Journalistin & Moderatorin

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Harouds Beschneidung

Wir treffen Haroud, als wir durch die Jerusalemer Altstadt streifen, auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken. Er verkauft Keramik in einem Laden im armenischen Viertel. Teller, Schüsseln, Vasen, Kacheln… „Alles handbemalt!“, ruft er. „Für euch mache ich einen Spezialpreis!“

„Was ist mit deinem Daumen passiert?“, frage ich ihn. Sein rechter Daumen ist dick mit Mullbinden umwickelt, die gelb verfärbt sind. „Ohje“, sagt er und wirft die Hände über den Kopf. „Das ist eine komplizierte Geschichte.“

Im Fernsehen habe es neulich Abend so ein nettes Programm gegeben, da wollte er es sich besonders gemütlich machen. „Also habe ich mir Sachlav zubereitet, kennst du das?“ Nein, sage ich, Sachlav kenne ich nicht.

„Das ist sowas wie die heiße Schokolade des Nahen Ostens“, sagt Haroud und beschreibt ausführlich, wie er gemahlene, getrocknete Orchideenwurzeln mit Milch und Zucker vermischte und aufgekochte, bis das Ganze eindickte. „Rosenwasser darfst du auch nicht vergessen“, sagt er, „und Pistazien obendrauf!“

Er sei gerade fertig gewesen und habe das puddingartige Getränk nur noch umfüllen wollen, „in eine von unseren wunderschönen Tassen hier, schau!“ Er nimmt einen bunten Kaffeebecher aus dem Regal und hält ihn mir vor die Nase. „Und dann ist sie mir irgendwie aus der Hand auf die Spüle gerutscht und PÄNG!!“ Haroud wirbelt mit den Armen durch die Luft. „Zerbrochen! Zwei Stunden lang habe ich geblutet. Dann hat meine Frau mich zum Arzt geschickt.“

Beim Arzt habe er den Priester getroffen. „Dem habe ich eine andere Geschichte erzählt“, kichert Haroud. „Ich habe ihm gesagt, dass ich zum Judentum konvertieren will. Aber dafür muss man ja beschnitten sein! Also habe ich mir mal eine Kostprobe geben lassen…“ Beim Gedanken daran, wie er seinen Priester verulkt hat, schlägt Haroud vor Lachen mit der heilen Hand auf die Theke.

„Aber nach dieser Kostprobe bleibe ich doch lieber Christ!“, ruft er. Daumen hoch.