Journalistin & Moderatorin

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Liebe Brillenträger,

ihr müsst mir da was erklären. Ich finde Brillen seit jeher toll. Die allermeisten Menschen sehen mit Brillen klug aus und hübsch und interessant. Sie sind ein wunderbares Accessoire und mehr noch, eine Möglichkeit, die eigene Persönlichkeit oder gar Stimmung auszudrücken. Meine Schwester hat sich vor Jahren mal ein Lineal ins Auge gestochen und musste daraufhin sechs Wochen lang eine Fensterglasbrille tragen. Ich war sehr neidisch. Noch heute sinniere ich manchmal darüber nach, wie es wäre, mir selbst so eine Fensterglasbrille anzuschaffen. Dann würde ich auch klug und hübsch und interessant aussehen. Das wäre mal was anderes.

Aber jedes Mal, wenn ich diesen Wunschtraum laut ausspreche, brandet mir von allen anwesenden Brillenträgern eine Welle der Empörung entgegen. Wie ich bloß auf die Idee käme. Das wäre ein himmelschreiender Unfug, und sowieso, ich könnte ja gern ihre Brillen gegen meine Augen tauschen. Es ist, als wären sie behindert und ich würde mich über sie lustig machen.

Liebe Brillenträger, empfindet ihr eure Sehschwäche und das damit verbundene Brillenprivileg wirklich als eine Behinderung? So habe ich das nämlich noch nie gesehen. Ich wusste zwar, dass manche von euch ungern zum Friseur gehen, weil sie da die Brille abnehmen müssen und dann nicht mehr erkennen können, was der Friseur mit ihnen macht. Oder dass es nervt, wenn jemand auf die Gläser patscht und ihr dann fleckig seht. Aber ich dachte, das wäre für euch in etwa so schlimm wie für mich Knoten in den Haaren – die sind ein blöder Nebeneffekt, aber deshalb bin ich doch nicht gleich beleidigt, wenn sich jemand glattes, dünnes Haar wünscht?

Also: Wie schlimm sind Brillen wirklich? Und warum seid ihr böse, wenn noch jemand in euren Club will? Das müsst ihr mir erklären.