„I’m slutty, but I’m a good person!“

Kann es sein, dass auf der anderen Seite des großen Teichs gerade eine kleine Revolution stattfindet? Eine Revolution in Sachen chick flicks?

Chick flicks, das sind Filme und Serien, die sich angeblich nur Mädchen angucken. Es geht darin um Liebe und Affären, Freundschaft und Zickengehabe, Schuhe, Törtchen und was Mädchen sonst noch so zu interessieren hat. Die chick flicks von früher sind zuckersüß. „Sex and the City“ propagierte das Bild junger, strahlend schöner Karrierefrauen, die in New York auf der Suche nach Mr. Right sind. Dort war alles ganz einfach, der Sex sehr aufregend, die Stadt total schick.

Aber das ist zehn Jahre her. Das neue „Sex and the City“ heißt „Girls“. Wieder geht es um vier Frauen in New York, aber die sind längst nicht so gestriegelt, wohnen längst nicht so exquisit und haben mitunter Sex, der einem einen kalten Schauer über den Rücken jagt. Früher fragte man sich beim Anschauen von chick flicks: Warum ist mein Leben nicht auch so idyllisch-hip? Heute denkt man sich eher: Zum Glück geht es bei mir ruhiger zu!

Zum Beispiel möchte ich auf keinen Fall mit Lola tauschen, die kurz vor ihrer Hochzeit (und ihrem 30. Geburtstag) von ihrem Verlobten verlassen wird. Der Zuschauer begleitet sie durch die üblichen Phasen – Trauer, Frust, Wut –, bei Fressattacken und auf Dates mit gruseligen Typen. Mit denen sie dann doch ins Bett geht. Derweil schlägt ihre Mutter ihr vor, sicherheitshalber ein paar Eizellen einfrieren zu lassen, und der beste Freund bringt „consolation lasagne“ vorbei.

Man möchte nicht Lola sein, aber man möchte sich all das sehr gern anschauen. Das liegt vor allem an Greta Gerwig. Die Schauspielerin, die zuletzt in Woody Allens „To Rome With Love“ zu sehen war, ist nicht zu dünn, nicht zu hübsch, nicht zu piepsig und beherrscht eine unglaubliche Anzahl von Gesichtsausdrücken. Sie ist die perfekte Darstellerin für das moderne chick flick. Das ist zwar noch genauso vorhersehbar wie früher, verzichtet aber auf viele der längst abgedroschenen Klischees. Die Dialoge sind schnell, lustig und ehrlich. Und die Geschichten beginnen oft da, wo romantische Komödien früher endeten: beim ersten Kuss. Sie zeigen, wie es kriselt („500 Days of Summer“), ernst wird („Away We Go“) oder eben wieder aufhört.

Warum also nicht mal wieder etwas mehr Mädchen sein und mit den Freundinnen ins Kino gehen? Am besten mit ein bisschen Zickengehabe. Und Törtchen.