich gedacht hatte. Auf den Straßen, in Restaurants und Supermärkten lernte ich, dass sie noch längst nicht vorbei ist. Schwarze und weiße Sphären scheinen einander kaum zu überschneiden, so war zumindest mein Eindruck. Aber das niederzuschreiben, als Touristin, die die Region gerade einmal ein paar Wochen bereist hat, kam mir falsch und vorschnell vor. Es gibt so viele Vorurteile, die man lieber nicht bestätigen möchte.

Dann kam Ferguson und damit eine sehr bittere Bestätigung. Inzwischen wurde wieder viel geschrieben über dieses Amerika und seine Bürgerrechte. Über den Civil Rights Act. Dieser viel beachtete Tweet bringt es auf den Punkt:

Für mich persönlich war Alabama der Staat, in dem ich auch mental endlich in den Südstaaten und meinem Roadtrip ankam. In dem ich die ersten wirklich langen Strecken zurücklegte und (doch noch) ein ziemlich amerikanisches Verhältnis zu meinem Auto entwickelte.

Ich fuhr durch die Außenbereiche von Städten wie Birmingham und Montgomery, vorbei an Teenagern, die stundenlang am Straßenrand stehen und für ein paar Dollar die Stunde das pfeilförmige Werbeschild eines Diners oder Elektrofachmarkts in die Höhe recken. Ich fuhr über ewig lange, schnurgerade Highways und Interstates, an denen das Interessanteste die Billboards waren, auf denen Jesus gepriesen wurde, und ab und zu einer von diesen riesig großen Trucks, die ganze Häuser transportieren. Alabama, Mississippi, Tennessee – das sind die US-Bundesstaaten, wo in Tankstellentüren Schilder hängen wie diese:

NO SHOES NO SHIRT NO SERVICE
Pull up your pants

Diese Orte waren fremd. Aber genau richtig. Ich drehte das Autoradio auf.

Du willst noch mehr? Hier geht es zu Roadtrip Soundtrack (1): Georgia und die Carolinas und Roadtrip Soundtrack (3): Nachts durch Mississippi